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Seltene Briefmarken: Raritäten, Wertfaktoren und legendäre Marken

Seltene Briefmarken faszinieren, weil hinter jedem Stück eine eigene Geschichte steckt. Wer hier sucht, will verstehen, was echte philatelistische Rarität ausmacht und wie sie sich einordnen lässt.

Auf Catawiki finden Sie als Sammler kuratierte Raritäten mit laufenden Auktionen und transparenten Zuschlägen – das empfehle ich als direkten Einstieg in den Markt für seltene Briefmarken.

Aktuelle Auktionen entdecken

Diese Seite führt Sie durch die wichtigsten Kategorien seltener Marken — von deutschen Klassikern bis zu internationalen Spitzenraritäten mit dokumentierter Provenienz, strukturiert für Sammler und Verkäufer gleichermaßen.

Auf einen Blick

  • Seltenheit allein genügt nicht: der Wert einer Rarität entsteht durch das Zusammenspiel von Seltenheit, Zustand und Nachfrage
  • Die teuersten Marken der Welt sind Unikate oder Fast-Unikate: One Cent Magenta, Treskilling Yellow, Blaue und Rote Mauritius
  • Deutschlands Top-Raritäten stammen aus der Altdeutschland-Zeit: Schwarzer Einser, Sachsendreier, Baden 9-Kreuzer-Fehldruck
Seltene Briefmarken auf Holztisch mit Lupe und Katalog

Was macht eine Briefmarke selten?

Seltenheit ist kein eindimensionaler Begriff. Eine Marke kann niedrig aufgelegt, aber trotzdem häufig verfügbar sein - umgekehrt kann eine Massenausgabe durch besondere Umstände zur begehrten Rarität werden. Es lohnt sich, die wichtigsten Faktoren einzeln zu betrachten.

Niedrige Originalauflage

Die Grundlage jeder Rarität ist zunächst die Druckauflage. Was in kleiner Stückzahl erscheint, ist von Beginn an schwerer zu bekommen. Das Gegenbeispiel zeigt, wie paradox das werden kann: Die Audrey-Hepburn-Wohlfahrtsmarke von 2001 hatte eine Auflage von 14 Millionen Exemplaren - und ist trotzdem extrem selten, weil nahezu die gesamte Produktion vernichtet wurde. Niedrige Originalauflage und erhaltene Stückzahl sind also zwei verschiedene Dinge.

Fehldrucke und Abarten

Druckfehler entstehen durch Fabrikationspannen, die erst nach der Ausgabe bemerkt werden. Der Treskilling Yellow aus Schweden von 1855 ist das bekannteste Beispiel: Er wurde fälschlicherweise in der Farbe der 8-Skilling-Marke gedruckt, statt in der korrekten Tönung seiner Nominalklasse. Von dieser fehlgedruckten Farbe existiert weltweit nur ein einziges bekanntes Exemplar. Solche Abarten entstehen zufällig und sind kaum reproduzierbar - das macht sie für Sammler und Investoren so attraktiv.

Erhaltene Stückzahl - wie viele überlebt haben

Von der ursprünglichen Druckauflage überleben oft nur wenige Exemplare die Jahrzehnte. Die Mauritius-Marken aus dem Jahr 1847 wurden in je 500 Stück hergestellt. Heute sind von der Blauen Mauritius noch 12 Exemplare bekannt, von der Roten Mauritius noch 15 - das entspricht einer Überlebensrate von unter 3 Prozent.

Briefmarken wurden benutzt, zerrissen, weggeworfen oder vergilbten im Lager. Suchen Sie gute Erhaltung, müssen Sie die erhaltene Stückzahl stets koppeln mit dem konkreten Erhaltungsgrad des jeweiligen Exemplars.

Postfrisch, gestempelt, auf Brief

Der Verwendungsstatus einer Marke beeinflusst ihren Wert erheblich. Postfrisch (MNH) meint original, vollständig gummierter Zustand ohne Falz. Gestempelt bedeutet, die Marke war im postalischen Gebrauch. Auf Brief oder auf Kuvert kann eine Marke in bestimmten Fällen sogar mehr wert sein.

Ein vollständig erhaltener Ersttagsbrief des Schwarzen Einsers vom ersten November 1849 erzielte im September 2024 bei Heinrich Köhler einen Zuschlag von 440.000 Euro (Quelle: Sonntagsblatt). Als lose Marke liegt der Wert deutlich unter diesem Briefpreis.

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Die legendären Raritäten der Welt

Weltweit gibt es eine Handvoll Briefmarken, die in Sammlerkreisen denselben Bekanntheitsgrad haben wie Kunstwerke. Ich stelle Ihnen die fünf wichtigsten vor - nicht um Träume zu wecken, sondern damit Sie wissen, was hinter den Schlagzeilen steckt.

Blaue Mauritius - 12 bekannte Exemplare

Die Blaue Mauritius von 1847 ist eine 2-Pence-Marke mit der Inschrift „POST OFFICE" statt der korrekten Bezeichnung „POST PAID". Dieser Druckfehler macht sie zur Legende. Weltweit sind heute nur 12 Exemplare bekannt, einige davon in öffentlichen Museen und damit dem Auktionsmarkt entzogen. Das Berliner Museum für Kommunikation widmete ihr eine eigene Ausstellung, dokumentiert auf der Website des MfK Berlin.

Rote Mauritius - 15 bekannte Exemplare

Die Rote Mauritius ist die 1-Penny-Schwester derselben Ausgabe aus dem Jahr 1847. Von ihr sind weltweit 15 Exemplare bekannt, wie die deutschsprachige Wikipedia-Seite zur Mauritius-Ausgabe belegt. Sie gilt als geringfügig weniger selten als die Blaue Mauritius, ist aber ebenso kaum auf dem freien Markt verfügbar. Eines der wenigen Stücke in Privatbesitz zu erwerben bedeutet, sich im siebenstelligen Bereich zu bewegen.

Treskilling Yellow - das schwedische Unikat

Der Treskilling Yellow aus dem Jahr 1855 existiert in einer einzigen bekannten Kopie. Der schwedische Farbfehldruck wurde 1996 zuletzt öffentlich bei einer Auktion für 2,88 Millionen Schweizer Franken zugeschlagen - ein Rekord, der seinen Status als Unikat spiegelt, wie die englischsprachige Wikipedia-Seite zum Treskilling Yellow dokumentiert. 2013 wechselte die Marke privat in Schweden erneut den Besitzer, der Preis wurde nicht bekanntgegeben.

One Cent Magenta - ein Exemplar, British Guiana

Die One Cent Magenta aus dem Jahr 1856 ist die teuerste Briefmarke der Welt. Das einzig bekannte Exemplar wurde im Juni 2021 bei Sotheby's für 8.307.000 US-Dollar zugeschlagen - Käufer war Stanley Gibbons. Die achteckig beschnittene, einfarbige Marke hat optisch wenig Glamour - ihr Wert liegt in der Einzigartigkeit: Sie ist das Unikat schlechthin.

Penny Black - die erste Briefmarke der Welt

Der Penny Black aus dem Jahr 1840 nimmt eine besondere Stellung ein: Er war die erste Briefmarke der Welt, ausgegeben in Großbritannien. Wirklich selten ist er nicht - er wurde in großen Mengen gedruckt und ist heute noch häufig in Sammlungen zu finden, wie die Wikipedia-Seite zum Penny Black ausführt. Seinen Wert begründet die historische Pionierstellung der Ausgabe, nicht die Seltenheit. Gut erhaltene Exemplare sind erschwinglich; der Reiz liegt im Sammlerwert, nicht im Spekulationswert.

Weltweite Briefmarken-Raritäten im Überblick (Stand: 2026)
MarkeJahrBekannte StückLetzter Auktionspreis
Blaue Mauritius184712Nicht öffentlich (zuletzt in Museums- und Privatbesitz)
Rote Mauritius184715Nicht öffentlich (zuletzt in Privatbesitz)
Treskilling Yellow185512,88 Mio. CHF (Auktion 1996); 2013 privat
One Cent Magenta185618.307.000 USD (Sotheby's, Juni 2021)
Penny Black1840Viele TausendVariabel, je nach Erhaltung

Deutsche Briefmarken-Raritäten

Deutschland hat eine reiche philatelistische Geschichte, und einige ihrer Kostbarkeiten haben es zu internationalem Ruhm gebracht. Ich finde es bemerkenswert, wie viele deutsche Raritäten aus der kurzen Altdeutschland-Phase vor der Reichsgründung stammen - einer Zeit, in der jedes Königreich und jedes Herzogtum seine eigenen Marken herausgab.

Schwarzer Einser 1849 - erste deutsche Briefmarke

Der Schwarze Einser ist die erste Briefmarke Bayerns und damit die erste deutsche Briefmarke überhaupt. Als 1-Kreuzer-Marke erschien er 1849 und ist seitdem eines der begehrtesten Sammelstücke der deutschen Philatelie. Laut einer Meldung des Auktionshändlerverbands APHV erzielte ein vollständiger Ersttagsbrief im September 2024 bei Heinrich Köhler 440.000 Euro. Alle Geschichte und Echtheitskriterien dieser Marke finden Sie ausführlich im Spoke-Eintrag zum Schwarzen Einser.

Sachsendreier - die 3-Pfennig-Rarität

Der Sachsendreier von 1850 ist eine 3-Pfennig-Marke aus dem Königreich Sachsen, ausgelegt für den Zeitungsversand unter Streifbändern. Genau das macht ihn so selten: Die Streifen wurden beim Öffnen in der Regel zerrissen, die Marke dabei zerstört. Einwandfreie Exemplare sind deshalb enorm schwer zu finden, wie die Wikipedia-Seite zum Sachsendreier dokumentiert. Im Vergleich zur Mauritius ist er für enthusiastische Sammler mit Fachkenntnissen noch erreichbar - aber nur mit Geduld und Prüfzeichen.

Baden 9-Kreuzer-Fehldruck - der Farb-Ausrutscher

Der Baden 9-Kreuzer-Fehldruck von 1851 gilt als die wertvollste deutsche Briefmarke. Gedruckt in Blaugrün statt in Rosa, passierte dieser Produktionsfehler ohne erkennbaren Grund. Im Juni 2019 wechselte ein Exemplar bei Heinrich Köhler für 1,26 Millionen Euro den Besitzer. Die Seltenheit entsteht durch den einmaligen Fehler in der Produktion - solche Fehldrucke tauchen nicht aus Druckplatten auf, sie entstehen durch Verwechslung der Farben bei einzelnen Bögen.

Audrey Hepburn - moderne Rarität durch Zurückziehung

Die Wohlfahrtsmarke 2001 mit dem Motiv Audrey Hepburn war nicht für die Ausgabe in der Bundesrepublik Deutschland vorgesehen, solange die Familie der Schauspielerin dem Motiv nicht zugestimmt hatte. Nachdem die Söhne ihr Veto eingelegt hatten, wurde die gesamte Auflage von 14 Millionen Stück vernichtet. Einige Prüfbögen überstanden die Vernichtung. Die Hepburn-Marke als Sonderfall zeigt: Seltenheit kann auch durch nachträglichen Entzug entstehen, nicht nur durch geringe Originalauflage.

Im November 2015 wurde auf eBay ein Exemplar für 64.750 Euro versteigert. Widersprüchliche Angaben zur genauen Stückzahl kursieren; gesichert sind mindestens fünf gestempelte Exemplare sowie ein erhaltener 10er-Bogen, laut Wikipedia zur Wohlfahrtsmarke Audrey Hepburn. Das macht eine seriöse Wertermittlung besonders schwierig - ohne vollständige Provenienz bleibt jeder Preisansatz unsicher.

Wie viel ist eine seltene Briefmarke wert?

Die Frage nach dem Wert ist die häufigste, die ich in der Beratung höre. Die ehrliche Antwort: Es kommt auf vier Faktoren an, und alle vier müssen zusammenpassen, damit ein höhere Preis realisierbar ist.

Marktwert prüfen

Die vier Wertfaktoren

Seltenheit ist Faktor eins - aber ohne die anderen drei bleibt sie wertlos. Zustand (Zentrierung, Zähnung, Gummierung) ist Faktor zwei. Auf Briefmarken-Fachauktionen beobachte ich immer wieder, wie ein Exemplar mit minimalen Zähnungsmängeln oder Stockflecken unbeachtet bleibt, weil heutige Investoren keine Kompromisse bei Qualität eingehen.

Echtheit ist Faktor drei - ohne Nachweis kein voller Preis. Nachfrage ist Faktor vier: Ein Motiv kann selten und echt sein, aber wenn kein Käufer es will, realisiert es im Markt kaum Erlös.

Auktionspreise vs. Michel-Katalogwert

Der Michel-Katalog listet idealisierte Richtwerte für Marken in perfektem Zustand. Was der Markt tatsächlich bezahlt, weicht häufig ab - nach unten bei Erhaltungsmängeln, nach oben bei Unikaten. Für Massenware aus den 1970er und 1980er Jahren liegen die realisierten Auktionspreise oft bei 5 bis 30 Prozent des Katalogwerts.

Für echte Unikate sprengen sie jede Katalog-Logik. Addieren Sie alte Katalogwerte im Erbalbum und hoffen auf diesen Betrag, werden Sie in den meisten Fällen stark enttäuscht vom Ergebnis.

Wann ein Attest Pflicht ist

Der Bund Philatelistischer Prüfer (BPP) stellt nach seiner Prüfordnung Befunde ab einem Michel-Katalogwert von etwa 250 Euro aus, Fotoatteste mit Abbildungen und Mängelbeschreibung ab etwa 500 Euro - das sind die verbindlichen Richtwerte der BPP-Website. Ohne aktuelles Fotoattest ist eine angebliche Rarität im höheren Wertbereich auf dem Markt kaum verkäuflich. Für Investoren und Auktionskäufer ist das Attest keine Option, sondern Voraussetzung.

Preisbeispiele seltener Briefmarken (Auktionsergebnisse, ausgewählte Objekte)
MarkeMichel-WertRealisierter AuktionspreisZustandQuelle
One Cent Magenta (1856)nicht im Michel (Unikat)8.307.000 USD (Juni 2021)Gebraucht, achteckig beschnittenWikipedia One Cent Magenta
Baden 9-Kreuzer-Fehldruck (1851)Sonderkatalog, sehr hoch1.260.000 EUR (Juni 2019)Gestempelt auf Briefbriefmarken.de zur Auktion
Schwarzer Einser auf Ersttagsbrief (1849)Sonderkatalog, sehr hoch440.000 EUR (September 2024)Brief mit ErsttagsstempelSonntagsblatt Auktionsbericht
Audrey Hepburn (2001)nicht im Michel (unveröffentlicht)64.750 EUR (November 2015)Postfrisch (Prüfbogen)Primus-Münzen Blog

Echtheitsprüfung und Fälschungsschutz

Je wertvoller eine Briefmarke, desto mehr lohnt sich das Fälschen - das ist eine einfache ökonomische Logik. Im höheren Wertsegment kommen Sie an der Frage der Echtheitsprüfung nicht vorbei.

Prüfer-Signaturen und Attest-Institutionen

In Deutschland ist der Bund Philatelistischer Prüfer (BPP) die maßgebliche Autorität. International gilt die AIEP als anerkannte Prüfervereinigung. Eine Prüfer-Signatur auf der Rückseite einer Marke ist ein erstes Indiz, aber kein vollständiger Beleg - für Transaktionen im vierstelligen Bereich aufwärts ist ein vollständiges Fotoattest nach BPP-Standard der Marktstandard. Die Details der Prüfordnung sind auf den BPP-Begriffsbestimmungen nachlesbar.

Fotoattest und Befund - die Unterschiede

Ein Befund ist ein Kurzgutachten für Marken im niedrigeren Wertbereich - er bestätigt Echtheit und nennt wesentliche Merkmale. Ein Fotoattest enthält Abbildungen, detaillierte Mängelbeschreibung und die Einordnung in die Erhaltungsstufen. Bei Marken im sechsstelligen Bereich reicht auch das Fotoattest nicht mehr - dort wird die komplette Provenienz der Marke geprüft und dokumentiert. Käufer verlangen das Fotoattest; Verkäufer brauchen es für jeden ernsthaften Interessenten.

Klassische Fälschungsindizien

Die häufigsten Manipulationen bei hochwertigen Marken sind nachgezähnte Ränder, falsche Neugummierungen und manipulierte Stempeldaten. Nachgezähnte Marken erkennt ein geübtes Auge an der Unregelmäßigkeit der Zähnungslöcher, Neugummierungen fallen unter UV-Licht auf. Genauer erläutert dies die BPP-Grundsatzseite zu Rechtsfragen. Für Laien gilt: Skepsis bei ungewöhnlich günstigen Angeboten, und nie im vierstelligen Bereich ohne Attest kaufen.

Ein Ruhrpott-Blick auf den Rarität-Hype

Die Mauritius und die One Cent Magenta sind schöne Geschichten - aber als Sammler aus Bochum muss ich nüchtern bleiben. Diese Marken liegen für 99,9 Prozent aller Philatelisten schlicht außerhalb jeder Reichweite. Ich spreche da aus Erfahrung: Auf Tauschtagen und in der Beratung begegnet mir wöchentlich die Hoffnung auf den „Mauritius-Fund" - und was dann im Album liegt, sind DDR-Sondermarken aus den 1970ern, produziert in Millionenauflagen.

Das ist keine schlechte Nachricht. Es bedeutet, dass der echte philatelistische Reiz woanders liegt: in deutschen Spezialgebieten, wo Fachwissen tatsächlich Vorteile bringt. Inflationsausgaben 1923, Altdeutschland-Abarten, bestimmte DDR-Serien mit unbekannten Druckvarianten - hier können Sie mit dem nötigen Hintergrundwissen auch heute noch unerwartete Raritäten entdecken, die im Katalog unterbewertet sind. Für den pragmatischen Sammler lohnen sich spezialisierte Nischen weit mehr als die Jagd nach unerreichbaren Weltrekordstücken.

Meine persönliche Einschätzung nach jahrzehntelanger Beobachtung des Markts: Wer seriöse deutsche Spezialgebiete sammelt und dabei Echtheit und Zustand konsequent priorisiert, baut sich ein Portfolio auf, das auch beim Verkauf funktioniert - denn es basiert auf realer Nachfrage erfahrener Sammler, nicht auf Phantasiepreisen.

Wo seltene Briefmarken gehandelt werden

Seltene Briefmarken brauchen den richtigen Marktplatz - nicht jede Plattform ist für Raritäten geeignet. Je höher der Wert, desto spezialisierter muss der Verkaufsweg sein.

Fachauktionshäuser

Für Raritäten im fünfstelligen Bereich aufwärts sind spezialisierte Briefmarken-Auktionshäuser die richtige Adresse. Heinrich Köhler in Wiesbaden (gegründet 1913) hat sowohl den Baden 9-Kreuzer-Fehldruck als auch den Schwarzen Einser auf Brief versteigert. Christoph Gärtner, Felzmann und andere Fachauktionshäuser bringen die passenden Bieter-Kreise zusammen. Der Vorteil: Diese Häuser bieten Echtheitsprüfung, professionelle Präsentation und internationale Reichweite.

Die Einlieferung einer Rarität bedeutet in der Regel Monate Vorlaufzeit bis zum Auktionstag plus Provision. Das ist der Preis für den besseren Zuschlag gegenüber Direktverkauf - wer Zeit hat, fährt mit dem Auktionshaus besser.

Spezialisierte Händler

Philatelie-Händler mit Schwerpunkt auf Altdeutschland oder internationalen Raritäten sind für den Direktankauf eine Alternative. Sie zahlen naturgemäß unter dem erzielbaren Auktionspreis, bieten aber Sofortliquidität. Bei hochklassigen Stücken - alles, was ein Fotoattest erfordert - würde ich Auktionshäuser den Händlern vorziehen, weil die Konkurrenz unter Bietern den Preis nach oben treibt, was beim Direktankauf nicht passiert.

Online-Plattformen für das mittlere Segment

Catawiki und Delcampe bedienen das mittlere Preissegment. Für Marken bis in den unteren vierstelligen Bereich sind diese Plattformen sinnvoll, weil sie eine breite internationale Käuferschicht erreichen. Echte Raritäten im fünfstelligen Bereich aufwärts sind dort fehl am Platz - die Käuferschicht fehlt, und das Risiko unseriöser Gebote steigt. Ein Sonderfall war die Hepburn-Marke, die 2015 über einen Münzhändler auf eBay versteigert wurde - das funktioniert, wenn der Veranstalter selbst für Seriosität steht und ausreichend Aufmerksamkeit auf das Stück lenkt.

Fazit: Selten ist nur der Anfang

Seltene briefmarken faszinieren - das ist verständlich. Aber Seltenheit allein reicht nicht für einen hohen Wert. Ernsthaft in Raritäten zu investieren oder eine solche Marke aus einem Nachlass zu verkaufen, erfordert drei Dinge: ein aktuelles Fotoattest von einem BPP-Prüfer, eine ehrliche Zustands-Einordnung und den richtigen Verkaufskanal. Ohne diese drei Bausteine bleibt jeder Wertansatz Spekulation.

Alle Auktionen ansehen

Mein Rat an alle, die sich als Sammler für Raritäten interessieren: Schauen Sie statt auf die unerreichbaren Millionen-Stücke lieber in spezialisierte deutsche Sammelgebiete. Dort gibt es noch echte Entdeckungen zu machen - für Sammlerinnen und Sammler mit Fachwissen und langer Geduld.

Fragen und Antworten

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um seltene Briefmarken.

Welche Briefmarke ist die teuerste der Welt?

Die teuerste Briefmarke der Welt ist die One Cent Magenta aus Britisch-Guayana von 1856. Sie erzielte bei einer Versteigerung im Juni 2021 einen Zuschlag von 8.307.000 US-Dollar. Das Exemplar ist ein weltweites Unikat geblieben und befindet sich nach der Auktion im Besitz von Stanley Gibbons.

Alle Details finden Sie im Abschnitt über die legendären Raritäten der Welt - dort ordne ich auch den historischen Kontext dieser Marke ein.

Was ist die seltenste deutsche Briefmarke?

Als wertvollste deutsche Briefmarke gilt der Baden 9-Kreuzer-Fehldruck von 1851: Er wechselte im Juni 2019 für 1,26 Millionen Euro den Besitzer. Auch die Audrey-Hepburn-Marke von 2001 existiert in extrem geringer Stückzahl, da die gesamte Auflage vernichtet wurde. Mehr dazu im Abschnitt „Deutsche Briefmarken-Raritäten".

Wie erkenne ich, ob meine alte Briefmarke wertvoll ist?

Drei Schritte helfen: Erstens den Michel-Katalog konsultieren, um einen Richtwert zu ermitteln. Zweitens den Zustand realistisch einschätzen (Zähnung, Gummierung, Falzspuren). Drittens bei Werten ab 250 Euro einen BPP-Prüfer beauftragen - denn der Katalogwert ist nur ein Anhaltspunkt, kein Verkaufsversprechen.

Schauen Sie dazu in den Bereich „Wie viel ist eine seltene Briefmarke wert?" - dort erkläre ich auch die realen Abweichungen realisierter Preise.

Brauche ich ein Attest für den Verkauf?

Bei Raritäten ab einem Michel-Katalogwert von 500 Euro ist ein BPP-Fotoattest der Marktstandard. Ohne Attest akzeptieren viele Bieter und Händler eine Marke nicht zu vollem Wert. Das Attest schützt Käufer und Verkäufer gleichzeitig.

Details zur Attestpflicht finden Sie im Abschnitt „Echtheitsprüfung und Fälschungsschutz" - inklusive der Unterschiede zwischen Befund und Fotoattest.

Lohnt sich eine Briefmarke als Geldanlage?

Top-Raritäten haben über Jahrzehnte Wertzuwächse erzielt, aber das gilt nur für eine kleine Gruppe der allerbesten Stücke in tadelloser Erhaltung. Für den normalen Sammler ist Philatelie keine verlässliche Geldanlage - Marktpreise sind schwankend, Liquidität gering, und Erhaltungsmängel bedeuten oft einen erheblichen Wertverlust beim Verkauf. Meine Empfehlung: Sammeln Sie, was Sie fasziniert - nicht was sich finanziell lohnen soll.

Woher weiß ich, ob eine Marke echt ist?

Im unteren Preissegment reicht ein Vergleich mit Katalog-Abbildungen und gesundes Misstrauen bei ungewöhnlich günstigen Angeboten. Im mittleren und oberen Segment führt kein Weg am BPP-geprüften Attest vorbei. Klassische Fälschungsindizien wie nachgezähnte Ränder oder Neugummierungen sind für Laien schwer zu erkennen.

Mehr dazu unter „Echtheitsprüfung und Fälschungsschutz" - dort beschreibe ich auch erkennbare Indizien für Laien.

Klaus Weber
Klaus Weber

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.