USA-Briefmarken stehen für eines der größten Sammelgebiete der Welt – der Scott-Katalog verzeichnet über 5.000 Hauptnummern, und der Markt reicht von erschwinglichen Cent-Stücken bis zu Rekordauktionen im Millionenbereich.
Auf Catawiki finden Sie regelmäßig seltene US-Klassiker der Washington-Franklin-Serie (1908–1922) sowie gesuchte Raritäten wie die Inverted Jenny von 1918, eines der teuersten Stücke der Weltphilatelie.
Ob Sie die Gründungsausgaben von 1847 mit Franklin und Washington anstreben oder gezielt nach Fehldrucken suchen – dieses Sammelgebiet hält für jeden Einstiegslevel eine passende Herausforderung bereit.
Auf einen Blick
- Erste US-Ausgabe am 1. Juli 1847 in New York - Scott Nr. 1 (5c Franklin) und Nr. 2 (10c Washington), beide ungezaehnt
- Referenzkatalog ist der Scott Standard Postage Stamp Catalogue, nicht der Michel-Katalog - im US-Markt das dominierende Werk
- Einstieg ab 0,50 EUR möglich; Rekordmarke 1c Z-Grill erzielte 4,37 Mio. USD (Juni 2024, Robert A. Siegel Auctions)

Schnellfakten zum Sammelgebiet USA
Die Tabelle fasst Kerndaten des Sammelgebiets kompakt zusammen - Postverwaltung, Umfang, bekannteste Ausgaben und Einstiegspreise.
| Postverwaltung / Staat | United States Post Office Department (bis 1971) / USPS (ab 1971) |
|---|---|
| Erstes Ausgabejahr | 1847 (Scott Nr. 1: 5c Franklin) |
| Letztes Ausgabejahr | laufend |
| Umfang | Über 5.000 Hauptnummern (Scott Standard Postage Stamp Catalogue) |
| Bekannteste Ausgabe | 24c "Inverted Jenny" (1918) |
| Hoechster dokumentierter Zuschlag | 4.366.000 USD (1c Z-Grill, Juni 2024, Robert A. Siegel Auctions) |
| Typischer Einstiegspreis | Ab 0,50 EUR für gestempelte Massenware ab 1900 |
| Katalog-Referenz | Scott-Katalog (primaer) |
| Häufige Spezial-Gebiete | Washington-Franklin Issues (1908-1922), Columbian Issue (1893), First-Day-Covers (FDC) |
Geschichte und Postverwaltung der USA
Das amerikanische Postsystem war vor 1847 chaotisch und lokal organisiert. Briefe konnten beim Empfänger bezahlt werden, ein einheitliches Frankatursystem fehlte. Durch einen Akt des US-Kongresses vom 3. März 1847 wurde die Ausgabe landesweiter Briefmarken autorisiert, und am 1. Juli 1847 kamen die ersten beiden Werte in New York in den Verkauf - laut Wikipedia-Postgeschichte USA.
Die frühen Ausgaben von 1847 wurden bereits 1851 für ungültig erklärt, was ihren Umlaufzeitraum auf wenige Jahre begrenzte und ihre Seltenheit erklärt. Erst 1855 wurde die Frankatur durch Briefmarken in den USA verpflichtend - bis dahin konnte der Empfänger die Portogebühren bezahlen, sogenannte "stampless letters". Die USA sind als föderale Republik breit organisiert, was erklärt, warum auf lokaler Ebene weitere Ausgaben entstanden, die eigene Sammel-Nischen bilden.
Ein historisch eng verknüpftes Gebiet bilden die Briefmarken der Konföderierten Staaten von Amerika (Confederate States of America, CSA). Während des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) gaben die südstaatlichen Staaten eigene Marken aus, weil das konföderierte Postwesen vom Norden abgeschnitten war. Die CSA bilden ein eigenes Spezialsammelgebiet mit historisch eigenständiger Preisstruktur - Standardwerte sind teils noch für wenige Euro erhältlich, seltene Ortsausgaben erzielen hohe Betrage.
Typische Ausgaben und Markenbilder
Das Sammelgebiet USA umfasst mehrere prägende Ausgaben-Epochen, die Sammlern unterschiedliche Einstiegspunkte und Spezialgebiete bieten.
First Issue 1847 - die Anfänge
Die erste Ausgabe erschien am 1. Juli 1847, anfänglich ungezaehnt und per Schere voneinander zu trennen. Der Fünf-Cent-Wert in Rotbraun zeigte Benjamin Franklin, der Zehn-Cent-Wert in Schwarz George Washington als ersten Präsidenten. Franklin wurde damit als Gründervater der US-Post geehrt - ein Motiv, das er sich durch jahrzehntelange Postorganisation verdient hatte.
Columbian Issue 1893 - die erste Sondermarkenserie
Mit der Columbian Issue begann 1893 die amerikanische Tradition der großen Commemoratives. Die 16-teilige Serie zur Weltausstellung in Chicago zeigte Szenen aus dem Leben Christoph Kolumbus und umfasste Werte von 1 Cent bis 5 Dollar. Der gesamte Nennwert der Serie lag bei 16,34 USD - ein halbes Monatsgehalt fur Arbeiter damals, weshalb die hohen Werte kaum von regulären Postnutzern gekauft wurden. Heute sind sie begehrte Sammlerobjekte, laut Wikipedia Columbian Issue.
Washington-Franklin Issues 1908-1922 - Tiefe und Komplexität
Die dominierende Dauerserie des frühen 20. Jahrhunderts ist berühmt-berüchtigt: Aus nur fünf Rahmen-Designs entstanden durch parallelen Einsatz von Flach- und Rotationsdruck, unterschiedliche Wasserzeichen (Single-Line und Double-Line) sowie Zähnungen in Gauge 10, 11 und 12 mehr als 250 katalogisierte Varianten. Wer Rollenmarken (Coils) in dieser Serie sammelt, braucht eine Wasserzeichenflussigkeit und Geduld - die Varianten sehen ohne Prüfgerät für Laien identisch aus. Details liefert eine philatelistische Studie auf Academia.edu.
Raritäten und Top-Stücke
Drei Ausgaben stehen über allen anderen, wenn es um Seltenheit und dokumentierte Rekordpreise geht. Alle drei wechseln den Besitzer fast ausschliesslich über Premium-Auktionshäuser - nicht im regulären Händlerverkauf.
| Ausgabe | Jahr | Besonderheit | Dokumentierter Zuschlag | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| 1c "Z-Grill" (Benjamin Franklin) | 1868 | Waffelgraebung Z-Muster zur Entwertungssicherung; weltweit nur 2 Exemplare bekannt | 4.366.000 USD (Juni 2024, Robert A. Siegel Auctions) | EINPresswire Auktionsbericht |
| 24c "Inverted Jenny" | 1918 | Roter Rahmen, blaues Flugzeug (Curtiss JN-4) kopfständig gedruckt; nur ein Bogen zu 100 Stück bekannt | 2.006.000 USD (November 2023, Robert A. Siegel) | Wikipedia Inverted Jenny |
| 10c First Issue "Rush Cover" | 1847 | Poststuck nach Frankreich frankiert mit 6er-Streifen der 10c Washington; ikonischer Postgeschichts-Beleg | 1.380.000 USD (2006, Robert A. Siegel) | ArtHitParade Auktionshistorie |
Die Inverted Jenny hat eine eigene Seite auf diesem Blog - mehr dazu lesen Sie im Beitrag zur Inverted Jenny. Raritäten dieser Kategorie tauchen nie bei Händlern auf; wer einen solchen Kauf anstrebt, braucht eine direkte Verbindung zu Fachauktionshaausern wie Robert A. Siegel in New York oder Cherrystone Philatelic Auctioneers. Für den Hintergrund zum Z-Grill-Mechanismus eignet sich der Z-Grill-Hintergrundartikel bei JustCollecting als Lektüre.
Erkennungsmerkmale und Zustand
Im US-Markt entscheiden vier Merkmale über den Wert: Grills, Wasserzeichen, Zähnung und Farbton. Fehler in jedem dieser Punkte können den Wert einer Marke halbieren - oder eine Fälschung enthüllen.
Grills: Prägungen zur Entwertungssicherung
Zwischen 1867 und 1870 fuhrte die US-Post Waffelgraebungen (Grills) ein, die das Papier aufbrachen und Stempelfarbe tiefer eindringen ließen. Verschiedene Grill-Typen (A, Z, E, F und weitere) unterscheiden sich in Größe und Muster. Fälscher versuchen oft, billigere ungeprägte Marken nachträglich mit falschen Grills zu versehen - dieser Punkt verlangt hoechste Vorsicht und im Zweifel ein Zertifikat einer anerkannten Prüfinstanz.
Wasserzeichen und Papier bei Washington-Franklin
Die Washington-Franklin-Serien verwendeten Double-Line- und Single-Line-Wasserzeichen, die auf dem Papier oft nur mit Wasserzeichenflussigkeit erkennbar sind. Ein falsch bestimmtes Wasserzeichen macht aus einer Massenmarke eine seltene Variante - oder umgekehrt. Ohne Hilfsmittel ist die Bestimmung schlicht unzuverlässig.
Zähnung bei Rollenmarken (Coils)
Rollenmarken des frühen 20. Jahrhunderts fehlt naturbedingt die Zähnung an zwei gegenüberliegenden Seiten. Fälscher schneiden vollgezähnte Massenmarken ab, um die teureren Coils zu imitieren. Die Zähnung prüft man mit einem Zaehngauge - ein unverzichtbares Werkzeug fur jeden, der Washington-Franklin ernsthaft sammelt.
Farbnuancen als Wertentscheider
Bei US-Klassikern sind winzige Farbunterschiede wertentscheidend. Die 3-Cent-Washington-Marke von 1861 in "Pigeon Blood Pink" ist um ein Vielfaches wertvoller als die reguläre Rosa-Ausgabe ("Rose"). Diese Farbnuancen sind nur mit Vergleichsproben zuverlässig bestimmbar - ein Laienauge sieht keinen relevanten Unterschied.
Der US-amerikanische Markt unterscheidet sich von Europa durch sein numerisches "Grading" - eine Bewertungsskala von 1 bis 100 fur die Zentrierung der Marke auf dem Papier. Die maßgeblichen Prüfinstanzen sind die Philatelic Foundation (PF), Professional Stamp Experts (PSE) und der American Philatelic Expertizing Service (APEX), beschrieben bei Linn's Stamp News. US-Sammler und seriöse Auktionshäuser verlangen bei klassischen Marken ab einem Katalogwert von rund 100 bis 200 USD ein Prüf-Zertifikat als Kaufbedingung.
Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten
Das Gebiet USA reicht von Cent-Beträgen bis zu Millionen-Auktionen - eine große Spanne, die Einsteigern zunächst einshuechternd wirkt, aber auch große Freiheit lasst.
| Stück / Serie | Erhaltung | Preisspanne EUR | Beleg-Art | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Massenware Washington-Franklin (1c / 2c) | gestempelt | 0,50 - 5 | Händler | Mystic Stamp Company |
| Columbian Issue 1893 (1c bis 8c Werte) | gestempelt | 20 - 50 | Händler / Katalog | Mystic Stamp Columbian Set |
| Columbian Issue 1893 (1-Dollar-Wert) | gestempelt | 500 - 650 | Händler / Katalog | Mystic Stamp Columbian Set |
| Columbian Issue 1893 (5-Dollar-Spitzenwert) | gestempelt | 1.200 - 1.600 | Händler / Katalog | Mystic Stamp Columbian Set |
| Washington-Franklin Error (z. B. Scott 544) | postfrisch | 15.000 - 25.000 | Auktion | Mystic Stamp Company |
Eine echte Komplettsammlung der USA ist faktisch unmöglich - allein der 1c Z-Grill als Unikat sperrt das aus. Realistisch für Einsteiger sind Sammlungen ab 1900 gestempelt, die für 200 bis 500 Euro erwerbbar sind und dennoch erhebliche philatelistische Tiefe bieten. Wichtig: Der Scott-Katalog gibt oft hohe Vergleichswerte an. Im realen Verkauf an Händler werden fur durchschnittliches Material typischerweise nur 20 bis 30 Prozent des Katalogwerts ausgezahlt - mehr dazu im Beitrag Briefmarken Wert ermitteln.
Einsteigern empfehle ich klassischerweise, sich entweder auf Commemoratives (Sondermarken ab 1893) oder auf First-Day-Covers zu fokussieren. Beide Bereiche bieten visuellen Appeal und sind ohne Wasserzeichen-Bestimmung sammelbar. Wer sich dennoch in die Washington-Franklin-Era wagt, braucht Geduld und Prüfgerät - aber genau das macht dieses Gebiet für viele Spezialisten so fesselnd. Postfrische Klassiker sind bei US-Marken teurer; gestempelte Sammlungen sind der in Europa üblichere Weg.
Fazit: Wo kauft man USA-Briefmarken
Für den Kauf von US-Standardware - Washington-Franklin-Läufer, gestempelte Commemoratives, First-Day-Covers bis dreistellig - ist Catawiki ein realistischer Einstiegspunkt. Die Plattform zeigt laufende Auktionen des Gebiets mit dokumentierten Zuschlagsebenen und Experten-Prüfung.
Für absolute Spitzenstücke wie Inverted Jenny, Z-Grill oder Rush Cover führt kein Weg an spezialisierten Auktionshaausern wie Robert A. Siegel Auction Galleries in New York oder Cherrystone Philatelic Auctioneers vorbei. Ich sage in Beratungsgesprächen immer: Das US-Grading-System erscheint europäischen Sammlern zunächst fremd, aber wer es einmal verstanden hat, erkennt, warum US-Marken in Top-Qualität global zu Rekordpreisen gehandelt werden.
Wer eine geerbte USA-Briefmarkensammlung hat und überlegt zu verkaufen: Der reale Marktwert weicht oft stark vom Katalogwert ab. Eine sachkundige Schätzung gibt schnell Klarheit - mehr dazu unter Briefmarken schätzen lassen.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Sammelgebiet USA-Briefmarken.
Was ist die erste US-Briefmarke?
Die erste landesweit gültige US-Briefmarke erschien am 1. Juli 1847 in zwei Werten: ein rotbrauner 5-Cent-Wert mit Benjamin Franklin und ein schwarzer 10-Cent-Wert mit George Washington, beide ungezaehnt. Zuvor war das amerikanische Postsystem lokal und uneinheitlich organisiert. Alle Details zur Entstehung finden Sie im Abschnitt „Geschichte und Postverwaltung der USA".
Welche USA-Briefmarken sind selten und teuer?
Zu den wertvollsten zählen Fehldrucke wie die Inverted Jenny von 1918 (Zuschlag 2 Mio. USD, November 2023) und extrem seltene Präge-Ausgaben wie der 1-Cent Z-Grill von 1868, von dem weltweit nur zwei Exemplare existieren - Zuschlag 4,37 Mio. USD im Juni 2024. Schauen Sie dazu in den Bereich „Raritäten und Top-Stücke".
Was sind die Washington-Franklin-Briefmarken?
Eine zwischen 1908 und 1922 herausgegebene Dauerserie, die aus nur fünf Grunddesigns durch unterschiedliche Wasserzeichen, Zähnungen und Drucktechniken mehr als 250 katalogisierte Varianten hervorbrachte - ohne Prüfgerät sind die meisten davon kaum zuverlässig zu bestimmen. Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt „Typische Ausgaben und Markenbilder".
Was bedeutet Grading bei US-Briefmarken?
Grading bezeichnet eine numerische Qualitätsbewertung von 1 bis 100, die vor allem die Zentrierung der Marke auf dem Papier bewertet. Maßgebliche Prüfinstanzen sind Philatelic Foundation (PF), PSE und APEX - bei klassischen US-Marken gilt ein Prüf-Zertifikat als Pflicht. Schauen Sie dazu in den Bereich „Erkennungsmerkmale und Zustand".
Wie viel ist eine USA-Briefmarkensammlung wert?
Das hängt stark von Epoche und Zustand ab. Moderne postfrische Marken ab 1940 sind meist nur Cent-Betaege wert, während klassische Serien vor 1920 mit guter Zentrierung hohe Beträge erzielen können. Einsteigersammlungen ab 1900 gestempelt sind oft für 200 bis 500 Euro möglich - alle Details stehen im Abschnitt „Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten".
Was ist der Unterschied zwischen Scott- und Michel-Katalog?
Der Scott Standard Postage Stamp Catalogue ist der maßgebliche Referenzkatalog fur US-Briefmarken und im amerikanischen Markt Standard. Der Michel-Katalog ist in Deutschland und Europa dominant, listet US-Marken aber nur eingeschränkt und abweichend. Wer US-Marken kauft oder bewertet, sollte zwingend Scott verwenden - sonst drohen Missverständnisse bei Nummernangaben und Wertbezügen.
Gibt es gute Einstiegsgebiete innerhalb der US-Philatelie?
Ich empfehle Commemoratives (Sondermarken) ab der Columbian Issue von 1893 oder First-Day-Covers als Einstieg. Beide Bereiche sind ohne Wasserzeichen-Prüfung sammelbar und bieten visuellen Appeal, während Washington-Franklin von Beginn an Prüfgerät erfordert. Mehr dazu finden Sie im Bereich „Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten".

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.