Eine Sondermarke ist eine Briefmarke, die in begrenzter Auflage mit Anlass-Motiv erscheint - das Gegenstück zur langlaufenden Dauermarke. Das Bundesfinanzministerium gibt jedes Jahr rund 50 dieser kleinen Zeitdokumente heraus, ausgewählt aus einem Pool von rund 500 eingereichten Vorschlägen.
Ich erkläre Ihnen hier, wie sich die Sondermarke von Dauermarke und Gedenkmarke abgrenzt, welche Arten es gibt, wie die Ausgabeentscheidung in Deutschland getroffen wird und wann eine Sondermarke tatsächlich mehr wert ist als ihr Nennwert.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- Sondermarken erscheinen in begrenzter Auflage mit einem konkreten Anlass als Motiv - das unterscheidet sie grundlegend von der langlaufenden Dauermarke.
- In Deutschland wählt ein Programmbeirat beim BMF jährlich rund 50 Ausgaben aus etwa 500 eingereichten Vorschlägen aus.
- Gedenkmarken sind eine Untergruppe der Sondermarken mit konkretem Datumsbezug; im Alltag werden beide Begriffe oft synonym verwendet, philatelistisch sind sie aber klar getrennt.
Moderne deutsche Sondermarken aus Massenauflagen erzielen am Markt meist nur den reinen Nennwert ohne Aufschlag. Wert entsteht fast ausschließlich bei Fehldrucken, zurückgezogenen Ausgaben oder historisch bedeutsamen Serien.
Auf den folgenden Seiten finden Sie die vollständige Definition, alle Arten im Überblick, die Geschichte des Formats und eine nüchterne Einschätzung zum Sammelwert moderner Ausgaben.

Die Sondermarke ist eines der zugänglichsten philatelistischen Sammelobjekte, weil sie inhaltliche Themen und historische Anlässe in einem einzigen Stück verbindet. Für einen thematischen Einstieg in die Philatelie ist sie das zugänglichste Sammelformat überhaupt.
Was ist eine Sondermarke? Die Definition
Der offizielle Amtsbegriff lautet „Sonderpostwertzeichen" - im täglichen Sprachgebrauch setzt sich der kürzere Begriff Sondermarke durch. Sie unterscheidet sich von der normalen Dauermarke durch drei Merkmale: begrenzter Auflage, konkretem Anlass und einem Motiv, das genau diesen Anlass abbildet.
Besonderer Anlass, begrenzte Auflage, besonderes Motiv
Jede Sondermarke ist an einen Anlass gebunden - das belegt der Wikipedia-Artikel zur Sondermarke. Das Motiv folgt dem Anlass: Ein Stadtjubiläum zeigt das Stadtbild, eine Marke zum Olympia-Jahr zeigt Sportwettkämpfe. Weil der Anlass vergangen ist, gibt es die Marke nur einmal: Die Auflage bleibt dauerhaft begrenzt, eine Neuauflage desselben Motivs gibt es in der Regel nicht.
Sonderpostwertzeichen als offizielle Bezeichnung
Der Fachbegriff „Sonderpostwertzeichen" ist die amtliche Bezeichnung, die in Katalogen und im Postrecht verwendet wird. Für Sammler ist er vor allem dann relevant, wenn sie Marken katalogisieren oder nach passenden Ausgaben für Sonderstempel suchen. Im Alltag reicht „Sondermarke" - philatelistisch meinen beide Begriffe dieselbe Sache.
Einzelmarke, Serie oder Block - die Erscheinungsformen
Eine Sondermarke kann als Einzelmarke erscheinen, als Teil einer zusammengehörigen Serie oder als Briefmarkenblock, bei dem mehrere Marken auf einem gemeinsamen Bogen zusammengefasst sind. Serien und Blöcke sind für Sammler besonders attraktiv, weil sie geschlossene Einheiten bilden und vollständige Themenblöcke auf einmal abbilden.
Sondermarke, Dauermarke, Gedenkmarke - die Unterschiede
Die drei Begriffe werden im Alltag häufig durcheinandergeworfen. Für den Kauf und die Katalogisierung einer Sammlung lohnt es sich, die Abgrenzung genau zu kennen, weil sie Katalogzuordnung und Sammelstrategie direkt beeinflusst.
Dauermarke - das Standardporto ohne Anlass
Dauermarken sind die Briefmarken, die ohne besonderen Anlass als Standardporto dienen. Sie laufen über Jahre oder Jahrzehnte in sehr großen Auflagen und werden so lange nachgedruckt, wie das entsprechende Porto gilt - das belegt die Wikipedia-Definition zur Dauermarke. Für Sammler, die thematisch sammeln wollen, sind sie weniger interessant: kein Anlass, kein Motiv-Argument.
Sondermarke - der Anlass bestimmt das Motiv
Die Sondermarke folgt immer einem Anlass: ein Jubiläum, ein Ereignis, ein Thema. Das Motiv bildet diesen Anlass direkt ab. In Deutschland legt das Bundesfinanzministerium fest, was auf eine Sondermarke kommt - kein privater Herausgeber kann nach eigenem Gutdünken eine Sondermarke in den normalen Postverkehr geben.
Gedenkmarke - die Untergruppe mit konkretem Datum
Eine Gedenkmarke ist philatelistisch eine Untergruppe der Sondermarke. Ihr Motiv bezieht sich immer auf ein exaktes Datum: den 80. Geburtstag einer Persönlichkeit, einen runden Todestag, ein historisches Jubiläum. Im allgemeinen Sprachgebrauch werden Sonder- und Gedenkmarke oft synonym verwendet - im Katalog lohnt sich die Trennung, weil Gedenkmarken stärker datiert sind und sich für chronologische Sammelreihen besonders eignen.
| Merkmal | Dauermarke | Sondermarke | Gedenkmarke |
|---|---|---|---|
| Anlass | keiner | bestimmtes Thema oder Ereignis | konkretes Datum (Jahrestag, Jubiläum) |
| Auflage | sehr groß, Nachdrucke üblich | begrenzt, einmalig | begrenzt, einmalig |
| Laufzeit | Jahre bis Jahrzehnte | einmalige Ausgabe | einmalige Ausgabe |
| Sammelwert | niedrig (Massenware) | variabel, meist Nennwert | variabel, meist Nennwert |
| Typisches Motiv | Symbole, Blumen, Bauwerke | Anlass-Motiv | Person, Ort oder Symbol mit Datumsbezug |
Arten von Sondermarken
Die Philatelie unterteilt Sondermarken in mehrere Gruppen, die sich nach dem Charakter des Anlasses und der Verwendung unterscheiden. Diese Einteilung wird auch im Michel-Katalog konsequent angewendet und ist daher für das Katalogisieren einer Sammlung relevant.
Gedenkmarken - Jubiläen, Todestage, historische Ereignisse
Gedenkmarken bilden die bekannteste Gruppe innerhalb der Sondermarken. Sie erscheinen zu runden Jahrestagen, Geburtstagen von Persönlichkeiten oder historischen Ereignissen. Durch ihren klaren Datumsbezug im Motiv sind sie für Sammler leicht in eine Zeitreihe einzuordnen und mit anderen Dokumenten des Jahres zu kombinieren.
Werbemarken - Weltausstellungen, Sportereignisse, Institutionen
Werbemarken erscheinen zu Großereignissen oder zur Förderung von Institutionen - von Weltausstellungen über Olympische Spiele bis zu Messeveranstaltungen. Sie haben einen werbenden Charakter ohne strengen Datumsbezug und werden daher philatelistisch von Gedenkmarken getrennt, auch wenn der Übergang fließend sein kann.
Zuschlagmarken und Wohlfahrtsmarken - die Plusmarken mit gutem Zweck
Bei Zuschlagmarken enthält der Nennwert einen Spendenanteil, der über den eigentlichen Portobetrag hinausgeht. Der Aufschlag darf maximal 50 Prozent des Nominalwerts betragen. Bekannteste Vertreter in Deutschland sind die Wohlfahrtsmarken, die seit 1949 über eine Milliarde Euro für gemeinnützige Zwecke eingebracht haben - eine bemerkenswerte Zahl für eine kleine gezähnte Briefmarke als Spendeninstrument.
Sondereditionen der Deutschen Post - Roncalli, Scorpions, Wacken und Co.
Neben den offiziellen BMF-Ausgaben vertreibt die Deutsche Post eigene Sondereditionen, die kommerziell ausgerichtet sind. Motive wie Scorpions, Wacken, Rock am Ring, Landlust oder Roncalli sprechen Fan-Gemeinden an, die nicht in erster Linie den philatelistischen Katalogwert suchen. Diese Ausgaben sind außerhalb des BMF-Jahresprogramms zu sehen und erscheinen nicht im offiziellen Programm des Bundesfinanzministeriums.
Den aktuellen Katalog der verfügbaren Sondereditionen finden Sie direkt im Sondereditions-Shop der Deutschen Post, der auch Themenkooperationen außerhalb des offiziellen BMF-Programms auflistet.
- Gedenkmarken: Jahrestage, Geburtstage, historische Ereignisse
- Werbemarken: Großereignisse, Messen, Institutionen
- Zuschlagmarken (Wohlfahrtsmarken): Porto plus Spendenanteil, max. 50 Prozent Aufschlag
- Sondereditionen der Deutschen Post: kommerzielle Themenkooperationen, kein BMF-Programm
Typische Anlässe und Themen
Das Spektrum der Anlässe, die eine Sondermarke auslösen können, ist breit. Das Jahresprogramm des Bundesfinanzministeriums zeigt jedes Jahr, wie breit gestreut die Themen sind - von Persönlichkeiten und Jubiläen bis zu Naturthemen und gesellschaftlichen Anliegen im Plusmarken-Segment.
Jubiläen und Jahrestage
Das BMF-Jahresprogramm 2026 enthält unter anderem Ausgaben zu Persönlichkeiten wie Eva Mamlok und Luise von Preußen sowie zur Georg-Forster-Station - Motive, die historische und wissenschaftliche Jahrestage abbilden, laut Bundesfinanzministerium (Jahresprogramm 2026). Für Sammler, die historische Persönlichkeiten verfolgen, bieten solche Ausgaben einen direkten thematischen Anker im jeweiligen Erscheinungsjahr.
Themenserien - Tierwelt, Architektur, Kunst, Technik
Viele Sondermarken erscheinen als Teile einer übergreifenden Serie, die über mehrere Jahre läuft. Tierwelt, Architektur, Kunst und Technik sind klassische Themenfelder. Sie können sich für eines dieser Themen entscheiden und mit der Zeit eine inhaltlich geschlossene Sammlung aufbauen - ohne sich in länderspezifische Feinheiten einarbeiten zu müssen.
Sport und Großereignisse
Olympische Spiele, Fußball-Weltmeisterschaften oder Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Deutschland haben regelmäßig eigene Sondermarken-Serien ausgelöst. Diese Ausgaben sind bei thematischen Sammlern gefragt - ob rein philatelistisch oder als Fan-Andenken. Der Sammlerwert hängt von der Auflage und dem Grad der Besonderheit ab, nicht allein vom Sportereignis.
Soziales und Umwelt - der Plusmarken-Themenkreis
Zuschlagmarken zu sozialen und ökologischen Themen sind ein fester Bestandteil des deutschen Jahresprogramms. Seit 1949 wurden so laut Bundesfinanzministerium über eine Milliarde Euro für gemeinnützige Zwecke eingenommen. Diese Marken vereinen das Thema und die Spende in einem Stück - das gibt ihnen einen besonderen Charakter unter den Sondermarken.
Wer entscheidet, was auf eine Sondermarke kommt?
In Deutschland ist die Herausgabe von Briefmarken staatlich geregelt. Die Entscheidung, welches Motiv auf eine Sondermarke kommt, trifft nicht die Deutsche Post, sondern das Bundesministerium der Finanzen - auf einer klar definierten Rechtsgrundlage und mit einem transparenten, mehrstufigen Auswahlverfahren.
Das Bundesfinanzministerium als Herausgeber
Die Rechtsgrundlage für die Ausgabe von Briefmarken in Deutschland ist § 43 Abs. 1 des Postgesetzes, der das Bundesfinanzministerium als Herausgeber festlegt. Das BMF ist damit nicht nur für das Jahresprogramm verantwortlich, sondern auch für die thematische Ausrichtung jeder einzelnen Ausgabe - eine staatliche Aufgabe ohne private Herausgeber.
Der Programmbeirat beim BMF - rund 500 Vorschläge, rund 50 Ausgaben
Aus rund 500 Vorschlägen, die jährlich von Bürgern und Institutionen eingereicht werden, wählt der Programmbeirat beim BMF die etwa 50 Motive des Jahresprogramms aus. Das bedeutet: Nur jeder zehnte Vorschlag schafft es auf eine Briefmarke. Die Auswahl ist damit streng und nachvollziehbar begrenzt - was auch erklärt, warum das Jahresprogramm trotz seiner Breite thematisch kohärent wirkt.
Deutsche Post AG - Herstellung, Vertrieb, Ersttagsausgabe
Die Deutsche Post AG übernimmt Produktion, Vertrieb und die Ersttagsausgabe der BMF-Sondermarken. Ersttagsbriefe (FDC) mit dem Ersttagsstempel entstehen dabei am Ausgabetag selbst - ein Sammelobjekt, das Sondermarke und Poststempel auf einem Beleg vereint. Der Ersttagsstempel dokumentiert den Ausgabetag unmittelbar und ist daher für thematische Sammler eine sinnvolle Ergänzung zur Marke allein.
Sonderstempel zur Markenausgabe
Viele Sondermarken erscheinen begleitet von einem passenden Sonderstempel, der am Ausgabetag verwendet wird. Diese Kombination aus Marke und Stempel ergibt einen Ersttagsbrief, der philatelistisch mehr dokumentiert als die blanke Marke allein. Für Sammler, die thematisch und historisch sammeln wollen, ist der Sonderstempel das zweite Standbein neben der Sondermarke.
Geschichte der Sondermarke
Die Sondermarke ist fast so alt wie die Briefmarke selbst. Schon wenige Jahrzehnte nach der ersten Briefmarke der Welt entstanden die ersten Ausgaben mit besonderem Anlass - und innerhalb von nur drei Jahrzehnten wurde die Sondermarke international zum anerkannten Postmittel.
Peru 1871 - die erste Sondermarke der Welt
Die erste Sondermarke der Welt erschien 1871 in Peru. Das Motiv feierte ein Eisenbahn-Jubiläum - die Linie Lima-Callao. Ob die Ausgabe damals wirklich als „Sondermarke" im heutigen Sinne konzipiert war oder eher als gestalterische Variation, ist unter Philatelisten nicht unumstritten. Der Ausgabeanlass war ein konkretes Jubiläum, was sie zum frühesten bekannten Beleg für das Prinzip macht.
New South Wales 1888 - die erste eindeutig konzipierte Sondermarke
Als erste Ausgabe, die zweifelsfrei als Sondermarke konzipiert wurde, gilt die Ausgabe von New South Wales 1888. Sie erschien zum 100. Jahrestag der britischen Besiedlung Australiens und war von Beginn an als zeitlich begrenzte Sonderedition gedacht - ein klares Konzept, das das Vorbild für alle späteren Sondermarken legte.
Olympia-Serie Griechenland 1896 - die erste Sondermarken-Serie
Griechenland gab 1896 zur ersten Olympiade der Neuzeit die erste Sondermarken-Serie heraus. Mehrere Marken in einem Themenblock - damit war nicht nur die Sondermarke als Einzelstück etabliert, sondern auch die Serie als philatelistisches Format geboren. Diese Olympia-Ausgaben gehören heute zu den gesuchten historischen Sammlerstücken.
Weltpostkongress Washington 1897 - internationale Zulassung
Der Weltpostkongress in Washington D.C. 1897 ließ Sondermarken offiziell für den internationalen Postverkehr zu. Damit war der Status der Sondermarke nicht mehr von einzelnen Ländern abhängig, sondern international postalisch anerkannt - eine Grundlage, ohne die das weltweite Nebeneinander von Sondermarken-Programmen nicht möglich wäre.
Propaganda-Missbrauch im 20. Jahrhundert
Im 20. Jahrhundert wurden Sondermarken in Diktaturen massiv als Propagandamittel eingesetzt - im Nationalsozialismus ebenso wie in der DDR. Die Briefmarke als staatlich kontrolliertes Kommunikationsmittel war für Regime attraktiv, weil sie in jeden Haushalt eindrang. Für Sammler ist dieser Hintergrund philatelistisch relevant: Propagandamotive aus dieser Zeit sind ein eigenes, gut dokumentiertes Sammelgebiet mit eigener Forschungsliteratur.
| Jahr | Land | Ereignis | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| 1871 | Peru | Eisenbahn-Jubiläum Lima-Callao | Erste bekannte Sondermarke der Welt |
| 1888 | New South Wales | 100 Jahre britische Besiedlung Australiens | Erste eindeutig als Sondermarke konzipierte Ausgabe |
| 1896 | Griechenland | Olympische Spiele Athen | Erste Sondermarken-Serie der Philatelie-Geschichte |
| 1897 | International | Weltpostkongress Washington D.C. | Internationale Zulassung im Postverkehr |
Sondermarken sammeln - der Themeneinstieg
Für Einsteiger in die Philatelie sind Sondermarken der zugänglichste Startpunkt. Das Motiv spricht unmittelbar an - und daraus entsteht von selbst ein roter Faden für die Sammlung, ohne dass Sie sich sofort mit Wasserzeichen-Typen und Zähnungsvarianten befassen müssen.
Motivthemen quer durch die Jahrgänge verfolgen
Auf Tauschtagen zeige ich Einsteigern oft die Welt der Motiv-Sondermarken. Sie können sich für Eisenbahnen, Olympische Spiele oder Tierwelt begeistern und haben sofort einen Sammelrahmen - quer durch Jahrzehnte, Länder und Ausgaben, ohne sich in länderspezifische Feinheiten einarbeiten zu müssen. Thematische Sammlungen haben außerdem den Vorteil, dass sie für Außenstehende unmittelbar verständlich sind.
Klassische Einstiegsthemen
Musik, Sport, Natur, Architektur und Geschichte gehören zu den meistgesammelten Themenfeldern bei Sondermarken. Das Angebot an verfügbarem Material ist groß, weil über Jahrzehnte viele Länder zu ähnlichen Anlässen Marken herausgegeben haben. Einsteiger finden schnell Material, ohne astronomische Preise zahlen zu müssen.
Ergänzungen über Auktionen und Plattformen
Wenn Sie gezielt einzelne Ausgaben nachkaufen wollen, sind Auktionen und Handelsplattformen die richtige Anlaufstelle. Über Catawiki lassen sich thematische Sondermarken-Lots und Einzelausgaben aus vielen Ländern und Jahrzehnten finden - oft zu Preisen, die deutlich unter dem Listenpreis von Komplettabos liegen. Gezielt nachkaufen ist günstiger als das Jahres-Abo.
Weiterführendes Sammeln
Sobald Sie über die ersten Schritte mit Sondermarken hinaus tiefer in die Philatelie einsteigen wollen, finden Sie bei Briefmarken sammeln einen breit angelegten Einstieg in Sammelstrategien, Katalognutzung und Zustandsbewertung. Sondermarken sind ein hervorragender Einstieg ins Sammeln, aber bei weitem nicht das Ende des philatelistischen Spektrums.
Was ist eine Sondermarke wert?
Ehrliche Antwort zuerst: Die meisten deutschen Sondermarken aus den letzten Jahrzehnten sind als Massenware einzustufen und erzielen am Markt nicht mehr als ihren Nennwert. Das ist keine Entwertung der Sondermarke, aber eine wichtige Einordnung für alle, die mit Werterwartungen an ihren Nachlass herangehen.
Nennwert vs. Sammlerwert - meist nur knapp über Nominal
Sie kaufen eine frisch ausgegebene Sondermarke im Post-Shop zum Nominalwert. Nach zehn oder zwanzig Jahren liegt der Sammlerwert dieser Marken in aller Regel immer noch nahe am Nennwert. Die Auflagen moderner deutscher Sondermarken sind hoch genug, dass kein künstlicher Mangel entsteht, der einen Preisanstieg treiben würde. Der Markt regelt das nüchtern.
Warum das Neuausgaben-Abo selten eine Wertanlage ist
Viele Erben präsentieren mir stolz lückenlose Post-Abos aus den 1980er und 1990er Jahren. Ich muss dann regelmäßig die Illusion nehmen: Ein Abonnement auf alle Sondermarken war eine bequeme Art, das Album zu füllen - aber keine gute finanzielle Wertanlage. Massenauflagen steigen nicht im Preis, und ein vollständiges Abo bedeutet nicht automatisch Seltenheit.
Wo Wert entsteht - Fehldrucke, zurückgezogene Ausgaben, historische Raritäten
Außergewöhnliche Werte entstehen bei Sondermarken fast ausschließlich durch besondere Umstände: zurückgezogene oder unverausgabte Ausgaben. Die Wohlfahrtsmarke Audrey Hepburn aus dem Jahr 2001, von der 14 Millionen Exemplare gedruckt wurden, kam wegen eines Vetos der Erben nicht in den Verkauf und erzielte daher 2005 als Eckrand-Einzelstück 135.000 Euro - und 2010 als vollständiger Bogen satte 430.000 Euro als Bogen, laut Wikipedia-Artikel zur Wohlfahrtsmarke Audrey Hepburn.
Ein neueres Beispiel ist die Kerstfest-Marke 2016, bei der sich ein Schreibfehler einschlich - „Kerstfest" statt „kerstfeest". Der zurückgezogene Zehner-Folienbogen wurde 2017 bei Felzmann für über 45.000 Euro versteigert, laut Wikipedia-Artikel zur Kerstfest-Marke. Im alten Album fallen solche Stücke kaum auf: Unscheinbare Fehldrucke übertreffen fast immer die bunten Standardausgaben im Wert.
Auch unverausgabte Bundesmarken aus politischen Gründen erreichen spektakuläre Zuschläge. Den unverausgabten Stücklen-Bogen „Brot für die Welt" (50 Stück) erwarb ein Bieter bei der 35. Schlegel-Auktion für 228.000 Euro - ein Ergebnis, das zeigt, wie sehr politisch zurückgehaltene Ausgaben an Wert gewinnen können, belegt durch den Bericht des Bundesverbands Deutscher Briefmarkenversteigerer.
Die Gscheidle-Irrtum-Marke (MiNr. XIII, postfrisch) erzielte bei Schlegel 194.000 Euro - dokumentiert beim APHV Bundesverband des Deutschen Briefmarkenhandels. Beide Fälle illustrieren die Spannweite zwischen Massenware und Rarität in ein und derselben Markengattung.
Sind alte Sondermarken noch gültig?
Für Erben und Nachlass-Bearbeiter ist die Frage nach der Frankierkraft alter Sondermarken praktisch wichtig. Die Antwort hängt davon ab, ob die Marken in DM oder in Euro ausgegeben wurden - eine Unterscheidung mit klarer Konsequenz für den Postverkehr.
Unbegrenzte Gültigkeit aller Euro-Sondermarken seit 2002
Alle in Deutschland ab 2002 herausgegebenen reinen Euro-Briefmarken - also auch Sondermarken - sind unbegrenzt frankaturgültig. Sondermarken aus dem Jahr 2002 oder jünger können Sie damit heute noch zum Frankieren verwenden, solange der Nennwert dem aktuellen Porto entspricht oder eine Kombination ausreicht.
DM-Sondermarken aus dem Nachlass - nicht mehr frankaturgültig
Sondermarken mit reinen DM- oder Pfennig-Nennwerten, die vor 2001 herausgegeben wurden, haben ihre Frankaturkraft verloren. Sie lassen sich nicht mehr zum Frankieren verwenden - sammelbar und verkäuflich bleiben sie dennoch. Wenn Sie solche Marken im Nachlass finden, sollten Sie sie nicht wegwerfen: Auch für DM-Sondermarken gibt es Nachfrage im Sammlermarkt, wenn Zustand und Thema stimmen.
Fehldrucke und seltene Ausgaben erkennen
Wenn Sie beim Durchsehen eines Nachlasses auf ungewöhnlich wirkende Sondermarken stoßen - abweichende Farben, Schreibfehler im Motiv, fehlende Zähnung oder ungewöhnliche Perforationen - sollten Sie diese gesondert legen und von einem Fachmann prüfen lassen. Solche Stücke können erheblich mehr wert sein als normale Ausgaben. Ein buntes Standardmotiv allein ist kein Wertmerkmal - die Besonderheit im Druck macht den Unterschied.
Fazit: Sondermarken sind Zeitdokumente in klein
Sondermarken halten Anlässe und Themen im Kleinformat fest - als Kulturbotschafter, Werbemittel und Sammelobjekt zugleich. Das Bundesfinanzministerium gibt jedes Jahr rund 50 davon heraus, ausgewählt aus einem breiten Vorschlagspool. Für einen thematischen Einstieg in die Philatelie sind sie die ideale erste Wahl: zugänglich und ohne den fachlichen Aufwand klassischer Länderserien.
Der Sammlerwert moderner Massenauflagen ist nüchtern zu sehen - das Neuausgaben-Abo war selten eine Wertanlage. Umso wichtiger ist es, im Nachlass gezielt nach Fehldrucken und zurückgezogenen Ausgaben zu schauen: Dort entstehen die wirklich außergewöhnlichen Zuschläge im sechsstelligen Bereich. Sammelstrategien, Katalognutzung und Zustandsbewertung finden Sie im Abschnitt „Sondermarken sammeln - der Themeneinstieg" weiter oben.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um Sondermarken - von der Definition bis zur Frankierkraft.
Was ist der Unterschied zwischen Sondermarke und Gedenkmarke?
Die Sondermarke ist der Oberbegriff für alle Briefmarken mit einem besonderen Anlass-Motiv in begrenzter Auflage. Die Gedenkmarke ist eine Untergruppe davon, die sich immer auf ein exaktes Datum bezieht - einen Jahrestag, Geburtstag oder Todestag.
Im Alltag werden beide Begriffe oft synonym verwendet, philatelistisch ist die Gedenkmarke aber enger gefasst als die Sondermarke. Mehr zur Abgrenzung lesen Sie im Bereich „Sondermarke, Dauermarke, Gedenkmarke - die Unterschiede".
Wie viele Sondermarken gibt die Deutsche Post pro Jahr heraus?
Das Bundesfinanzministerium gibt jährlich rund 50 Sondermarken heraus, die von einem Programmbeirat aus etwa 500 Vorschlägen ausgewählt werden. Die Deutsche Post ist nur für Produktion und Vertrieb zuständig, nicht für die inhaltliche Auswahl. Alle Details finden Sie im Abschnitt „Wer entscheidet, was auf eine Sondermarke kommt?".
Wer entscheidet, welches Motiv auf eine Sondermarke kommt?
Der Programmbeirat beim Bundesfinanzministerium trifft die Auswahl auf Basis der jährlich eingereichten Vorschläge. Rechtsgrundlage ist § 43 Abs. 1 des Postgesetzes, das das BMF als alleinigen staatlichen Herausgeber festlegt.
Kein privater Anbieter kann reguläre Sondermarken für den deutschen Postverkehr ausgeben - diese staatliche Kontrolle ist im Postgesetz klar verankert. Mehr dazu im Abschnitt „Wer entscheidet, was auf eine Sondermarke kommt?".
Sind Sondermarken als Wertanlage sinnvoll?
In der Regel nicht. Moderne Sondermarken aus Massenauflagen erzielen am Markt meist nur den Nennwert, selten mehr. Wert entsteht fast ausschließlich bei Fehldrucken und zurückgezogenen Ausgaben, die gar nicht in den regulären Handel kamen.
Mehr dazu im Bereich „Was ist eine Sondermarke wert?" - dort sind auch konkrete Auktionszuschläge im sechsstelligen Bereich dokumentiert.
Sind alte DM-Sondermarken noch zum Frankieren gültig?
Nein. Sondermarken mit reinen DM- oder Pfennig-Nennwerten haben seit der Euro-Umstellung ihre Frankaturkraft verloren. Alle Sondermarken ab 2002 in Euro-Nennwert sind dagegen zeitlich unbegrenzt zum Frankieren einsetzbar.
Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt „Sind alte Sondermarken noch gültig?" - dort erkläre ich auch, welche DM-Marken sammelwert behalten haben.
Wo kann ich gezielt einzelne Sondermarken nachkaufen?
Thematische Sondermarken lassen sich auf Auktionsplattformen, in Briefmarken-Shops und auf Tauschtagen erwerben. Das Nachkaufen gezielter Einzelstücke ist fast immer günstiger als ein Komplettabo - und die Auswahl ist größer. Schauen Sie dazu in den Bereich „Sondermarken sammeln - der Themeneinstieg".

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.