Norwegen zählt zu den philatelistisch faszinierendsten Ländern Nordeuropas: Die erste Briefmarke erschien 1855 als Skilling-Ausgabe, und die Posthorn-Dauerserie läuft seit 1872 ununterbrochen – ein Weltrekord unter den Briefmarkenserien.
Bei Catawiki finden Sie regelmäßig kuratierte Norwegen-Lose – von seltenen Skilling-Klassikern und begehrten ungelochten Stücken bis zu vollständigen Posthorn-Jahrgängen skandinavischer Sammler, geprüft und aus erster Hand.
Besonders die Phase nach der Unabhängigkeit 1905 ist mit moderatem Budget sammelbar: Viele Jahrgänge sind gut erhalten verfügbar, während die klassische Skilling-Ära Spezialisten aus aller Welt anzieht.
Auf einen Blick
- Die erste norwegische Marke, ein blauer 4-Skilling-Wert, erschien 1855 und zeigt das Staatswappen - gedruckt in einer schwedischen Druckerei, da Norwegen bis 1905 in Personalunion mit Schweden stand.
- Die Posthorn-Dauerserie gilt seit ihrer Einführung 1872 als älteste Dauerserie der Welt und ist das Herzstück der norwegischen Philatelie.
- Der Facit-Katalog, nicht der Michel, ist das maßgebliche Referenzwerk für Spezialisten; ohne ihn bleiben die zahllosen Farb- und Drucknuancen der frühen Posthorn-Phase (1871-1894) unkatalogisiert.

Schnellfakten: Das Norge-Sammelgebiet
Die folgende Übersicht gibt Ihnen alle wesentlichen Eckdaten auf einen Blick, bevor wir in die Geschichte und die einzelnen Ausgaben einsteigen.
| Postverwaltung / Staat | Posten Norge / Königreich Norwegen |
|---|---|
| Erstes Ausgabejahr | 1855 (Michel/Facit Nr. 1) |
| Letztes Ausgabejahr | laufend |
| Umfang | ca. 2.100 Hauptnummern (Facit / Michel Nordeuropa) |
| Bekannteste Ausgabe | Posthorn-Dauerserie (seit 1872) |
| Hoechster dokumentierter Zuschlag | 1.700.000 USD (Trondheim-Block 1855, 2008, David Feldman) |
| Typischer Einstiegspreis | ab 1-3 EUR (gestempelte Standardwerte) |
| Katalog-Referenz | Facit-Katalog (Skandinavien-Standard); Michel Nordeuropa |
| Häufige Spezialgebiete | Posthorn-Nuancen (1871-1894), NORDEN-Gemeinschaftsausgaben, Exil- und V-Aufdrucke (2. Weltkrieg) |
Geschichte und Postverwaltung
Die philatelistische Geschichte Norwegens beginnt mit einem staatspolitischen Sonderfall: Von 1814 bis 1905 war Norwegen in einer Personalunion mit Schweden verbunden, den Vereinigten Königreichen von Schweden und Norwegen. Aus diesem Grund trugen die ersten Marken keine explizite Landesbezeichnung, sondern lediglich das Wort "FRIMAERKE", und der erste Druckauftrag ging an eine schwedische Druckerei.
Die Erstausgabe 1855 - ein blauer 4-Skilling-Wert mit dem norwegischen Staatswappen - markiert den Beginn einer eigenständigen norwegischen Postgeschichte. Mit der friedlichen Auflösung der Union 1905 entstand die wichtigste philatelistische Zäsur des Gebiets: Ab 1907 prägte das Konterfei von König Haakon VII., dem nun eigenen Monarchen, die Marken Norwegens.
Zwischen 1940 und 1945 stand Norwegen unter deutscher Besatzung. Das Postwesen gab in dieser Zeit Marken mit "V"-Aufdrucken aus; parallel existierten Exilausgaben der norwegischen Regierung in London, die heute eigene Spezialsammlungen bilden. Die engen historischen Verbindungen und NORDEN-Gemeinschaftsausgaben verbinden Norwegen philatelistisch mit Schweden, Finnland und Island - alle drei sind auf dieser Website als verwandte Sammelgebiete dokumentiert: Schweden-Briefmarken, Finnland-Briefmarken und Island-Briefmarken.
Typische Ausgaben und Markenbilder
Die norwegische Briefmarkengeschichte gliedert sich in einige klar erkennbare Serien, die jeden politischen Zeitraum deutlich spiegeln und dem Sammler eine natürliche Struktur vorgeben.
Erste Ausgabe 1855: Der blaue 4-Skilling-Wert
Die ungezahnte, blaue 4-Skilling-Marke zeigt das norwegische Staatswappen - einen aufrecht stehenden Löwen mit der Olavsaxt. Sie ist das klassische Aushängeschild der norwegischen Philatelie und trägt keine explizite Landesbezeichnung, nur das Wort "FRIMAERKE". Das Wasserzeichen zeigt den Löwen mit der Axt von Olav, die erste ihrer Art vor der späteren Posthorn-Markierung ab 1872.
Dauerserie Posthorn seit 1872
Entworfen vom deutsch-norwegischen Architekten Wilhelm von Hanno, zeigt das Motiv ein Posthorn unter einer Krone. Die Serie hat alle politischen Wechsel ueberdauert und gilt laut der Wikipedia-Dokumentation zur Posthorn-Serie als älteste Dauerserie weltweit - seit 1872 ununterbrochen in Ausgabe. Auf die frühe Posthorn-Phase von 1871 bis 1894 spezialisiert betreten Sie eines der anspruchsvollsten Spezialgebiete Europas: unzählige Druckvarianten, Farbschattierungen und Plattenfehler.
Königs-Dauerserien ab 1907
Mit König Haakon VII. etablierte Norwegen nach 1905 eine Tradition königlicher Porträt-Dauerserien, die bis heute mit den jeweiligen Monarchen fortgeführt wird. Für Einsteiger ist die Epoche ab 1907 ein idealer Einstieg: Die Stücke sind gut bestimmbar, häufig gestempelt mit schönen Rundstempeln, und bei typischen Ausgaben noch zu moderaten Preisen verfügbar.
NORDEN-Gemeinschaftsausgaben ab 1956
Norwegen beteiligt sich traditionell an den skandinavischen NORDEN-Gemeinschaftsausgaben, gemeinsam mit Schweden, Dänemark, Finnland und Island. Diese Ausgaben machen das Gebiet für Motivsammler besonders attraktiv: fünf Länder in einem Motivstrang, jeweils in nationaler Variation ausgeführt.
Raritäten und Top-Stücke
Rekordpreise werden bei Norwegen vor allem im Bereich der ersten Ausgaben und seltener Posthorn-Nuancen erzielt. Die folgende Tabelle zeigt die hoechsten belegten Zuschlagswerte der jüngeren Auktionsgeschichte.
| Ausgabe | Jahr | Besonderheit | Dokumentierter Zuschlag | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| 4 Skilling Blau Wappen ("Trondheim-Block") | 1855 | Größte bekannte zusammenhängende Einheit der Erstausgabe (39er-Block), entdeckt 1928 | 1.700.000 USD (2008, David Feldman) | Philatelicly - Wertvollste Norwegen-Marken |
| 4 Skilling Blau Wappen | 1855 | Einzelstück der Erstausgabe in Top-Erhaltung | 7.927 USD (2018, Christoph Gärtner) | Philatelicly |
| 1 Krone König Haakon hellgrün | 1911 | Frühe und seltene Auflage des ersten eigenen Königs | 5.924 USD (2017, Kjell Germeten) | Philatelicly |
| 3 Oere Posthorn schattiert | 1877 | Seltene und stark gesuchte Farb-/Drucknuance der frühen Posthorn-Serie | 4.617 USD (2015, Kjell Germeten) | Philatelicly |
Selbst Einzelstücke der 4-Skilling-Erstausgabe werden noch im mittleren vierstelligen Bereich gehandelt. Der Trondheim-Block ist eine Klasse für sich - solche Ausnahmestücke finden fast ausschliesslich in Spezialauktionen neue Besitzer, selten über den allgemeinen Fachhandel. Spezialisierte Häuser wie Postiljonen (Malmö, Schweden) oder Kjell Germeten (Oslo) bieten für diesen Markt die dichteste Expertise.
Erkennungsmerkmale und Zustand
Der Wert eines Norwegen-Stücks hängt stark von technischen Details ab, die beim ersten Blick leicht übersehen werden. Ich sehe in der Beratung regelmäßig, dass Sammler Wasserzeichen- und Zähnungsunterschiede systematisch unterschätzen und seltene Stücke für Massenware halten.
Wasserzeichen
Die Erstausgabe 1855 trägt das Wasserzeichen "Löwe mit der Axt von Olav". Ab 1872 wurde das Wasserzeichen "Posthorn" eingeführt. Ob das Wasserzeichen aufrecht oder liegend im Papier steht, entscheidet bei frühen Jahrganegen den Katalogwert - ohne Wasserzeichenschieber kaum sicher zu bestimmen.
Zähnung und Schnitt
Die 4-Skilling-Erstemission von 1855 war ungezahnt. Spätere Ausgaben weisen Zähnungen auf, die bei frühen Posthorn-Ausgaben teils unsauber ausgeführt wurden. Zentrierte Stücke mit vollen Zähnen erzielen deutliche Aufpreise, weil schlecht zentrierte Exemplare entsprechend niedriger bewertet werden.
Farbnuancen der frühen Posthorn-Phase
Besonders zwischen 1871 und 1894 existiert eine fast unüberschaubare Vielfalt an Farbschattierungen, Papierarten und Plattenfehlern. Der 3 Oere "schattiert" ist ein prominentes Beispiel - ohne Facit-Katalog nicht sicher zu bestimmen. Aus meiner Sicht ist die frühe Posthorn-Phase der anspruchsvollste Bereich der gesamten skandinavischen Philatelie.
Aufdruck-Fälschungen aus der Besatzungszeit
Marken mit "V"-Aufdrucken von 1941 sind fälschungsgefährdet, da das Basismaterial einfach und der Stempelaufdruck leicht imitierbar ist. Ohne Prüfattest zählt kein voller Katalogwert - das gilt hier besonders.
Zur Echtheitsprüfung: Für das Gebiet Skandinavien und Norwegen ist in Deutschland der BPP zuständig. International greifen spezialisierte Händler auf Facit-Katalog-prüfende Experten zurück. Für klassische Skilling-Ausgaben, ungezahnte Erhaltungsvarianten und seltene Posthorn-Nuancen empfehle ich ab einem Einzel-Katalogwert von rund 50 EUR dringend ein Fotoattest - ohne dieses zählt der Katalogwert kaum.
Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten
Norwegen ist eines der wenigen Sammelgebiete, bei denen Sie mit kleinem Budget gut einsteigen können und als Spezialist ein fast unerschöpfliches Studienfeld vorfinden - je nachdem, welche Epoche Sie wählen.
| Stück/Serie | Erhaltung | Preisspanne EUR | Beleg-Art | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| NORDEN-Gemeinschaftsausgaben (ab 1956) | postfrisch | 2-8 EUR | Michel Nordeuropa / Handel | Norwegen Postgeschichte (Wikipedia) |
| Dauerserie Posthorn (frühe Standardwerte) | gestempelt | moderat (Schätzung Handel) | Schätzung | Posthorn-Serie (Wikipedia) |
| König Haakon VII (Ausgaben 1907) | gestempelt | 10-35 EUR | Michel / Handel | Norwegen Postgeschichte (Wikipedia) |
| Nordkapp-Serie 1930 (Scott B1-B3) | gestempelt (Used) | ca. 110-130 USD | Händlerpreis (Facit SEK 1300) | Jay Smith & Associates |
| 1855 4 Skilling Blau Wappen | gestempelt | 400-800 EUR | Händlerpreis | Jay Smith & Associates |
Eine Norwegen-Sammlung ab 1905 ist mit einem niedrigen vierstelligen Euro-Budget nahezu komplett realisierbar. Die klassische Periode vor 1905 hingegen ist aufgrund der Posthorn-Nuancen ein endloses Spezialgebiet. Bei nordischen Marken gilt wie überall, dass der reale Marktpreis deutlich unter dem Katalogwert liegt - typisch sind 20 bis 30 Prozent der Katalognotierung, sofern es sich nicht um zertifizierte Ausnahme-Raritäten handelt. Mehr dazu, wie Katalogwert und realer Marktwert auseinanderfallen, lesen Sie unter Briefmarken-Wert ermitteln.
Einsteiger sammeln Norwegen am häufigsten gestempelt, da die frühen sauberen Rundstempel sehr ästhetisch sind. Postfrisch ist für neuere Ausgaben (ab 1950er) gebräuchlich, bei klassischen Werten gilt gestempelt als traditioneller Sammelstandard.
Fazit: Wo kaufen Sie Norwegen-Briefmarken
Standardausgaben ab 1907 und NORDEN-Gemeinschaftsmarken finden Sie regelmäßig auf Catawiki, wo Norwegen-Lose kontinuierlich angeboten werden und dokumentierte Zuschlagsebenen eine realistischere Marktorientierung geben als statische Katalogwerte.
Für den Einstieg in Skilling-Klassik oder frühe Posthorn-Spezialitäten sind skandinavische Spezialauktionshäuser wie Postiljonen AB (Malmö, Schweden) oder Kjell Germeten (Oslo, Norwegen) die beste Adresse für Marktversorgung und Expertise. Jay Smith & Associates (USA) ist als international bekannter Skandinavien-Spezialist streng nach Facit-Katalog eine weitere verlässliche Anlaufstelle.
Eine geerbte Norwegen-Sammlung und Sie überlegen zu verkaufen? Der reale Marktwert weicht oft stark vom Facit- oder Michel-Katalog ab - besonders wenn NORDEN-Ausgaben die Sammlung beherrschen, aber klassische Skilling-Werte durch Lückenfüller ersetzt und übersehen wurden. Eine sachkundige Schätzung gibt schnell Klarheit: mehr dazu lesen Sie unter Briefmarken schätzen lassen.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um das Sammelgebiet Norwegen-Briefmarken.
Was ist die älteste Briefmarke Norwegens?
Die erste norwegische Briefmarke erschien 1855 als blauer 4-Skilling-Wert mit dem Staatswappen (Löwe und Olavsaxt). Sie trägt keine explizite Landesbezeichnung, nur das Wort "FRIMAERKE", weil Norwegen bis 1905 in Personalunion mit Schweden stand und in einer schwedischen Druckerei drucken liess. Mehr dazu im Bereich "Geschichte und Postverwaltung".
Warum sind Posthorn-Briefmarken aus Norwegen so bekannt?
Die 1872 eingeführte Posthorn-Serie ist die älteste Briefmarkenserie ohne Unterbrechung - sie hat alle politischen Umbrüche ueberdauert und ist bis heute in Ausgabe. Spezialisten faszinieren die unzähligen Druck- und Farbvarianten der frühen Phase bis 1894. Details finden Sie im Abschnitt "Typische Ausgaben und Markenbilder".
Welcher Katalog wird für norwegische Briefmarken genutzt?
Im deutschsprachigen Raum ist der Michel Nordeuropa geläufig, Spezialisten und skandinavische Händler nutzen jedoch fast ausschliesslich den schwedischen Facit-Katalog. Er ist deutlich detaillierter bei Posthorn-Nuancen und Druckvarianten - ohne ihn bleibt die Bestimmung frühen Klassik lückenhaft. Schauen Sie dazu in den Bereich "Erkennungsmerkmale und Zustand".
Lohnt sich das Sammeln von Norwegen?
Das Gebiet ab 1905 ist sehr überschaubar und mit moderatem Budget nahezu komplett sammelbar - ein idealer Einstieg für Einsteiger. In der Posthorn-Klassik vor 1900 finden Sie als Spezialist ein fast unerschöpfliches Studienfeld. Preisspannen und Strategien finden Sie unter "Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten".
Wo kaufe ich Norwegen-Briefmarken?
Standardausgaben ab 1900 finden sich auf Auktionsplattformen sowie bei lokalen Händlern. Seltene klassische Skilling-Werte oder ungezahnte Raritäten werden überwiegend über spezialisierte Auktionshäuser gehandelt - etwa Postiljonen in Schweden oder Kjell Germeten in Norwegen. Alle Details dazu unter "Fazit: Wo kaufen".
Was kostet eine komplette Norwegen-Sammlung?
Eine Sammlung ab der Unabhängigkeit 1905 ist mit einem niedrigen vierstelligen Euro-Budget nahezu komplett realisierbar. Die klassische Periode vor 1905 ist aufgrund der Posthorn-Nuancen-Vielfalt ein endloses Spezialgebiet und entsprechend teurer. Mehr zu konkreten Preisrahmen im Abschnitt "Aktuelle Marktpreise".
Verwandte Sammelgebiete
Das Sammelgebiet Norwegen ist philatelistisch eng mit anderen skandinavischen Ländern verknüpft. Direkte Partnergebiete mit gemeinsamen NORDEN-Ausgaben sind Schweden-Briefmarken, Finnland-Briefmarken und Island-Briefmarken - vier Nordländer in einem Motivstrang.
Eine Übersicht aller Sammelgebiete finden Sie unter Briefmarken sammeln - Gebiete und Einstieg. Zum Verständnis von Fachbegriffen aus der Philatelie empfehle ich die Glossar-Einträge postfrisch und Michel-Katalog.

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.