Die Briefmarken der Freien Stadt Danzig zählen zu den faszinierendsten Nebengebieten der deutschen Philatelie — rund 308 Hauptnummern entstanden zwischen 1920 und 1939 unter Völkerbund-Schutz.
Auf Catawiki finden Sie regelmäßig kuratierte Lose mit Aufdruck-Provisorien, Hansekoggen-Flugpostmarken und den gefragten Hindenburg-Aufdrucken — gut dokumentierte Klassiker mit anhaltend stabiler Nachfrage unter versierten deutschen Philatelisten.
Auf dieser Seite erfahren Sie, welche Danzig-Ausgaben als Gebiets-Klassiker gelten, woran Sie echte Aufdrucke erkennen und wo Sie diese Marken heute zuverlässig und seriös kaufen können.
Auf einen Blick
- Danzig verausgabte von 1920 bis 1939 eigene Marken unter Völkerbund-Mandat; das Gebiet umfasst 308 Hauptnummern im Michel-Katalog, dazu 51 Dienst- und 47 Portomarken.
- Der "Große Innendienst" (Mi-Nr. 47-49) ist das begehrte Spitzenstück - ein kompletter postfrischer Satz erzielte zuletzt 8.900 EUR beim Händler Goldhahn.
- Für Einsteiger ist Danzig gut zugänglich: eine solide Hauptnummern-Sammlung ohne extreme Raritäten für 300 bis 800 Euro aufzubauen.

Schnellfakten zur Freien Stadt Danzig
Ein kompakter Überblick über die wichtigsten philatelistischen Eckdaten des Gebiets - als Orientierung für Einsteiger und Quereinsteiger aus verwandten Sammelgebieten.
| Postverwaltung / Staat | Freie Stadt Danzig (unter Völkerbund-Mandat) |
|---|---|
| Erstes Ausgabejahr | 1920 (Mi-Nr. 1, Aufdruck-Ausgaben auf deutschen Germania-Marken) |
| Letztes Ausgabejahr | 1939 (Eingliederung ins Deutsche Reich am 1. September 1939) |
| Umfang | 308 Hauptnummern, 51 Dienst-, 47 Portomarken (Michel Deutschland-Spezial Bd. 1) |
| Bekannteste Ausgaben | "Großer Innendienst" 1920 und Flugpost-Koggen ab 1924 |
| Hoechster dokumentierter Zuschlag | 10.000 EUR (Heinrich Köhler Auktionen, Wiesbaden) |
| Typischer Einstiegspreis | 2-5 EUR für gestempelte Standardwerte |
| Katalog-Referenz | Michel Deutschland-Spezial, Band 1 |
| Häufige Spezialgebiete | Inflations-Überdrucke, Port Gdansk (Polnische Post in Danzig), Vorläuferstempel |
Geschichte und Postverwaltung
Danzig erhielt seine eigenen Marken nicht aus eigenem Willen, sondern durch den Ausgang des Ersten Weltkriegs: der Versailler Vertrag trennte Danzig 1920 vom Deutschen Reich und machte die Stadt zu einer selbständigen Einheit unter Völkerbund-Schutz.
Von Januar bis Juni 1920 nutzte die Stadt deutsche Marken als sogenannte Vorläuferstempel - eine postgeschichtlich besonders interessante Phase, in der zeitgerechte Bedarfsentwertungen mit klarem "Danzig"-Ortsstempel bereits erste Sammlerwünsche weckten. Am 14. Juni 1920 erschienen die ersten eigenen Ausgaben: deutsche Germania-Marken mit dem waagerechten "Danzig"-Aufdruck - provisorisch, aber gültiger Auftakt einer eigenständigen Postgeschichte. Dies beschreibt Dr. Reinhard Fischer Auktionen in seiner Fachpublikation ausführlich.
Zwei Zäsuren prägen den Sammelzeitraum besonders: Die Währungsreform von 1923 beendete die Hyperinflation und führte die Gulden-Währung mit neuen Motiven ein. Dann am 1. September 1939 - dem Tag des deutschen Einmarschs in Polen und Danzig - endete die eigenständige Posthoheit; die Gültigkeit der Danziger Marken erlosch Ende September 1939.
Ein eng verwandtes Sammelgebiet ist die Polnische Post in Danzig, bekannt als "Port Gdansk": Sie betrieb eigene Ämter im Hafen der Freien Stadt und gab Marken in polnischer Währung heraus - parallel zu den Danziger Gulden-Ausgaben, daher eine natürliche Ergänzung für Spezialisten. Wer sich für die Zeit der deutschen Nebengebiete interessiert, findet auch unter Deutsches-Reich-Briefmarken und Polen-Briefmarken Anschlusspunkte.
Typische Ausgaben und Markenbilder
In knapp zwanzig Jahren entstanden in Danzig vier klar unterscheidbare Ausgabephasen, die jeweils den politischen oder wirtschaftlichen Kontext der Stadt spiegelten.
Aufdruck-Ausgaben 1920
Die ersten Marken waren schlicht deutsche Germania-Freimarken des Deutschen Reiches, versehen mit einem waagerechten "Danzig"-Schriftzug. Dieser provisorische Charakter macht sie für Spezialisten interessant: Falschaufdrucke kursierten bereits zeitgenossisch, und die verschiedenen Aufdruck-Typen weichen in Schriftstärke, Farbton und Drucktiefe minimal voneinander ab. Ein geübtes Auge - oder besser: ein BPP-Prüfer für sichere Einordnung - ist hier unerlässlich.
Wappen-Dauerserien 1921-1923
Ab 1921 erhielt Danzig erstmals Marken mit eigenem Staatswappen als Hauptmotiv - in Mark-Währung, noch vor der Hyperinflation. Die Serien Mi-Nr. 73-86 zeigten das kleine und große Wappen der Freien Stadt und sind im Zustand postfrisch heute für zwei bis fünfzehn Euro zu bekommen, wie Angebote bei Teutoburger Philatelie belegen.
Inflations-Überdrucke 1923
Wie das Deutsche Reich erlebte auch Danzig 1923 die Hyperinflation und musste Marken mit gewaltigen Ziffernaufdrucken versehen - bis zu 50 Milliarden Mark im Korbdeckelmuster. Diese Notausgaben sind massiv für Fälschungen anfällig. Ich sehe in der Beratung regelmäßig vermeintliche Raritäten aus dieser Zeit, deren Aufdrucke sich unter der Lupe als plumpe Nachdrucke entpuppen. Ein kopfstehender Aufdruck kann wertvoll sein - oder eine simple Fälschung.
Flugpost und Gulden-Ausgaben ab 1924
Mit der Waehrungsstabilisierung auf Gulden und Pfennig erschienen die malerischsten Danziger Marken: Flugpostmarken mit Hansekoggen und Stadtsilhouetten, die heute als gestalterischer Höhepunkt des Gebiets gelten. Die Serie Mi-Nr. 202-206 ist bei Händlern wie Briefmarken Sieger postfrisch für dreißig bis sechzig Euro zu haben - ein realistischer Einstiegspunkt in diese Epoche.
Raritäten und Top-Stücke
Das teuerste Stück aus Danzig ist der "Große Innendienst" - eine Dienstmarken-Ausgabe mit extrem kleiner Auflage, die auf portogerechten Wertbriefen fast nie überliefert ist. Solche Spitzenstücke gehen fast ausschliesslich über spezialisierte Auktionshäuser und selten über den Ladenhandel.
| Ausgabe | Jahr | Besonderheit | Dokumentierter Zuschlag | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| "Großer Innendienst" auf Wertbrief | 1920 | 60 Pf bis 2 Mark komplett auf Bedarfsbrief (Attest Oechsner BPP) | 10.000 EUR (Heinrich Köhler Auktionen) | |
| "Großer Innendienst" Mi-Nr. 47-49 postfrisch | 1920 | Einer der seltensten Danzig-Sätze in Ausnahmequalität, BPP-Farbfotoattest | 8.900 EUR (Händlerpreis 2024, Goldhahn) | Goldhahn Briefmarkenversand |
| Inflations-Kopfsteher (Mi-Nr. 18 K) | 1920 | 25 auf 30 Pfennig mit kopfstehendem Aufdruck, ungebrauchter Viererblock | 350 USD (2013, Siegel Auction) | |
| Unverausgabte Germania-Aufdrucke (Mi A I - A III) | 1920 | Deutsches Reich Mi 90 II, 140, 141 mit Danzig-Aufdruck, nie offiziell ausgegeben | 240 USD (2017, Cherrystone Auctions) |
Beim Kauf solcher Spitzenstücke gilt für mich eine einfache Regel: kein BPP-Attest, kein Kauf. Der Preisunterschied zwischen einem echten, zeitgerechten Bedarfstempel und einem nachträglichen Gefälligkeitsabschlag ohne klares Datum kann mehrere tausend Euro ausmachen. Das habe ich selbst erlebt, als ich vor Jahren ein vermeintliches Spitzenstück ohne lückenlose Prüfdokumentation erstanden hatte.
Erkennungsmerkmale und Zustand
Danzig-Marken haben einige gebietstypische Fallstricke, die Einsteiger kennen sollten - Aufdrucke und Wasserzeichen entscheiden den Wert oft mehr als der optische Gesamteindruck.
Aufdrucke und Fälschungsrisiko
Die provisorischen "Danzig"-Aufdrucke von 1920 und die Inflations-Kopfsteher-Abarten sind nach übereinstimmender Einschätzung der Prüfer massiv fälschungsgefährdet. Echte Abarten erzielen hohe Preise, während Fälschungen auf dem Markt allgegenwärtig sind. Farbe, Glanz und Drucktiefe weichen minimal ab - für Laien kaum sicher einzuschätzen ohne Fachunterstützung.
Stempel-Typen und Bedarfsentwertungen
Der Michel-Katalog unterscheidet bei Danzig klar zwischen nicht-prüfbaren Gefaelligkeitsstempeln oder Blanko-Abschlägen und zeitgerechten Bedarfsentwertungen. Ein klarer Unterscheidungsbuchstabe wie "Danzig * 1 a" mit gutem Datum gilt als Bedarfsnachweis. Gestempelte Marken ohne erkennbaren Bedarfscharakter werden im Handel deutlich schlechter bewertet.
Wasserzeichen-Varianten
Besonders bei Dienstmarken macht das Vorhandensein des Waben-Wasserzeichens (Y) gegenüber dem Rauten-Wasserzeichen (X) Preisunterschiede von mehreren hundert Euro aus. Das gilt beispielsweise für Mi-Nr. 24 Y versus 24 X. Wer nicht mit einem Wasserzeichen-Detektor arbeitet, riskiert teure Fehlkauefe beim Kauf.
Echtheitsprüfung
Für das Gebiet Danzig ist der BPP (Bund Philatelistischer Prüfer) zuständig; bekannte Danzig-Altprüfer sind Dr. Helmut Oechsner und Gerhard Schüler. Seriöse Händler und Auktionshäuser empfehlen ab einem Stückwert von etwa 50 EUR den Kauf mit BPP-Kurzbefund oder Fotoattest. Ungeprüfte Spitzenwerte - besonders gestempelte Inflationsmarken oder "Innendienst"-Dienstmarken - sollten grundsätzlich als nicht sicher einzuschätzende Stücke betrachtet werden. Mehr zum deutschen Prüfsystem beschreibt der Wikipedia-Artikel Briefmarkenprüfung.
Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten
Danzig ist ein Gebiet mit großer Preisspanne zwischen Basis und Spitze: Standardware liegt im einstelligen Euro-Bereich, während Spitzenstücke vierstellige und vereinzelt fünfstellige Beträge erzielen.
| Stück/Serie | Erhaltung | Preisspanne EUR | Beleg-Art | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Dauerserie "Staatswappen" 1921 (Mi-Nr. 73-86) | postfrisch | 2-15 EUR | Händler | Teutoburger Philatelie |
| Flugpost-Serie 1924 (Mi-Nr. 202-206) | postfrisch | 30-60 EUR | Händler | Briefmarken Sieger |
| Freimarke 50 Mark 1922 (Mi-Nr. 100 Xb) | gestempelt (BPP) | ~70 EUR | Händler | Teutoburger Philatelie |
| Inflations-Kopfsteher-Lot 1920/23 (7 Werte) | postfrisch | 100-300 EUR | Auktion | |
| "Großer Innendienst" (Mi-Nr. 47-49) | postfrisch (BPP) | 5.000-8.900 EUR | Händler / Auktion | Goldhahn Briefmarkenversand |
Eine ordentliche Hauptnummern-Sammlung der Freien Stadt Danzig ohne extreme Dienstmarken-Raritäten und Plattenfehler ist für Einsteiger gut realisierbar: zwischen 300 und 800 Euro ist eine solide Kollektion aufzubauen. Wer dagegen auf Gesamtkatalog setzt - inklusive aller Dienst- und Portomarken sowie Spitzenstücken - geraet schnell in fünfstellige Beträge.
Danzig-Briefmarken realisieren im Standardbereich beim Verkauf nur etwa 20 bis 30 Prozent des Michel-Katalogwertes, wie die Analyse auf sammeln-spezial.de mit konkreten Prozentangaben belegt. Nur BPP-geprüfte Seltenheiten oder seltene Bedarfsbelege erzielen höhere Quoten. Mehr zur Einschätzung des Realwerts Ihrer Sammlung lesen Sie unter Briefmarken-Wert ermitteln.
Für die Sammlungsstrategie gilt: Viele Danzig-Spezialisten setzen nicht auf Komplettierung, sondern wählen einen thematischen Schwerpunkt - Vorläuferstempel der Postgeschichte, Wasserzeichen-Varianten der Inflationszeit oder Plattenfehler der Aufdrucke. Postfrisch ist bei Dauerserien ab 1921 gängiger und einfacher zu beschaffen als bei Inflationsausgaben, wo gestempelte Bedarfsbelege als besonders wertvoll gelten.
Fazit: Wo kaufen Sie Danzig-Briefmarken
Danzig ist ein kompaktes, historisch faszinierendes Sammelgebiet mit echter Tiefe für Spezialisten. Wer Einstiegsware sucht, findet bei Catawiki regelmäßig Danziger Lose in allen Preislagen - von einzelnen Standardmarken bis zu kleinen Sammlungspartien mit dokumentierten Zuschlagsebenen und Experten-Prüfung.
Für Spitzenstücke und BPP-attestierte Ware sind spezialisierte Auktionshäuser der bessere Weg: Dr. Reinhard Fischer Auktionen in Bonn verfügt oft über große Danzig-Konvolute, und Heinrich Köhler Auktionen in Wiesbaden ist für Nebengebiete-Kataloge bekannt. Goldhahn Briefmarkenversand führt regelmäßig geprüfte Danzig-Ware im Sortiment. Als Standardregel: Einstiegsware über aktuelle Marktplätze, Spitzenstücke nur über Auktionshäuser mit Attestpflicht.
Eine geerbte Danzig-Sammlung haben und überlegen zu verkaufen? Der reale Marktwert weicht bei Danzig-Marken oft stark vom Michel-Katalog ab - eine sachkundige Schätzung schafft schnell Klarheit. Mehr dazu lesen Sie unter Briefmarken schätzen lassen.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Danzig-Briefmarken und die Freie Stadt.
Wann gab es eigene Briefmarken aus Danzig?
Danzig verausgabte von Juni 1920 bis September 1939 eigene Briefmarken. Die Stadt stand in dieser Zeit als "Freie Stadt" unter dem Schutz des Völkerbundes. Mehr zum historischen Kontext lesen Sie im Bereich "Geschichte und Postverwaltung".
Welche Danzig-Briefmarken sind wertvoll?
Der "Große Innendienst" (Mi-Nr. 47-49) ist das teuerste reguläre Stück des Gebiets. Auch kopfstehende Aufdrucke der Inflationszeit erzielen bei Auktionen hohe Preise. Details zu dokumentierten Zuschlägen finden Sie im Abschnitt "Raritäten und Top-Stücke".
Was bedeutet "Port Gdansk" bei Danzig-Marken?
Port Gdansk bezeichnet die Polnische Post in der Freien Stadt Danzig, die eigene Hafenrechte hatte und Marken in polnischer Währung herausgab. Diese Ausgaben existierten parallel zu den Danziger Gulden-Marken und bilden ein eigenständiges Spezialgebiet. Mehr dazu unter "Geschichte und Postverwaltung".
Wie erkenne ich echte Aufdrucke bei Danzig-Marken?
Echte Aufdruck-Typen unterscheiden sich minimal in Farbe, Glanz und Drucktiefe von Fälschungen. Laien können dies kaum sicher einschätzen, weshalb ab 50 Euro ein BPP-Fotoattest dringend empfohlen wird. Die Details stehen im Abschnitt "Erkennungsmerkmale und Zustand".
Lohnt sich eine Danzig-Briefmarkensammlung?
Philatelistisch ist es ein beliebtes, in sich geschlossenes Gebiet mit rund 308 Hauptnummern. Ohne die absoluten Raritäten finanziell überschaubar - eine solide Sammlung ist für 300 bis 800 Euro aufzubauen. Mehr dazu im Bereich "Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten".
Wo kaufe ich Danzig-Briefmarken heute?
Einstiegsware finden Sie auf Catawiki und bei spezialisierten Briefmarkenhändlern. Spitzenstücke und attestierte Ware sollten über Auktionshäuser wie Dr. Reinhard Fischer oder Heinrich Köhler erworben werden. Details im Abschnitt "Fazit: Wo kaufen Sie Danzig-Briefmarken".
Welche Sammelgebiete sind mit Danzig verwandt?
Engste Verwandtschaft besteht zum Deutschen Reich (Vorläuferstempel, Germania-Aufdrucke) und zur Polnischen Post in Danzig (Port Gdansk). Historisch eng verbunden sind auch Deutsches-Reich-Briefmarken und polnische Ausgaben der Zwischenkriegszeit. Einen Einstieg bietet der Bereich Sammelgebiete im Überblick.

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.