Dinosaurier-Briefmarken zahlen zu den beliebtesten Einsteiger-Motiven der Philatelie, mit tausenden Ausgaben weltweit aus mehr als hundert Landern. Die erste Saurier-Marke erschien 1958 in der Volksrepublik China; der globale Boom setzte jedoch erst Ende der 1980er-Jahre ein.
Was das Motiv besonders macht, ist die Bandbreite: Auf der einen Seite stehen wissenschaftlich prazise Zeichnungen aus DDR- oder Royal-Mail-Ausgaben, auf der anderen neonbunte Lizenz-Blocks aus karibischen Kleinstaaten. Fur Sammler ist diese Bandbreite Chance und Falle zugleich - wer die Unterschiede kennt, baut eine sinnvolle Sammlung auf.
Ich erklare Ihnen hier, welche Serien philatelistisch wirklich zahlen, wie Sie Ihre Sammelstrategie eingrenzen und wo die Preisgrenzen im Motiv liegen - vom Einsteiger-Budget bis zu den wenigen gesuchten Fruhausgaben aus Asien.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- Die erste Dinosaurier-Briefmarke erschien 1958 in China; die Kernserien fur Sammler stammen jedoch aus USA (1989), DDR (1990) und Grossbritannien (1991).
- Das Motiv ist ein reines Massenware-Sammelfeld ohne Preisspitzen: Selbst die gefragtesten Ausgaben kosten im zwei- bis dreistelligen Eurobereich, eine solide Basissammlung ist ab 30-80 EUR aufbaubar.
- Uber 70 % der weltweiten Ausgaben sind Agentur-Lizenzmarken aus Kleinstaaten, die philatelistisch als zweitrangig gelten und am Sekundarmarkt kaum Wert erzielen.
Wer aktuelle Dinosaurier-Briefmarken kaufen oder den Marktpreis eines konkreten Motivstucks einschatzen will, findet bei Catawiki laufende Auktionen mit Zuschlagsbelegen. DDR-Saurier-Blocks und US-amerikanische Ersttagsbriefe von 1989 wechseln dort je nach Erhaltung im ein- bis zweistelligen Eurobereich den Besitzer - eine realistischere Orientierung als statische Katalogwerte.
Bevor ich auf die einzelnen Serien eingehe, ein kurzer Uberblick uber die wichtigsten Fakten im Uberblick zu diesem Motiv.

Die folgende Tabelle fasst zusammen, was Sammler und Einsteiger zu diesem Motiv grundsatzlich wissen sollten.
Schnellfakten: Dinosaurier-Briefmarken
Das Motiv verbindet Wissenschaft, Popkultur und Philatelie auf eine Weise, die wenige andere Sammelgebiete bieten - von den ersten chinesischen Palaontologie-Marken der 1950er-Jahre bis zu den massenproduzierten Agenturausgaben der 1990er-Jahre.
| Erste dokumentierte Ausgabe | Volksrepublik China, 1958 (Lufengosaurus-Satz, 3 Werte) |
|---|---|
| Wichtigste Postverwaltungen | USA, Grossbritannien, China, Mongolei, diverse Agentur-Ausgabelander (Tansania, Guinea) |
| Geschatzter Sammelfeld-Umfang | Tausende Marken weltweit |
| Bekannteste Serie | USA „Prehistoric Animals" Bogen (1989) und DDR „Saurier" (1990) |
| Hochster dokumentierter Zuschlag | Keine bekannten Spitzenzuschlage; Wertfokus auf vollstandige Serien |
| Typischer Einstiegspreis | 1-3 EUR (gestempelter Standard-Satz) |
| Katalog-Referenz | Michel-Motivkatalog „Dinosaurier und andere prahistorische Tiere" |
| Sammlervereinigung | Motivgruppe Tiere e.V. im BDPh; international: American Topical Association |
Geschichte des Motivs in der Philatelie
Dinosaurier auf Briefmarken sind kein Phanomen des Popkultur-Booms - sie haben eine eigene palaontologische Fruhgeschichte, die sich von den ersten wissenschaftlichen Entdeckungen des 20. Jahrhunderts bis zum weltweiten Jurassic-Park-Fieber der 1990er-Jahre erstreckt.
Fruhe Ausgaben und der Wissenschafts-Boom
Die Volksrepublik China verausgabte am 15. April 1958 einen Satz mit drei palaontologischen Motiven, darunter der 8-Fen-Wert mit dem Skelett des Lufengosaurus huenei. Er gilt in der Philatelie als erste echte Dinosaurier-Briefmarke der Welt, laut Paleophilatelie.eu, einer zentralen Referenz fur palaontologische Motivkunden. Die Ausgabe hatte einen handfesten wissenschaftlichen Anlass: In der Provinz Yunnan waren kurz zuvor bedeutende Funde gemacht worden.
Ein erster europaweiter Boom startete in den spaten 1980er-Jahren, als die Forschung das Bild der Dinosaurier vom „tragen Echsentier" zu einer dynamischen, agilen Tiergruppe neu zeichnete. Die USA (1989), die DDR (1990) und Grossbritannien (1991 zum 150. Jubilaum der Wortschopfung „Dinosauria" durch Richard Owen) gaben in diesem Zug ikonische, wissenschaftlich illustrierte Serien heraus.
Internationale Verbreitung und Agentur-Ausgaben
Ab 1993 loste der Film „Jurassic Park" eine globale Ausgabewelle aus. Viele arme Kleinstaaten liessen hunderttausende Marken uber Agenturen drucken, um sie direkt an Sammler in Europa und Nordamerika zu verkaufen - ohne jede postalische Nutzung im Ausgabeland. Heute stammen uber 70 % der weltweiten Dinosaurier-Marken aus Karibik- und Afrika-Staaten, die das Motiv rein kommerziell verwenden. Lander mit bedeutenden Ausgrabungsstatten wie Mongolei, China, USA und Kanada geben hingegen wissenschaftlich begleitete Serien heraus, die philatelistisch deutlich hoher einzustufen sind.
Bekannteste Serien und Ausgaben
Funf Serien gelten als unverzichtbare Pflicht-Ausgaben fur Motivsammler - aus mindestens drei Landern, mit klarem Schwerpunkt auf postalisch genutzten Marken mit wissenschaftlichem Hintergrund.
| Land | Serie / Ausgabe | Jahr | Anlass / Besonderheit | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| USA | Prehistoric Animals (Scott 2422-25) | 1989 | Block mit 4 Werten (u.a. T-Rex, Stegosaurus). Gilt als einer der populaersten US-Bogen der 80er-Jahre. | Paleophilatelie.eu - USA 1989 |
| DDR | Saurier (MiNr. 3349-3354) | 1990 | 5 Einzelwerte plus Block 102 (Iguanodon). Eine der letzten Motivserien der DDR vor der Wiedervereinigung. | Briefmarken-Bilder.de - DDR Block 102 |
| Grossbritannien | Dinosaurs (Royal Mail) | 1991 | 5 Werte zum 150. Jubilaum der Namensgebung „Dinosauria" durch Richard Owen. | Paleophilatelie.eu - UK 1991 |
| China | Palaontologie (MiNr. 395-397) | 1958 | Erste Briefmarkenserie der Welt mit Dinosaurier-Bezug (Lufengosaurus). | Paleophilatelie.eu - China |
| Mongolei | Gobi-Wuste Funde (diverse) | 1967, 1990 | Zahlreiche Ausgaben von Lokalfunden wie Velociraptor und Tarbosaurus - streng an tatsachliche Fossilienfunde gekoppelt. | Paleophilatelie.eu - Mongolei |
Als „Sammler-Pflicht" gelten die Postschalter-Ausgaben der DDR, der USA und Grossbritanniens: Sie deckten postalischen Bedarf, wurden in hochwertiger Mehrfarben-Illustration gesetzt und sind in stabilen Mengen am Markt erhaeltlich. Die mongolischen und chinesischen Ausgaben sind fur Palaontologie-Begeisterte hochinteressant, weil sie streng an tatsachliche regionale Fossilienfunde gekoppelt sind. Die bunten Blockausgaben aus Staaten wie Gambia oder Guyana hingegen sind optisch attraktiv fur Kinder, gelten am Markt aber als rein dekorativ und philatelistisch zweitrangig.
Highlight-Marken und Wertspitzen
Wer seltene, hochpreisige Raritaten sucht, ist beim Dinosaurier-Motiv falsch. Das Sammelgebiet kennt keine dokumentierten Einzelmarken mit vier- oder funfstelligen Auktionszuschlagen. Die Highlights definieren sich hier uber historischen Stellenwert oder gestalterische Qualitat, nicht uber den Preis.
| Ausgabe | Land + Jahr | Besonderheit | Marktwert (EUR) | Beleg-Art |
|---|---|---|---|---|
| Palaontologie-Satz (3 Werte) | China 1958 | Historisch erste Ausgabe, gesucht bei Motiv- und Asiensammlern | 15-35 EUR (postfrisch) | Michel-Katalogwert-Bandbreite; vgl. Postbeeld Themenhandler |
| Prehistoric Animals FDC | USA 1989 | Ersttagsbrief mit Block-Viererstreifen und Ersttagsstempel | 8-15 EUR (Handlerverkaufspreis) | Handlerverkauf |
| Block 102 (Iguanodon) | DDR 1990 | Ikonischer Block der Wendezeit, massenhaft vorhanden | 1-3 EUR (Handels- und Katalogwert) | Handlerverkauf / Michel |
In der Beratung erlebe ich immer wieder Grosseltern, die in den 1990er-Jahren fur viel Geld prachtvolle Dinosaurier-Abo-Alben aus dem Direktvertrieb fur die Enkel gekauft haben. Die Enttauschung bei der Wertermittlung heute ist oft gross, weil der Zweitmarkt diese Agenturware kaum aufnimmt.
Besonders betroffen: sogenannte „Goldfolien-Marken" oder „Premium-Kollektionen" aus dem Direktvertrieb, die beim Erstkauf teuer waren und heute auf Auktionen einen Bruchteil des Kaufpreises erzielen. Zur Einordnung, wie Marktwerte beim Weiterverkauf entstehen, lohnt sich ein Blick auf die Seite zu wie Marktwerte entstehen.
Sammelstrategie und Aufbau
Motivsammeln hat keine naturliche Grenze - gerade beim Dinosaurier-Motiv mit seinen Tausenden von Agenturausgaben ist die Eingrenzung der Strategie entscheidend fur eine sinnvolle Sammlung.
Die wichtigsten Sammelpfade
Wer alles sammeln will, verliert sich schnell in unuberschaubarer Agenturware. Ich rate meistens zu gezielter Eingrenzung, je nach Interessen und Budget.
Der erste Pfad ist die wissenschaftliche Auswahl nach Fundort: Der Sammler beschrankt sich auf Marken aus Landern, in denen die abgebildeten Dinosaurier auch tatsachlich gefunden wurden - T-Rex aus USA und Kanada, Iguanodon aus Europa, Tarbosaurus aus der Mongolei. Das reduziert den Umfang auf realistisch 200-400 Hauptmarken weltweit und gibt der Sammlung einen echten palaontologischen roten Faden.
Der zweite Pfad ist der nationale oder regionale Fokus: Viele Sammler integrieren nur die beruhmte DDR-Saurier-Serie von 1990 oder die US-amerikanischen Ausgaben in ihre bestehenden Landersammlungen. Dieser Ansatz passt oft gut zu Vordruck-Alben von Lindner oder Leuchtturm und halt den Umfang uberschaubar.
Der dritte Pfad ist der Fokus auf Belegformen wie FDC: Da Dinosaurier-Motive stark von ihrer visuellen Wucht leben, ist das Sammeln von Ersttagsbriefen (FDC) oder Maximumkarten extrem beliebt - und optisch weitaus reizvoller als lose gestempelte Einzelmarken.
In Deutschland organisieren sich Dinosaurier-Sammler thematisch in der Motivgruppe Tiere e.V. im BDPh, die auch uber Ansprechpartner und Tauschborsen informiert. Internationale Anlaufstelle ist laut Biophilately.org die American Topical Association als zentrale Adresse fur Palaontologie-Philatelie. Wer ganz am Anfang steht, findet bei der Tier-Motive-Seite weitere Einsteiger-Tipps zu ahnlichen Motivfeldern.
Marktpreise und Sammelkosten
Das Dinosaurier-Motiv ist in der Preisstruktur klar einzuordnen: Es gibt keine hochpreisigen Raritaten, dafur ein breites Mittelfeld gut erhaeltlicher Serien zu fairen Einsteiger-Konditionen.
| Stuck / Serie | Erhaltung | Preisspanne EUR | Beleg-Art |
|---|---|---|---|
| DDR Block 102 und Saurier-Satz (1990) | postfrisch | 1,50-3,50 | Handlerverkauf |
| USA „Prehistoric Animals" (1989) | postfrisch (Bogen) | 3,00-6,00 | Handlerverkauf |
| Agentur-Blockausgaben (Tansania, Guinea) | postfrisch (CTO) | 2,00-5,00 | Themenpaket-Handler |
| China Palaontologie-Satz (1958) | postfrisch | 20,00-40,00 | Auktion / Fachhandel |
Eine sehr ansehnliche Basissammlung mit den wichtigsten historischen Ausgaben aus DDR, USA, Grossbritannien und fruher Mongolei lasst sich schon ab 30 bis 80 EUR aufbauen - eine der niedrigsten Einstiegshurden in der Motivphilatelie. Wichtig: Bei bunten Motiv-Blocks aus Kleinstaaten ist der Michel-Katalogwert oft irrefuhrend hoch angesetzt, denn am realen Markt werden solche Marken als Kiloware fur Cent-Betrage pro Stuck gehandelt. Mehr zur Logik hinter solchen Preisdiskrepanzen erklare ich auf der Seite zu wie Marktwerte entstehen.
Wer Schmuckblaetter oder Sonderdrucke kauft, die Direktvertriebsanbieter fur 15-30 EUR als attraktive Geschenkidee vermarkten, zahlt meist einen erheblichen Aufpreis gegenuber dem spateren Zweitmarktwert. Diese Artikel richten sich an Nicht-Sammler und verlieren nach Erstausgabe schnell an Wert.
Fazit: Wo kaufen
Dinosaurier-Briefmarken sind ein dankbares Einstiegsmotiv fur Kinder, Jugendliche und alle, denen es um Freude an der Sammlung und weniger um finanzielle Wertentwicklung geht. Wer philatelistisch ernsthafter einsteigt, wahlt Ausgaben mit realem Ortsbezug - also Marken aus jenen Landern, in denen die abgebildeten Tiere tatsachlich ausgegraben wurden. Die postalisch genutzten Serien aus DDR, USA und Grossbritannien sind ein solides Fundament fur unter 20 EUR.
Fur den Kauf empfehle ich Catawiki als Online-Auktionsplattform mit laufenden Palaontologie-Lots und Postbeeld als grossten europaischen Themenhandler fur Motivmarken (postbeeld.de/thema). Bei beiden Anbietern finden Sie fehlende Einzelwerte genauso wie gunstige Themenpakete fur den Einstieg.
Wer eine geerbte Motiv-Sammlung mit Dinosaurier-Marken hat und uberlegt zu verkaufen: Solche Bestande stammen meist aus Jugend-Abos und bestehen zum Grossteil aus Massenware. Eine Begutachtung lohnt sich erst, wenn seltene Fruhausgaben aus Asien aus der Zeit vor 1960 enthalten sind. Mehr dazu finden Sie unter sachkundige Schatzung.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die haufigsten Fragen zu Dinosaurier-Briefmarken.
Was ist die erste Dinosaurier-Briefmarke der Welt?
Die erste authentische Dinosaurier-Briefmarke erschien am 15. April 1958 in der Volksrepublik China. Der 8-Fen-Wert zeigt das Skelett eines Lufengosaurus huenei und gilt als Startpunkt der Palaontologie-Philatelie. Alle Details zu dieser Ausgabe lesen Sie im Abschnitt „Geschichte des Motivs in der Philatelie".
Welche Dinosaurier-Briefmarken sind wertvoll?
Das Sammelgebiet kennt keine Raritaten mit vierstelligen Auktionszuschlagen. Zu den gefragteren Stucken zahlen der chinesische Satz von 1958 (15-35 EUR postfrisch) und vollstandige Ersttagsbriefe aus den USA von 1989. Mehr dazu im Bereich „Highlight-Marken und Wertspitzen".
Lohnt sich die DDR-Serie Saurier (1990) als Geldanlage?
Nein, die Serie (MiNr. 3349-3354 plus Block 102) ist historisch relevant und schon illustriert, finanziell aber eindeutig Massenware im einstelligen Eurobereich. Als Sammlerobjekt aus Freude lohnt sie sich, als Geldanlage nicht. Preise finden Sie in der Tabelle unter „Marktpreise und Sammelkosten".
Warum gibt es so viele Dinosaurier-Marken aus der Karibik und Afrika?
Nach dem Jurassic-Park-Boom ab 1993 liessen viele Kleinstaaten uber Agenturen massenhaft Marken fur Sammler drucken - ohne jeden postalischen Bedarf im Ausgabeland. Diese Agenturausgaben gelten philatelistisch als zweitrangig. Mehr dazu im Abschnitt „Internationale Verbreitung und Agentur-Ausgaben".
Wie sammle ich Dinosaurier-Briefmarken sinnvoll?
Ich empfehle, sich auf postalisch echt gelaufene Marken aus Landern zu beschranken, in denen die abgebildeten Dinosaurier tatsachlich ausgegraben wurden. Das reduziert den Umfang auf uberschaubare 200-400 Hauptmarken. Die verschiedenen Sammelstrategien erklare ich im Bereich „Sammelstrategie und Aufbau".
Wo finde ich weitere Informationen zu Motiv-Briefmarken?
Eine gute Anlaufstelle ist der Motiv-Hub mit Ubersichten zu allen Themen-Motiven. Fachbegriffe wie FDC oder Maximumkarte erklare ich im Glossar. Dort finden Sie auch, was „postfrisch" und „gestempelt" in der Praxis bedeuten.

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.