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Automatenmarken (ATM): Glossar zur deutschen Postgeschichte

Automatenmarken sind Postwertzeichen, bei denen der Portowert erst beim Kauf am Postautomaten auf einen Blanko-Vordruck gedruckt wird - amtlich heißen sie amtlich Automaten-Postwertzeichen (APWz). In Deutschland lief dieses System von 1981 bis 2024.

Mit dem Abschalten des letzten Geräts zum 31. Dezember 2024 ist daraus ein abgeschlossenes Sammelgebiet geworden. Hier erkläre ich Ihnen, was ATM von anderen Frankierformen unterscheidet, welche Drucktypen, Papiere und Raritäten es gab und was Sie tun sollten, wenn Sie im Nachlass auf Automatenmarken stoßen.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • Automatenmarke (ATM) = Blanko-Vordruck auf Rolle, bei dem der Portowert erst im Automaten eingedruckt wird; amtliche Bezeichnung: Automaten-Postwertzeichen (APWz)
  • Deutschlandstart am 2. Januar 1981 (Ersttag), erster Automat am 5. Januar 1981 in Darmstadt; weltweit erste ATM bereits im März 1969 in Montgeron, Frankreich aufgestellt
  • Alle deutschen Briefmarkenautomaten wurden zum 31. Dezember 2024 abgeschaltet - damit ist das Sammelgebiet mit definierter Laufzeit von 1981 bis 2024 geschlossen

Ein geschlossenes Sammelgebiet ist für Einsteiger ideal, weil der Rahmen klar und vollständig dokumentiert ist. Ich komme auf diesen Punkt im Abschnitt „Das Ende der ATM-Ära in Deutschland" ausführlicher zurück.

Die Gerätetypen, Papier-Chronologie und Raritäten finden Sie auf dieser Seite kompakt zusammengefasst - von der Definition bis zum Sammelwert.

Automatenmarke auf Posthorn-Vordruck aus einem deutschen Briefmarkenautomaten der 1980er-Jahre

Die folgenden Abschnitte gliedern sich von der Definition über die Geräte-Chronologie bis zu Raritäten - jeweils mit praktischen Erkennungsmerkmalen für den Nachlass-Kontext.

Was ist eine Automatenmarke? Die Definition

Das Prinzip klingt simpel, hat aber philatelistische Konsequenzen, die viele Sammler zunächst unterschätzen: Eine ATM ist kein fertig gedrucktes Postwertzeichen, sondern ein Blankovordruck mit variablem Wertaufdruck, der erst beim Kauf am Automaten entsteht.

Das technische Grundprinzip

Der gummierte oder selbstklebende Blankovordruck liegt auf einer Rolle im Automaten. Per Tastatur oder Hebel wählen Sie den gewünschten Portowert, und der Automat druckt genau diesen Wert elektronisch auf den Vordruck - laut Wikipedia das technische Kernprinzip aller Automaten-Postwertzeichen. Jede ATM ist damit ein Unikat in der gewählten Wertstufe, das kein Druckerei-Produktions-Datum trägt.

Amtliche Bezeichnung „Automaten-Postwertzeichen"

Die Deutsche Bundespost wählte die Bezeichnung „Automaten-Postwertzeichen" (APWz) als amtlichen Begriff. Im Sammlerkreis hat sich die Kurzform ATM durchgesetzt, die aus dem englischen Muster abgeleitet wurde. Beides bezeichnet dasselbe offizielle Postwertzeichen, das rechtlich einer klassischen Briefmarke gleichgestellt ist.

Frankaturgültig ohne Zeitlimit

Automatenmarken sind im gesamten Bundesgebiet frankaturgültig und haben - anders als viele Sammler vermuten - keine zeitliche Verfallsgrenze, sofern kein Währungswechsel stattfindet. Beim DM-Euro-Übergang 2002 wurden DM-ATM ungültig, wie Dohren-Briefmarken in ihrer ATM-Einführung erläutert. Im Postversand müssen ATM regulär abgestempelt werden, sonst ist eine Wiederverwendung möglich - das unterscheidet sie vom Freistempel.

Abgrenzung zu Freistempel, klassischer Marke und Internetmarke

Die größte Quelle von Verwirrung - in Nachlässen wie auf Messen - ist die Verwechslung der ATM mit anderen Frankierformen. Der Unterschied liegt in drei konkreten Merkmalen, die sich ohne Lupe erkennen lassen.

Warum Freistempel keine ATM sind

Schalterfreistempel (SFS) enthalten ein aufgedrucktes Datum und sind daher oft tagesaktuell gebunden. Eine ATM hingegen trägt kein Datum im Werteindruck und ist anonym - laut atms.ch das entscheidende Unterscheidungsmerkmal. Im Nachlass ist das die einfachste Prüffrage ohne Lupe: Hat der Wertaufdruck ein Datum? Wenn ja, Freistempel.

Fehlt das Datum, könnte es eine ATM sein - dann lohnt die Prüfung des Vordrucks auf ein gestaltetes Bildmotiv.

Unterschied zur klassischen Briefmarke

Bei klassischen Briefmarken steht der Wert bereits bei der Herstellung in der Druckerei fest. Bei der ATM wird er variabel erst am Automaten eingestellt - der Käufer bestimmt den Portowert. Aus Sammlersicht bedeutet das: Ein kompletter ATM-Satz enthält alle Wertstufen einer Ausgabe, die teils in sehr unterschiedlicher Auflage entstanden sind, je nachdem, wie häufig ein bestimmtes Porto gewählt wurde.

ATM versus Internetmarke und mobile Briefmarke

Internetmarken und die Internetmarke der Deutschen Post werden am Heimdrucker auf normalem Papier ausgedruckt und tragen einen Data-Matrixcode zur einmaligen Nutzung. Die mobile Briefmarke funktioniert ähnlich - digital, einmalig gültig, kein physisches Postpapier. ATM sind demgegenüber offizielle Post-Sicherheitspapiere aus Münzwert-Automaten - klassische Postwertzeichen auf Postpapier, kein heimisch gedrucktes Dokument.

Vergleich: Klassische Briefmarke, Automatenmarke, Freistempel, Internetmarke
MerkmalKlassische BriefmarkeAutomatenmarke (ATM)Freistempel (SFS)Internetmarke
WertFest (ab Druckerei)Variabel (am Automat eingestellt)Variabel (am Schalter)Variabel (online gewählt)
Datum im AufdruckNeinNeinJa (meist tagesgebunden)Ja (einmalige Gültigkeit)
DruckortMarkendruckereiIm PostautomatenPoststellen-GerätHeimdrucker
PapierSicherheitspapier (Druckerei)Post-Sicherheitsvordruck auf RolleEigenes FormularNormales Druckerpapier
GültigkeitsdauerUnbegrenzt (währungsgebunden)Unbegrenzt (währungsgebunden)Oft tagesgebundenEinmalig

Geschichte der Automatenmarke

Die Automatenmarke ist keine deutsche Erfindung - sie kam über Frankreich, die Schweiz, Norwegen und Brasilien nach Deutschland. Die internationale Chronologie erklärt, warum Deutschland erst 1981 einstieg, obwohl das Konzept bereits über zehn Jahre zuvor erprobt worden war.

Der Weltstart 1969 in Montgeron

Im März 1969 stellte die französische Post in einem SUMA-Einkaufszentrum in Montgeron (Essonne) den weltweit ersten Wertzeichendrucker auf, wie Dohren-Briefmarken in seiner ATM-Chronik dokumentiert. Das Gerät lief bis Herbst/November 1970 - kaum anderthalb Jahre. Belege aus dieser Frühphase, besonders portogerechte echt gelaufene Briefe, gelten heute als sehr hochpreisige internationale Raritäten.

Schweiz 1976, Norwegen 1978, Brasilien 1979

Nach dem Montgeron-Prototyp dauerte es sechs Jahre, bis das System in der Schweiz (1976) regelrecht eingeführt wurde. Norwegen folgte 1978, Brasilien 1979 als erstes Überseeland. Alle drei Länder erprobten die Technik, die Deutschland dann 1981 mit einem ausgereifteren System übernahm. Diese frühen Erfahrungen flossen laut Wikipedia in die Konzeption des deutschen Systems ein - Deutschland profitierte von einem Jahrzehnt Vorlauf.

Deutschland 1981 - der Klüssendorf-Start in Darmstadt

Nach einer Testphase des Posttechnischen Zentralamts startete die Deutsche Bundespost den offiziellen Betrieb am 2. Januar 1981 als Ersttag. Der erste tatsächlich funktionierende Automat lief am 5. Januar 1981 in Darmstadt an. Das Gerät stammte vom Hersteller Klüssendorf - und setzte damit einen Standard für die folgende Dekade.

Meilensteine der internationalen ATM-Geschichte
JahrLandEreignisQuelle
März 1969FrankreichErster ATM-Prototyp in Montgeron (SUMA-Einkaufszentrum), Laufzeit bis Herbst/Nov. 1970Dohren-Briefmarken
1976SchweizReguläre Einführung des ATM-Systems durch die Schweizerische PostWikipedia
1978NorwegenStart des ATM-BetriebsWikipedia
1979BrasilienErstes Überseeland mit ATM-BetriebWikipedia
2. Jan. 1981DeutschlandOffizieller Ersttag; erster Automat am 5. Jan. 1981 in Darmstadt (Klüssendorf)Wikipedia
31. Dez. 2024DeutschlandAbschaltung aller deutschen Briefmarkenautomaten; Ende der ATM-ÄraWikipedia

Automaten-Typen und Drucktechniken in Deutschland

Für Sammler ist die Geräte-Chronologie das Herzstück der deutschen ATM-Philatelie, denn verschiedene Automatentypen hinterließen unterscheidbare Druckmerkmale auf den Marken - und einige Kombinationen aus Gerät und Papier sind heute extrem selten.

Klüssendorf-Typendruck (K) mit dünnem DBP

Der Klüssendorf-Automat war ab 1981 das Einstiegsgerät der Deutschen Bundespost. Er arbeitete im Stempel-Druckverfahren und hinterließ einen Wertaufdruck mit „DBP" in dünner Schrift - im Sammler-Jargon „Typ K". Laut postautomation.de verfügten manche Klüssendorf-Automaten auch über eine Wechselgeldfunktion, was den Komfort für Postnutzer erheblich steigerte. Klüssendorf-Marken auf frühem Posthorn-Vordruck gelten für Einsteiger als guter Einstieg ins Sammelgebiet.

Nagler-Typendruck N und Nagler-Nadeldrucker N24

Der Nagler-Typendruck (Typ N) folgte mit fettem „DBP" im Aufdruck - deutlich von Klüssendorf unterscheidbar. Ab den 1990er-Jahren wurde der Nagler-Nadeldrucker N24 zum deutschen Standard und lief in über 5.000 Geräten. Er gab Restgeld in Form weiterer Briefmarken aus - ein praktischer Unterschied zu früheren Modellen. Der Nagler N24 dominierte damit die zweite Hälfte der ATM-Ära.

Die Mettler-Toledo-Ausnahme im Betriebsversuch 1998

Im Jahr 1998 startete die Deutsche Post einen Betriebsversuch namens „PIA 1": Mettler-Toledo-Nadeldrucker kamen in ausgewählten Center-Filialen zum Einsatz - darunter Standorte in Bochum, Köln, Schweinfurt und Trier, wie postautomation.de zum Mettler-Versuch belegt. Der Betriebsversuch war kurz, die Automaten standen nur an sehr wenigen Standorten. Die Auflage aller Mettler-Marken wird auf etwa 150.000 Stück geschätzt, was sie zur seltensten deutschen ATM-Type macht.

Frama, Sielaff und internationale Hersteller

Weltweit prägten weitere Hersteller das ATM-Bild: Frama aus der Schweiz setzte frühe Standards, Sielaff lieferte Geräte für verschiedene europäische Postverwaltungen. Laut atm-stamps.de zählen auch Amiel, Crouzet und IER zu den international aktiven Herstellern. Für den deutschen Markt blieben Klüssendorf, Nagler und als kurze Episode Mettler-Toledo die drei relevanten Gerätetypen.

  • Klüssendorf (Typ K) - Stempeldruckverfahren, dünnes „DBP", ab 1981
  • Nagler Typ N - Typendruck, fettes „DBP", ab ca. 1992
  • Nagler N24 - Nadeldruck, ab 1993 als Hauptstandard in über 5.000 Geräten
  • Mettler-Toledo - Nadeldruck, 1998 im Betriebsversuch PIA 1, sehr kurze Laufzeit
  • International: Frama (Schweiz), Sielaff, Amiel, Crouzet, IER

Vordruck-Papiere der Deutschen Post

Neben dem Gerätetyp bestimmt das verwendete Vordruck-Papier den philatelistischen Wert einer ATM. Deutsche Sammler unterscheiden vier Papier-Phasen - alle mit dokumentierten, klar abgegrenzten Daten und daher gut archivierbar.

Posthorn grün/gelb (1981 bis 1993) - die Klassik-Phase

Das erste Vordruckpapier der Deutschen Bundespost trug das Posthorn-Motiv in grün/gelb. Es wurde ab dem Ersttag am 2. Januar 1981 eingesetzt und blieb bis zum Wechsel auf das Sanssouci-Motiv in Gebrauch. Das Posthorn-Papier war über zwölf Jahre lang der Standard - lange genug, um eine breite Sammelbasis zu bilden. Die Kombination Klüssendorf auf Posthorn-Vordruck gilt heute als das klassische Einstiegsmotiv.

Sanssouci (1993 bis 1999) - und die Mettler-Rarität

Ab 1993 löste das Schloss-Sanssouci-Motiv den Posthorn-Vordruck ab. In diese Papier-Phase fiel auch der kurze Mettler-Betriebsversuch von 1998 - die Kombination Mettler-Nadeldruck auf Sanssouci-Vordruck ist damit die seltenste Typ-Papier-Kombination deutschlandweit, weil sie nur in sehr wenigen Filialen und nur für kurze Zeit existierte.

Neues Posthorn-Papier mit drei Posthörnern (ab 1999)

Nach der Privatisierung zur Deutschen Post AG wurde 1999 ein neues Vordruckpapier eingeführt: Das Posthorn-Motiv kehrte zurück, nun aber mit drei Posthörnern und gelber Umrahmung statt des alten DBP-Aufdrucks. Der „DBP"-Schriftzug entfiel, weil die Deutsche Bundespost nicht mehr existierte. Auf diesem Vordruck liefen die letzten Nagler-Standardausgaben bis zur Abschaltung 2024.

Berliner Charlottenburg-Papier (1987 bis 1991)

West-Berlin erhielt zwischen 1987 und 1991 ein eigenes ATM-Vordruck-Motiv: das Schloss Charlottenburg. Dieses Berliner Sonderpapier ist für Sammler schon deshalb interessant, weil es nur vier Jahre in Gebrauch war und mit der deutschen Wiedervereinigung 1990 politisch und mit der Umstellung 1991 faktisch endete. Aus meiner Sammler-Erfahrung gilt: Charlottenburg-Belege auf Bedarfspost aus den Jahren 1987 bis 1990 sind in gutem Erhaltungszustand selten.

Vordruck-Papiere der deutschen Automatenmarken im Überblick
ZeitraumPapier/MotivGerätetyp(en)Besonderheit
Jan. 1981 - 1993Posthorn grün/gelbKlüssendorf (K), Nagler (N)Klassik-Phase, breite Basis für Einsteiger
1993 - 1999Schloss Sanssouci (MiNr. 2)Nagler N24, kurz MettlerMettler-Sanssouci = seltenste Kombination
ab 1999Neues Posthorn (3 Posthörner, gelbe Umrahmung)Nagler N24Post-Privatisierung, kein „DBP" mehr
1987-1991Schloss Charlottenburg (Berlin)Klüssendorf (K)Nur West-Berlin, Sondermotiv

Sammelwert und Raritäten

Die gute Nachricht für Sammler: Die Preisstruktur im deutschen ATM-Gebiet ist übersichtlich, weil die Kombination aus Papier und Gerätetyp klare Seltenheits-Hierarchien schafft. Aus meiner Sicht liegt der Einstieg in vertretbaren Bereichen - mit einer Ausnahme, die ich gleich nenne.

Die Mettler-Sanssouci als seltenste deutsche ATM

Der Mettler-Toledo-Betriebsversuch 1998 auf Sanssouci-Vordruck ist das Sammelstück mit der niedrigsten Auflage im gesamten deutschen ATM-Spektrum. Die Gesamtauflage aller Mettler-Marken wird laut postautomation.de zum PIA-Versuch auf etwa 150.000 Stück geschätzt - ein Bruchteil der Nagler-Standardproduktion. Ein Mettler-Komplettsatz (MiNr. 2.2.2 TS1, 5 Werte) kostet laut dps-shop.de (Stand 04/2026) im Händlerbereich etwa 49 Euro bei einem Katalogwert von 180 Euro. Das zeigt: realisierte Preise liegen deutlich unter Katalog, auch bei Raritäten.

Nagler-Typendruck N - gut ein Jahr Laufzeit

Der Nagler-Typendruck N (fettes DBP, Typ N ohne N24-Nadeldruck) lief ab April 1992 in rund 120 Automaten und wurde nach etwa einem Jahr vom N24-Nadeldrucker abgelöst. Diese kurze Laufzeit bei vergleichsweise wenigen Geräten macht ihn zu einem attraktiven Spezialgebiet innerhalb der ATM-Philatelie.

Warum Bedarfsbelege postfrische Sätze oft übertreffen

Seitdem die Deutsche Post den letzten Straßen-Automaten abgeschaltet hat, fällt auf Briefmarken-Messen deutlich auf: Das Interesse an diesem nun geschlossenen Sammelgebiet wächst, besonders bei Neueinsteigern. Meine persönliche Einschätzung: Eine saubere, portogerechte Einzelfrankatur einer frühen ATM auf einem unscheinbaren Alltags-Brief zu finden, ist oft ein weit größerer Glücksfall als der Kauf eines postfrischen Komplettsatzes. Portogerecht gelaufene Bedarfsbriefe aus der Frühzeit sind wesentlich seltener als postfrische Marken.

Zählnummern als Spezial-Sammelziel

Auf deutschen Automatenmarken trägt rückseitig jede fünfte Marke eine Zählnummer - beginnend bei 2000 abwärts bis 0005, wie Wikipedia zur deutschen Automatenmarke erläutert. Nummern wie 2000 (erste Marke einer Rolle) oder 0005 (letzte Marke) sind bei Spezialsammlern besonders begehrt und treiben den Preis über den normalen Handelswert. Das eröffnet ein zugängliches Spezialgebiet mit Sammlerpotenzial.

Das Spektrum der deutschen ATM reicht von gängigen Klüssendorf-Sätzen bis zur hochpreisigen Mettler-Rarität - eine Spannbreite, die das Sammelgebiet für unterschiedliche Budgets attraktiv macht.

Automatenmarken auf Sanssouci-Vordruck mit verschiedenen Wertstufen, Deutsche Post 1993-1999

Im Nachlass-Kontext ist die Preisspanne der ATM entscheidend: nicht jede Automatenmarke ist gleichwertig, und das Erkennen der Seltenheit entscheidet darüber, ob ein Fund als Rarität behandelt wird.

Das Ende der ATM-Ära in Deutschland

Dass die Automaten-Postwertzeichen verschwunden sind, ist kein Zufall: Die Deutsche Post traf eine bewusste Entscheidung gegen die Weiterführung, die für Sammler ein klares Signal sendet. Damit ist das deutsche ATM-Sammelgebiet historisch vollständig abgeschlossen.

Abbau der Automaten ab Anfang der 2020er-Jahre

Lange vor dem offiziellen Schlussdatum begann die Deutsche Post, die Briefmarkenautomaten sukzessive aus dem Straßenbild zu entfernen. Der physische Abbau lief bereits Anfang der 2020er-Jahre an - ohne öffentliche Ankündigung und ohne dass ein konkreter Plan kommuniziert wurde. Für Sammler, die damals noch aktiv sammelten, war das ein schleichender Abschied vom Sammelgebiet.

Die Abschaltung zum 31. Dezember 2024

Der Stichtag des Endes war der 31. Dezember 2024. Die Deutsche Post entschied sich gegen ein Software-Update der verbliebenen Automaten für die neue Portostaffel ab dem 1. Januar 2025 - damit wurden alle noch laufenden Geräte funktionsunfähig für das neue Porto. Was bleibt, sind die bereits ausgegebenen ATM, die als normale Briefmarken weiterhin - währungsgebunden - gültig sind. Klar ist: Keine neuen deutschen ATM werden mehr erscheinen.

Poststationen als Nachfolge

Vereinzelt übernehmen seither digitale Poststationen vergleichbare Verkaufsfunktionen. Diese Automaten geben aber keine klassischen Postwertzeichen auf Papier-Vordrucken aus, sondern arbeiten mit anderen Technologien. Der flächendeckende Straßen-Briefmarkenautomat im klassischen Sinne gehört der Vergangenheit an. Als digitale Nachfolger sieht die Post die Internetmarke und die mobile Briefmarke - beides ohne Papier-Vordruck und ohne philatelistische Substanz im klassischen Sinn.

Warum ein Ende das Sammelgebiet aufwertet

Ein geschlossenes Sammelgebiet hat einen klaren Vorteil: Es ist vollständig katalogisierbar. Anfang (2. Januar 1981, Darmstadt), Gerätetypen, Papierphasen und Ende (31. Dezember 2024) stehen fest. Für Einsteiger, die Briefmarken sammeln wollen, ist das ein idealer Einstiegspunkt: Das Sammelziel ist definiert, der Markt ist vorhanden, und die Preise sind - mit Ausnahme weniger Raritäten - zugänglich. Das macht ATM nach meiner Einschätzung attraktiver als viele offene Gebiete.

Automatenmarken im Nachlass richtig erkennen

ATM in Nachlass-Sammlungen werden häufiger übersehen als jede andere Markenkategorie. Ich habe über die Jahre mehrfach Freunde durch Nachlässe begleitet und kenne das Muster: Verwechslung mit Schalterfreistempeln ist der häufigste Fehler.

Typische Verwechslung mit Schalterfreistempeln

Schalterfreistempel (SFS) sehen auf den ersten Blick ähnlich aus wie ATM: beide entstehen maschinell, beide tragen einen Wertaufdruck in Cent oder Euro. Der entscheidende Unterschied: Freistempel haben fast immer ein aufgedrucktes Datum, oft einen Poststempel-ähnlichen Eindruck und keinen gestalteten Blanko-Vordruck. ATM dagegen haben einen eigenen Bildvordruck (Posthorn, Sanssouci, Charlottenburg) und kein Datum neben dem Wert.

Erkennungsmerkmale einer echten ATM

Wenn Sie im Nachlass auf etwas stoßen, das wie eine Frankierung aussieht, prüfen Sie drei Merkmale: Erstens, gibt es einen gestalteten Vordruck mit einem Bildmotiv? Zweitens, fehlt ein Datum im Werteindruck? Drittens, trägt die Rückseite eine aufgedruckte Zählnummer bei jeder fünften Marke? Treffen alle drei zu, handelt es sich sehr wahrscheinlich um eine ATM.

Freistempel haben kein Bildmotiv auf dem Papier-Vordruck - das ist das schnellste Ausschlusskriterium, das Sie ohne Hilfsmittel anwenden können.

Verkaufsweg über spezialisierte Auktionen und Catawiki

Hochwertige ATM-Sätze, seltene Drucktypen wie Mettler oder frühe Bedarfsbelege lassen sich über spezialisierte Briefmarken-Auktionen oder Plattformen wie Catawiki veräußern. Catawiki hat ein eigenes Philatelie-Kategoriensystem, in dem ATM unter deutschen Sammelgebieten gelistet werden können. Bevor Sie einzelne Posten verkaufen, empfehle ich, den Gesamtbestand systematisch zu prüfen - damit Sie keine Rarität unter Wert abgeben.

Fazit: Automatenmarken sind abgeschlossene Postgeschichte

Die Automatenmarke in Deutschland ist ein Sammelgebiet, das philatelistisch alle nötigen Koordinaten hat: Einen klar dokumentierten Anfang am 2. Januar 1981 in Darmstadt, eine übersichtliche Abfolge von Gerätetypen und Papieren, und ein definitives Ende zum 31. Dezember 2024. Das macht ATM zu einem der wenigen wirklich abgeschlossenen deutschen Sammelgebiete.

Für Einsteiger empfehle ich: Mit dem Posthorn-Vordruck auf Klüssendorf-Typ beginnen - günstig, gut verfügbar, historisch eindeutig. Für den Tiefeneinstieg bieten Nagler-N-Phase und Mettler-Betriebsversuch zwei attraktive Spezialbereiche. Bedarfsbelege sind immer wertvoller als postfrische Sätze, wenn Sie die Wahl haben. Haben Sie im Nachlass ATM entdeckt: nicht vor dem Prüfen aussortieren - die Verwechslungsgefahr mit Freistempeln ist real.

Fragen und Antworten

Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Automatenmarken, ihre Geschichte und ihren Sammelwert.

Was ist der Unterschied zwischen einer Automatenmarke und einer normalen Briefmarke?

Bei einer klassischen Briefmarke steht der Wert bereits bei der Druckerei fest; eine Automatenmarke hat einen Blanko-Vordruck mit variablem Wertaufdruck, der erst am Automaten eingestellt wird. Mehr zum Technischen finden Sie im Bereich „Was ist eine Automatenmarke? Die Definition".

Als Postwertzeichen sind beide in vollem Umfang gleichgestellt: frankaturgültig, abzustempeln, unbegrenzt haltbar (außer bei Währungswechseln).

Sind Automatenmarken heute noch gültig?

Euro-ATM aus der Zeit nach der DM-Euro-Umstellung 2002 sind weiterhin als Postwertzeichen gültig - keine Verfallsfrist für Euro-ATM. DM-ATM verloren mit der Währungsumstellung ihre Gültigkeit.

Nach der endgültigen Abschaltung zum 31. Dezember 2024 werden keine neuen ATM mehr ausgegeben - bestehende Euro-ATM bleiben aber gültig. Alle Details dazu im Abschnitt „Das Ende der ATM-Ära in Deutschland".

Warum wurden die Briefmarkenautomaten in Deutschland abgeschafft?

Die Deutsche Post entschied sich gegen ein Software-Update der verbliebenen Automaten für die neue Portostaffel ab dem 1. Januar 2025. Zuvor begann der sukzessive Abbau bereits Anfang der 2020er-Jahre. Als digitale Alternativen flächendeckend verfügbar waren, entfiel der wirtschaftliche Grund für den Automaten-Betrieb. Alle Hintergründe stehen im Abschnitt „Das Ende der ATM-Ära in Deutschland".

Welche Automatenmarke aus Deutschland ist am seltensten?

Die seltenste deutsche ATM-Type ist die Mettler-Toledo-Ausgabe auf Sanssouci-Vordruck aus dem Betriebsversuch 1998. Mettler-Geräte standen nur in sehr wenigen Filialen und nur für kurze Zeit. Die Gesamtauflage aller Mettler-Marken wird auf etwa 150.000 Stück geschätzt. Details dazu finden Sie unter „Sammelwert und Raritäten".

Wie erkenne ich eine echte ATM im Gegensatz zu einem Freistempel?

Drei Merkmale machen den Unterschied: Eine ATM hat ein gestaltetes Bildmotiv auf dem Vordruck (Posthorn, Sanssouci oder Charlottenburg), kein Datum neben dem Wert, und bei jeder fünften Marke eine Zählnummer auf der Rückseite. Ein Freistempel hingegen hat immer ein aufgedrucktes Datum und keinen gestalteten Bildvordruck. Mehr dazu im Bereich „Automatenmarken im Nachlass richtig erkennen".

Wo kann ich alte Automatenmarken aus dem Nachlass verkaufen?

Hochwertige Sätze und seltene Drucktypen lassen sich über spezialisierte Auktionen oder Online-Plattformen vermarkten. Schauen Sie zuerst in den Bereich „Nachlass erkennen" auf dieser Seite, um zu beurteilen, welche Stücke besonders wertvoll sein könnten.

Für Massenware (gängige Nagler-N24-Sätze) ist ein Online-Verkauf oft pragmatischer als ein klassisches Auktionshaus. Alle Details im Abschnitt „Automatenmarken im Nachlass richtig erkennen".

Klaus Weber
Klaus Weber

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.