Das Sammelgebiet Russland reicht vom Doppeladler-Wappen des Zarenreichs ab 1857 über mehr als 6.200 Sowjet-Ausgaben bis zu den jüngeren Marken der Russischen Föderation ab 1992 — drei Epochen, die philatelistisch kaum unterschiedlicher sein könnten.
Auf Catawiki finden Sie laufend kurierte Lose aus allen drei Perioden; besonders Zaren-Klassiker und Raumfahrt-Motive der Sowjetära erzielen dort regelmäßig bemerkenswerte Zuschläge.
Hier zeige ich Ihnen, welche Ausgaben wirklich wertvoll sind, woran Sie Werks-Fälschungen und Reprints erkennen, und mit welchem Budget ein realistischer Einstieg ins Gebiet gelingt.
Auf einen Blick
- Erste Ausgabe 1857 als ungezaehnter Wappen-Klassiker des Zarenreichs, heute je nach Erhaltung 40-90 EUR auf Auktionen
- Sowjetische Massenware der 1970er/80er ist kaum mehr als Tauschwert - realistische Händlerpreise liegen bei wenigen Euro pro Jahrgang
- Spitzenraritäten wie der Lewanewski-Aufdruck von 1935 haben sechsstellige USD-Zuschläge erzielt und gehören zur Weltspitze der Philatelie

Schnellfakten zum Sammelgebiet
Die Übersicht zeigt, wie weit das Gebiet philatelistisch reicht - von der ersten Kaisermarke bis in die Gegenwart.
| Postverwaltung / Staat | Kaiserlich Russische Post / Post der Sowjetunion (UdSSR) / Potschta Rossii (Föderation) - Quelle: Wikipedia: Briefmarken und Postgeschichte von Russland |
|---|---|
| Erstes Ausgabejahr | 1857 (Michel-Nr. 1, 10 Kopeken Wappen) - Quelle: Wikipedia: First stamp of the Russian Empire |
| Letztes Ausgabejahr | laufend (Russische Föderation) |
| Umfang | Zarenreich ca. 140, Sowjetunion ca. 6.200, Föderation 3.000+ Hauptnummern (Michel E16) - Quelle: philatelicly.com, Michel Katalog E16 |
| Bekannteste Ausgabe | 10 Kopeken Wappen (1857) und Weltraum-Sondermarken (Gagarin, Sputnik ab 1957) |
| Hoechster dokumentierter Zuschlag | ca. 700.000 USD (Tiflis-Marke 1857, David Feldman Auktion 2008) - Quelle: findyourstampsvalue.com: Most valuable Russian stamps |
| Typischer Einstiegspreis | wenige EUR für vollständige CTO-Jahrgänge der 1970er/80er |
| Katalog-Referenz | Michel Europa Band E16 (Russland und Sowjetunion), Scott Vol. 5, Zagorsky (Spezialkatalog) |
| Häufige Spezialgebiete | Semstwo-Marken (Landpost), Russische Levante (ROPiT), Bürgerkriegsausgaben 1918-1923 |
Geschichte und Postverwaltung
Die russische Philatelie beginnt mit Zar Alexander II. im Jahr 1857, als er das einheitliche Postwertzeichensystem für das gesamte Riesenreich einführte. Zuvor war das Postwesen stark zersplittert; die erste Marke vom Dezember 1857 - eine ungezaehnte 10-Kopeken-Wappenmarke mit Doppeladler - schloss dieses System zu einer nationalen Institution zusammen.
Was das Gebiet philatelistisch so vielschichtig macht, sind die drei drastischen Staatsumbrüche, die es dokumentiert. Das Zarenreich endete mit der Oktoberrevolution 1917. In der Bürgerkriegsphase bis 1922 entstanden Ausgaben der Weißen und Roten Armee sowie unzählige lokale Aufdrucke, die bis heute ein Minenfeld für Fälschungen sind. Die Sowjetunion formierte sich ab 1923 und gab bis zu ihrem Ende 1991 rund 6.200 Hauptnummern heraus, bevor 1992 die Russische Föderation die Ausgabehoheit übernahm.
Eng verzahnt ist das Gebiet mit Polen und Finnland, die beide zeitweise unter russischer Herrschaft eigene Marken ausgaben. Auch die Nachfolgestaaten Ukraine, die Baltischen Republiken und die Kaukasus-Republiken versahen russische Bestände nach 1991 mit eigenen Aufdrucken - ein eigenes philatelistisches Kapitel, das Sammler von polnischen Briefmarken kennen sollten.
Semstwo-Marken: die Nische für Spezialisten
Die Einführung der Semstwo-Landpost ab 1865 schuf eine hochspezialisierte Sammel-Nische, die nur wenige kennen. Die Semstwo-Verwaltungen - lokale Distriktverwaltungen - gaben eigene Marken heraus, um ländliche Gebiete ans Postnetz anzubinden. Über 3.000 oft sehr seltene lokale Marken sind heute bekannt, wie Wikipedia zum Sammelgebiet Semstwo dokumentiert.
Typische Ausgaben und Markenbilder
Die Ausgaben des Gebiets lassen sich in drei unterschiedliche Stilwelten unterteilen, die auch für Einsteiger beim ersten Blick erkennbar sind.
Zarenreich 1857-1917: Wappenmarken und Klassiker
Die erste Serie von 1857 zeigte den russischen Doppeladler mit gekreuzten Posthörnern auf der 10-Kopeken-Marke. Die Erstauflage war ungezaehnt; ab 1858 kamen gezähnte Varianten. Das Zarenreich hielt diese Wappen-Motivtradition bis zum Ende durch - ein Stil, der das Gebiet von westeuropäischen Ausgaben sofort abhebt.
Sowjetunion 1923-1991: Propaganda und Weltrekorde
Die frühen Sowjetmarken der 1920er und 1930er Jahre gelten als Goldstandard der sowjetischen Philatelie. Serien wie "Arbeiter, Bauer und Rotarmist" spiegeln die Ideologie der frühen UdSSR wider und sind im gutem Zustand gesuchte Sammlerstücke. Ab den späten 1950er Jahren dominierte das Raumfahrtprogramm die Motivwelt: Sputnik 1957, Juri Gagarin, Olympische Spiele - diese thematischen Serien wurden in Millionenauflagen als Kulturgut exportiert und sind deshalb heute Massenware.
Ein Sonderfall sind die Aufdruck-Ausgaben der Bürgerkriegsjahre, entstanden während der Währungsreformen 1918-1923. Diese Marken verbinden historischen Wert mit hohem Fälschungsrisiko - dazu mehr im Abschnitt zur Echtheitsbeurteilung.
Russische Levante und koloniale Nebengebiete
Für Spezialisten interessant sind die Ausgaben der Russischen Post im Ausland, besonders der Russischen Levante (ROPiT) und anderer Auslandspostbehörden. Diese Nebengebiets-Ausgaben erfordern eigene Spezialkataloge. Eng verwandt sind die Gebiete Tschechoslowakei und polnische Postgeschichte unter russischer Herrschaft.
Raritäten und Top-Stücke
Russland gehört zur Weltspitze der Philatelie, wenn es um absolute Spitzenraritäten im Sechsstelligen geht. Hier sind die bekanntesten Stücke des Gebiets.
| Ausgabe | Jahr | Besonderheit | Dokumentierter Zuschlag | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Tiflis-Marke (Tiflis Unica) | 1857 | Erste (lokale) Briefmarke des russischen Reiches, Provinzpost Kaukasus, nur 5 bekannte Exemplare | ca. 700.000 USD (David Feldman Auktion, 2008) | findyourstampsvalue.com |
| Lewanewski-Aufdruck Kopfsteher (mit kleinem "f") | 1935 | Kopfstehender Aufdruck mit kyrillischem Fehler-"f" auf 10 Kopeken, Flugpostausgabe Moskau-San Francisco | 625.000 USD (Cherrystone Auktion, 2008) | findyourstampsvalue.com |
| Sowjetunion Block 1 (Puschkin) ungezaehnt | 1937 | Stark limitierte ungezaehnte Sonderausgabe | 1.500-2.500 EUR (Auktionsschaetzungen laut Michel E16) | philatelicly.com, Michel E16 |
| 10 Kopeken Wappen (Michel Nr. 1, 1857) | 1857 | Erste russische Briefmarke, ungezaehnte Erstauflage | 40-90 EUR gestempelt (Händler/Auktionen) | Wikipedia: First stamp of the Russian Empire |
Stücke wie der Lewanewski-Aufdruck oder die Tiflis-Marke tauchen praktisch nie im Handelssortiment auf - sie wandern von Auktion zu Auktion internationaler Spezialisten. Wer sich für russische Raritäten interessiert, sollte bei Raritan Stamps reinschauen, einem auf Russland spezialisierten Auktionshaus für ungezaehnte Blöcke und Aufdrucke aus dem UdSSR-Bestand.
Für erreichbare Spitzenstücke im vierstelligen Bereich, etwa den Lewanewski-Normalaufdruck, lohnt ein Blick in das Archiv von Stamp Auction Network - dort sind solche Stücke regelmäßig mit dokumentierten Zuschlägen verzeichnet.
Erkennungsmerkmale und Zustand
Bei keinem anderen europäischen Gebiet sind Kenntnisse der Erkennungsmerkmale so kaufpreisrelevant wie bei Russland. Kleinste Unterschiede entscheiden über Wertfaktoren von 10 und mehr.
Wasserzeichen und Papier beim Zarenreich
Bei Marken des Zarenreichs sind Wasserzeichen (Ovale, kyrillische Buchstaben) oft schwer zu erkennen, entscheiden aber maßgeblich über den Katalogwert. Das Verwenden von Waschbenzin ist für Spezialisten Routine. Wer hier spart oder die Prüfung überspringt, kauft im Blindflug.
Zähnung und ungezaehnte Varianten
Viele klassische Sowjet-Ausgaben der 1920er und 1930er existieren offiziell ungezaehnt und gezähnt. Da ungezaehnte Exemplare oft deutlich wertvoller sind, wird Linienzähnung von Fälschern maschinell abgeschnitten. Jede ungezaehnte Variante aus dieser Epoche gehört einer sorgfältigen Prüfung unterzogen, bevor Sie Geld dafür ausgeben.
Überdrucke und Bürgerkriegsausgaben
Die Inflations- und Bürgerkriegsausgaben von 1918 bis 1923 sind das heiszeste Pflaster für Fälschungen. Aufdrucke lokaler Komitees oder Armeen - etwa der Wrangell-Armee - werden exzessiv gefälscht. Ich kaufe solche Stücke grundsätzlich nur mit aktuellem Prüfattest, da die Fälschungsrate nach meiner Erfahrung erschreckend hoch ist.
CTO-Gefälligkeitsentwertungen
Bei modernen Sowjet-Ausgaben ist die Unterscheidung zwischen echtem Bedarfsstempel und CTO-Entwertung (Cancelled To Order - gedruckte Gefälligkeitsentwertung mit erhaltener Gummierung) zwingend. Echte Bedarfsstempel sind bei vielen Ausgaben tatsächlich seltener und wertvoller als CTO-Stücke.
Echtheitsprüfung
Für das Gebiet Russland und Sowjetunion sind Prüfungen durch den BPP (Bund Philatelistischer Prüfer) oder anerkannte Experten des VP wie Ludger Hovest, sowie internationale AIEP-Prüfer wie Dr. Wolfgang Leupold die erste Wahl. Die offizielle Prüferliste der ARGE Russland/UdSSR ist eine zuverlässige Ausgangsbasis. Bei Bürgerkriegs-Aufdrucken und seltenen ungezaehnten Sowjet-Blöcken ist ein Fotobefund ab 50-100 EUR Einzelwert keine Empfehlung, sondern Pflicht. Wer ohne Attest kauft, spekuliert - das weisz ich aus eigener schmerzhafter Erfahrung.
Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten
Das Gebiet Russland hat eine extrem weite Preisspanne - von wenigen Euro für Massenware bis zu sechsstelligen Zuschlägen für Weltrariten. Die folgende Tabelle gibt eine realistische Orientierung.
| Stück / Serie | Erhaltung | Preisspanne EUR | Beleg-Art |
|---|---|---|---|
| Kompletter Jahrgang UdSSR (z. B. 1981) | gestempelt (CTO) | 2-6 EUR | Händler (Richtwert, Einzelangebote variieren) |
| RSFSR Hungersnot-Ausgaben (1921/22) | gestempelt / postfrisch | 15-45 EUR | Händler / Michel E16 |
| 10 Kopeken Wappen 1857 (Michel Nr. 1) | gestempelt | 40-90 EUR | Auktion / Händler |
| Lewanewski-Normalaufdruck (C68) | postfrisch | 400-600 EUR | Auktion (Stamp Auction Network) |
| Sowjetunion Block 1 (Puschkin) ungezaehnt | postfrisch | 1.500-2.500 EUR | Auktionsschaetzungen Michel E16 |
Eine Komplettsammlung der Sowjetunion mit über 6.000 Marken ist abgesehen von wenigen Spitzenstücken der 1930er für einen vierstelligen Betrag darstellbar. Beim Zarenreich sind die Klassiker in Spitzenqualität hingegen extrem teuer. Wichtig: Katalogwert ist nicht Verkaufspreis - bei Sowjet-Massenware nach 1950 liegt der reale Händlerpreis bei maximal 10-15 % des Michel-Werts. Mehr dazu erkläre ich unter Briefmarken Wert ermitteln.
Als Sammel-Strategie für den Einstieg empfehle ich eine Spezialisierung: entweder die faszinierenden Zarenreich-Klassiker, die frühen Sowjet-Aufdrucke der 1920er, oder thematisch die Raumfahrtserie. Wer versucht, die Lücken der 1970er zu füllen, betreibt aufwändige Archivarbeit ohne nennenswerten Wertzuwachs.
Fazit: Wo kauft man Russland-Briefmarken?
Für typische Sowjet-Jahrgänge und thematische Serien bis in den dreistelligen Euro-Bereich ist Catawiki eine realistische erste Anlaufstelle - dort laufen regelmäßig russische Lose mit Zuschlagsebenen, die eine bessere Marktorientierung geben als statische Katalogwerte. Für geprüfte Spitzenstücke und größere Sammlungsauflösung sind Cherrystone Auctions (New York) und Auktionshaus Christoph Gärtner die spezialisierten Hauser.
Wer auf Katalogsicherheit und Echtheitsgarantie setzt, findet bei seriöser APHV-Händlern geprüfte Ware zu klaren Preisen und direkter Fachberatung.
Wer eine geerbte Russland-Sammlung oder ein UdSSR-Vordruckalbum hat und überlegt zu verkaufen: In der Beratung sehe ich wöchentlich dicke Vordruckalben der 1970er und 1980er Jahre. Erben sind enttäuscht, dass die bunten Raumfahrt-Ausgaben trotz optischer Pracht kaum finanziellen Wert besitzen. Eine sachkundige Schätzung gibt schnell Klarheit - mehr dazu unter Briefmarken schätzen lassen.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zu Russland-Briefmarken, Wert und Erkennungsmerkmalen.
Sind alte Briefmarken aus der Sowjetunion wertvoll?
Die meisten Ausgaben ab den 1960er Jahren sind Massenware mit sehr geringem Marktwert - vollständige Jahrgänge der 1970er/80er wechseln für wenige Euro den Besitzer. Echte Ausnahmen bilden frühe Ausgaben der 1920er/30er, ungezaehnte Varianten und seltene Blöcke. Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt „Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten".
Was sind Semstwo-Briefmarken?
Semstwo-Marken sind Ausgaben der russischen Landpost, die ab 1865 die ländliche Fläche des Zarenreichs abdeckte. Das Sammelgebiet umfasst über 3.000 seltene lokale Marken aus hunderten Distrikten und gilt als hochspezialisierte Nische mit eigenen Katalogen. Alle Basisinfos finden Sie im Bereich „Geschichte und Postverwaltung".
Wie erkenne ich wertvolle Russland-Klassiker?
Maßgeblich sind Wasserzeichen, Papierdicke und Zähnung - bei ungezaehnten Varianten der Nachweis echter Ungezaehntheit. Da Fälschungen von Aufdrucken aus dem Bürgerkrieg häufig sind, ist ein Prüfattest für Stücke ab 50-100 EUR unverzichtbar. Schauen Sie dazu in den Abschnitt „Erkennungsmerkmale und Zustand".
Wo kaufe ich am besten russische Briefmarken?
Für mittlere Preisniveaus und geprüfte Thematik ist Catawiki ein sinnvoller Einstieg. Für geprüfte internationale Spitzenstücke sind Cherrystone Auctions (New York) und Auktionshaus Christoph Gärtner die ersten Adressen. Mehr dazu finden Sie im Bereich „Fazit: Wo kauft man Russland-Briefmarken?".
Was war die erste russische Briefmarke?
Die erste russische Briefmarke war die 10-Kopeken-Wappenmarke mit Doppeladler, erschienen im Dezember 1857. Sie war anfangs ungezaehnt und trug das kaiserliche Wappen. Alle Details stehen im Abschnitt „Typische Ausgaben und Markenbilder".
Was ist der Unterschied zwischen CTO und echtem Stempel?
CTO (Cancelled To Order) sind maschinell gedruckte Gefälligkeitsentwertungen auf Marken mit erhaltener Gummierung - speziell für den Sammlermarkt produziert, kein echter Postlauf. Bedarfsstempel entstehen bei echtem Postgebrauch und sind bei vielen Sowjet-Ausgaben tatsächlich seltener. Schauen Sie dazu in den Abschnitt „Erkennungsmerkmale und Zustand".
Welche Spezialgebiete gibt es innerhalb von Russland?
Besonders gesucht sind Semstwo-Marken (Landpost), die Russische Levante (ROPiT) und die Bürgerkriegsausgaben 1918-1923. Thematisch sind Raumfahrt-Motive und Olympia-Ausgaben beliebt. Alle Spezialgebiete finden Sie im Bereich „Typische Ausgaben und Markenbilder".

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.