Eine Portomarke klebt nicht der Absender auf den Brief, sondern die Post auf das bereits verschickte Stück. Sie dokumentiert eine Nachgebühr, die der Empfänger bei Zustellung für unzureichend frankierte Sendungen begleichen musste. Das überrascht viele beim ersten Hören: Es gibt also Briefmarken, die rückwirkend Geld einfordern statt voraus zu bezahlen.
Deutschland hat auf Reichs- und Bundesebene nie eigene Portomarken verausgabt - mit den Ausnahmen Baden (1862-1871) und Bayern ab 1849. Österreich hingegen unterhielt eine durchgehende Portomarken-Serie bis 2002.
In diesem Eintrag erkläre ich, wie Portomarken entstanden, was den Begriff von „Franco" unterscheidet und warum die altdeutschen Ausgaben philatelistisch gesucht sind - von Bayern 1849 bis zu den Besatzungszonen-Vorläufern der frühen Nachkriegszeit.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- Portomarke ist eine Briefmarke speziell zur Verrechnung von Nachgebühren - der Empfänger zahlt bei Zustellung einer unzureichend frankierten Sendung, auch Nachgebührenmarke oder Nachportomarke genannt.
- Erste deutsche Portomarken Bayern 1849; Reichsebene und Bundesrepublik verzichteten auf eigene Serien; heute ersetzt durch gelben Rückversand-Aufkleber und Einziehungsentgelt (70 ct Standard-, 2 € Großbrief).
- Philatelistisch eigenständiger Katalogteil im Michel mit Vorsatz „P" - Sammlernischen bei altdeutschen Bayern- und Baden-Portomarken sowie Besatzungszonen-Vorläufern auf echtem Beleg.
Schon auf regionalen Tauschtagen fällt mir auf: Portomarken-Sammler suchen selten bunte Motive, sondern begeistern sich für die formalistische, fast nüchterne Ästhetik des Verwaltungsakts. Das Sammelgebiet ist überschaubar, aber dafür präzise - jeder Brief mit Portomarke erzählt eine konkrete Geschichte von fehlendem Porto und nachträglichem Einzug an der Haustür.

Die folgende Übersicht führt Sie von der Definition über die historische Begriffslogik bis zu den Sammelwerten moderner und altdeutscher Portomarken.
Was ist eine Portomarke? Die Definition
Die philatelistische Standarddefinition ist eindeutig: Eine Portomarke ist eine Briefmarke speziell für Gebühren, die der Empfänger der Postsendung entrichten muss - Nachporto oder Nachgebühr. So steht es im Wiktionary-Eintrag zur Portomarke, der sich auf Wolfram Grallert und Waldemar Gruschke, „Lexikon der Philatelie", 5. Auflage, Transpress Berlin 1971, beruft. Beide Begriffe - Nachgebührenmarke und Nachportomarke - sind im philatelistischen Sprachgebrauch gängig und beschreiben exakt dieselbe Markengattung mit verschiedenen Synonymen.
Briefmarke für die Verrechnung der Empfänger-Nachgebühr
Der Kern liegt in der Zahlungsrichtung: Bei einer gewöhnlichen Freimarke bezahlt der Absender vor dem Einwurf in den Briefkasten. Bei einer Portomarke hat er das nicht getan - oder zu wenig - und die Post klebt die Portomarke nachträglich auf die Sendung, um den ausstehenden Fehlbetrag zu dokumentieren. Der Empfänger löst die Schuld an der Haustür ein. Die Marke belegt den Einzugs-Vorgang bei Zustellung und schützt die Post vor Verlust.
Wer klebt sie auf - die Post, nicht der Absender
Das ist die häufigste Verwechslung, die mir in der Nachlass-Beratung begegnet: Viele Erben halten Briefe mit großen Stempelzahlen für Zensurpost oder seltene Sonderstücke. Tatsächlich handelt es sich meist schlicht um ein paar Pfennige Nachporto. Die Portomarke wurde laut BDPh-Forum-Diskussion „Unterschied Portomarken - Briefmarken" vom Postbeamten auf die Sendung geklebt, nie vom Absender selbst. Der Fehlbetrag wird dadurch amtlich dokumentiert und zur Einziehung freigegeben.
Franco und Porto - die historische Begriffslogik
Die Begriffe „Portomarke" und „Briefmarke" wirken heute wie Synonyme, haben aber historisch entgegengesetzte Bedeutungen. Sobald Sie diese Unterscheidung kennen, sehen Sie die gesamte frühe Postgeschichte mit anderen Augen als zuvor.
Vor der Briefmarkenzeit - Portobriefe und Francobriefe
In der Zeit vor den ersten Briefmarken gab es zwei Typen von Postsendungen: „Portobriefe" wurden vom Empfänger bezahlt, „Francobriefe" im Voraus vom Absender. Das Wort „franco" bedeutete damals „frei von Gebühren für den Empfänger", wie die Wikipedia-Fachseite „Nachgebühr" sauber darstellt. Wenn Sie heute einen Brief „franko" nennen, verwenden Sie eine 200 Jahre alte Postsprache, ohne es zu merken.
Warum Briefmarken auch Francomarken hießen
Als die ersten Briefmarken eingeführt wurden, deckten sie den vorausbezahlten Teil ab - sie waren buchstäblich das Zeichen dafür, dass die Sendung „franco" war. Entsprechend wurden sie im frühen philatelistischen Sprachgebrauch häufig „Francomarken" genannt. Die Portomarke übernahm spiegelbildlich die Funktion, den Teil zu verrechnen, den das Franco nicht abdeckte.
Porto, Strafporto und Nachentgelt - die Synonyme im Wandel
„Porto" bezeichnete historisch schlicht den Betrag, den der Empfänger noch schuldete. In den 1930er Jahren nannte Deutschland die Nachgebühr offiziell „Strafporto" - ein Begriff, der die moralische Komponente der versäumten Frankierung betonte. Heute spricht die Deutsche Post AG von „Nachentgelt", zusammengesetzt aus dem fehlenden Porto plus einem Einziehungsentgelt als Bearbeitungsgebühr.
Portomarke und Dienstmarke - die Abgrenzung
In Glossar-Einträgen zur Postgeschichte begegnen Ihnen beide Begriffe regelmäßig nebeneinander. Dabei sind Portomarke und Dienstmarke Gegenstücke in der Frankierungs-Richtung, nicht Varianten desselben Prinzips. Die folgende Tabelle macht den Unterschied auf einen Blick sichtbar.
Gegenrichtung der Frankatur - Zahler und Richtung im Vergleich
| Merkmal | Portomarke | Dienstmarke |
|---|---|---|
| Wer zahlt? | Empfänger (nachträglich) | Absender-Behörde (vorab) |
| Wann aufgeklebt? | Durch Post nach Eingang der Sendung | Durch Absender vor Versand |
| Verwendung | Unfrankierte oder unterfrankierte Sendungen | Behördlicher Dienstpost-Verkehr |
| Absendertyp | Beliebig (Private, Firmen) | Staatliche/behördliche Stellen |
| Michel-Katalogteil | Vorsatz „P" | Eigener Dienst-Abschnitt |
Beide Markentypen stehen im Michel-Katalog jeweils in eigenen Abteilungen, weil sie funktional klar verschiedene Zwecke erfüllen: Porto beschreibt den Empfänger-Einzug, Dienst die Behörden-Frankatur.
Charakteristika einer Portomarke
Anders als Gedenkmarken oder Dauerserien, die häufig als kleine Kunstwerke gestaltet sind, folgen Portomarken einem eigenen ästhetischen Prinzip. Es ist das Prinzip der Verwaltung im Miniaturformat: keine Landschaften, keine Porträts, keine Symbole des Landes - nur Wertziffer und Zweck.
Der Porto-Aufdruck als Erkennungsmerkmal
Das häufigste optische Erkennungszeichen ist eine dominierende Wertziffer mit dem Aufdruck „Porto" oder „Nachporto". Das Design ist bewusst funktional gehalten: Die Marke soll auf einen Blick mitteilen, wie viel der Empfänger schuldet. Österreich pflegte diese sachliche Ästhetik in seiner durchgehenden Serie von 1894 bis 2002 besonders konsequent.
Internationale Varianten - Postage Due, Taxe und Tax-Stempel T
Die englischsprachige Welt kennt den Begriff „Postage Due" - sowohl die USA als auch Großbritannien hatten damit lange eigene Serien. In manchen Ländern ersetzte ein aufgestempelter Tax-Stempel „T" die eigentliche Portomarke: Belgien verwendete etwa eine reguläre Freimarke auf der Sendung und stempelte das „T" als Zeichen für die fällige Nachgebühr. Beides dokumentiert denselben Vorgang, mit verschiedenen technischen Mitteln.
Eigener Michel-Katalogteil mit Vorsatz P
Im Michel-Katalog sind Portomarken konsequent von Freimarken getrennt. Der Vorsatz „P" vor der Katalognummer zeigt sofort, dass es sich um eine Portomarke handelt - so laufen zum Beispiel die österreichischen Portomarken unter Michel P1 bis P267. Ohne dieses Wissen riskieren Sie beim Durchsuchen eines Konvoluts, Freimarken und Portomarken verwechseln zu lassen. Händler wie Goldhahn Briefmarkenversand führen die Michel-P-Nummern konsequent in ihren Portomarken-Kategorien.
Geschichte der Portomarke
Die Geschichte der deutschen Portomarken ist kurz, weil das Deutsche Reich und später die Bundesrepublik nie eigene Serien herausgaben. Interessanter ist, was in den altdeutschen Ländern mit eigener Posthoheit geschah - und warum Bayern in dieser Frage Pionier auf deutschem Boden war.
Bayern 1849 - die ersten deutschen Portomarken
Auf Erlass von König Maximilian II. Joseph wurden 1849 in Bayern die ersten deutschen Portomarken eingeführt. Das belegt der Wiktionary-Eintrag zur Portomarke mit Verweis auf die Deutsche Post-Publikation „Druckverfahren deutscher Briefmarken" (2011). Bayern nahm damit eine Sonderstellung ein: Während andere Länder die Nachgebühr mit Stift und Stempel regelten, hatte Bayern eine amtliche Marke dafür.
Baden 1862-1871 und Bayern 1862-1910
Beide Länder setzten ihre eigene Portomarken-Tradition fort, solange sie noch Posthoheit hatten. Baden verausgabte Landpost-Portomarken von 1862 bis 1871, Bayern führte seine Ausgaben bis 1910 fort, bevor die Reichspost übernahm. Auf echt gelaufenem Beleg sind diese altdeutschen Portomarken für Spezialisten philatelistisch besonders attraktiv, weil jede Sendung einen konkreten lokalen Alltagsvorgang belegt.
Der deutsche Sonderweg - Blaustift statt Portomarke
Das Deutsche Reich verzichtete nach seiner Gründung vollständig auf eigene Portomarken. Stattdessen kennzeichnete der Postbote unterfrankierte Sendungen mit einem blauen Kopierstift - einem einfachen, aber amtlich anerkannten Vermerk. Dieser Sonderweg ist laut Wikipedia-Artikel „Briefmarke" so klar belegt, dass er in der philatelistischen Literatur als „der deutsche Sonderweg" geführt wird.
Besatzungszonen-Portomarken 1946 und die frühe Nachkriegszeit
Eine häufige Fehlannahme beim Sammeln: Die Bundesrepublik (ab 1949) verausgabte keine bundeseigenen Portomarken. Was Sammler unter dem Begriff „BRD-Portomarken" suchen, sind in der Regel Ausgaben der Alliierten Besatzungszonen - besonders der Französischen Zone - aus der Zeit unmittelbar nach Kriegsende 1945/1946. Das ist eine wichtige Korrektur für den Ankauf: „BRD-Portomarken" als Label ist ungenau und führt zu Verwechslungen mit Besatzungszonen-Material.
Moderne Abschaffung seit 2012
Spätestens seit 2012 gilt in Deutschland der Regel-Rückversand: Unterfrankierte Briefe gehen mit einem gelben Aufkleber zurück an den Absender. Die Post erhebt das Nachentgelt aus fehlendem Porto plus dem Einziehungsentgelt. Damit ist die Portomarke als physisches Objekt in Deutschland vollständig aus dem Postbetrieb verschwunden.
| Jahr/Zeitraum | Gebiet | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1849 | Bayern | Erste deutsche Portomarken auf Erlass König Maximilians II. Joseph |
| 1862-1871 | Baden | Landpost-Portomarken; Baden gibt Posthoheit 1871 ab |
| 1862-1910 | Bayern | Fortsetzung der Portomarken-Ausgaben bis zur Übernahme durch Reichspost |
| Ab Reichsgründung 1871 | Deutsches Reich | Kein eigenes Portomarken-Gebiet; Nachgebühr durch blauen Kopierstift |
| Ab 1946 | Alliierte Besatzungszonen | Besatzungszonen-Portomarken (v. a. Französische Zone); keine Bundes-Ausgaben ab 1949 |
| Ab 2012 | Deutschland | Regel-Rückversand; Einziehungsentgelt ersetzt Portomarken vollständig |
Diese Chronologie zeigt, dass Deutschland im internationalen Vergleich einen Sonderweg ohne eigene Reichs-Portomarken gegangen ist - während Österreich, Großbritannien und die USA über Jahrzehnte eigene Serien pflegten.
Portomarken international
Außerhalb Deutschlands war die Portomarke als eigenständige Markenform weit verbreitet. Einige Länder pflegten jahrzehntelange Traditionen, andere ersetzten sie durch Stempel oder stellten sie früh ein. Der Blick ins Ausland zeigt, wie verschieden die postalischen Lösungen für dasselbe Problem ausfielen.
Österreich - durchgehende Serie von 1894 bis 2002
Österreich gab ab 1894 kontinuierlich eigene Portomarken aus und behielt diese Tradition bis zur Euro-Einführung im Jahr 2002 bei. Die Nummerierung reichte bis Michel P267, die ästhetische Linie blieb konsequent sachlich-typografisch. Für Sammler bietet Österreich damit ein vollständiges Sammelgebiet mit klar definierten Anfangs- und Endpunkten.
Großbritannien und USA - Postage Due mit langer Tradition
Sowohl Großbritannien als auch die USA hatten eigene „Postage Due"-Serien, die jahrzehntelang in Verwendung waren. In Großbritannien wurden sie inzwischen vollständig eingestellt und durch Labels ersetzt. In den USA waren die Postage-Due-Serien lange ein eigenständiges Sammelgebiet mit erheblicher Vielfalt an Ausgaben, Papieren und Zähnungen. Heute ist auch dort die physische Portomarke weitgehend Geschichte.
Belgien, Polen und weitere Länder mit aktueller Praxis
Belgien löste die Portomarken-Frage anders: Statt einer eigenen Marke wurde ein Tax-Stempel „T" auf die Freimarke der Sendung gestempelt. Polen hingegen setzte Portomarken noch bis in jüngere Zeit ein, mit einer Mechanik aus Fehlbetrag plus Strafzuschlag. Länder wie Kenia und Tansania verwenden Portomarken noch in der Gegenwart. Die internationale Praxis zeigt: Es gibt keine einheitliche Lösung für Nachgebühren.
Portomarken sammeln - Alltag im Kleinformat
Für mich sind Portomarken-Belege eines der faszinierendsten Felder im Gebiet Altdeutschland und Nachkriegspost. Ein Brief mit Portomarke hält einen ganz konkreten Alltagsmoment fest: Irgendwer hatte zu wenig Porto aufgeklebt, irgendwer hat an der Wohnungstür noch einmal gezahlt. Das Besondere ist, dass der Beleg diese Geschichte erzählt - mit Absender, Empfänger, Datum und aufgeklebter Quittung für das fehlende Porto.
Warum Portomarken-Belege Alltagsgeschichte sind
Das Sammeln nach Portomarken-Belegen zielt selten auf Prunkstücke. Der Wert liegt in der postalischen Geschichte, die jedes Stück trägt: Ein Brief aus Paris 1874 mit dem Stempel „Unzureichend frankiert" oder ein innerdeutscher Brief aus dem Ruhrgebiet der 1950er mit Blaustift-Taxvermerk erzählen vom Moment, in dem Post auf Geld traf. Sammler, die sich für diese dokumentarische Qualität des Beleges begeistern, sind in der Nische zu Hause.
Kern-Sammelgebiet Deutsches Reich und altdeutsche Vorläufer
Für Spezialisten des Sammelgebiets Deutsches Reich sind die altdeutschen Portomarken aus Bayern und Baden die gesuchten Stücke. Auf echt gelaufenem Beleg erzielen Bayern-Portomarken in Auktionen gute Zuschläge. Besonders gefragt ist die frühe Bayern-Portomarke Kat.-Nr. Po 1. Entscheidend ist dabei immer die Erhaltung des Beleges - die Geschichte des Briefes macht den Wert, nicht allein die Marke.
Hamburg-Portomarken - ein wichtiger Irrtum
Beim Sammeln altdeutscher Nischen taucht der Begriff „Hamburg-Portomarken" gelegentlich auf. Das ist philatelistisch ungenau: Hamburg hatte keine amtlichen Portomarken. Die Nachgebühr wurde dort über handschriftliche Tax-Vermerke und Stempel geregelt. Im Hamburg-Bereich sammeln Sie entsprechend Belege mit diesen Tax-Vermerken - aber keine amtliche Portomarke aus Hamburg.
Vollständigkeit vor Höchstpreis - die Sammlerlogik
Die meisten Portomarken-Sammler verfolgen das Ziel, ein Gebiet vollständig abzudecken - alle Michel-P-Nummern eines Landes, alle Serien eines Ausgabezeitraums, alle Wertstufen eines Satzes. Diese Vollständigkeits-Logik ist weit verbreiteter als die Jagd auf Einzelraritäten. Aus meiner Erfahrung auf Tauschtagen: Ein kompletter Satz österreichischer Portomarken findet leichter Abnehmer als Einzelstücke ohne Reihenkontext.
Nachgebühr heute - die moderne Mechanik
Die heutige Praxis der Deutschen Post hat mit Portomarken nichts mehr zu tun - aber das zugrunde liegende Problem, die unterfrankierte Sendung, ist dasselbe wie 1849. Bei unzureichendem Porto erleben Sie heute einen anderen, aber verwandten Mechanismus der Nachgebühr.
Seit 2012 - Regel-Rückversand an den Absender
Seit 2012 gilt in Deutschland der Grundsatz: Unterfrankierte Sendungen gehen mit einem gelben Aufkleber zurück an den Absender, statt beim Empfänger eingefordert zu werden. Das ist eine grundlegende Umkehr der alten Praxis, bei der der Postbote den Empfänger um die Nachgebühr bat. Heute trägt der Absender die Konsequenz seiner fehlenden Frankierung.
Einziehungsentgelt der Deutschen Post
Wenn eine Sendung dennoch beim Empfänger ankommen soll, erhebt die Deutsche Post laut Wikipedia-Fachseite „Nachgebühr" das Nachentgelt: 70 ct für Standard- und Kompaktbriefe, 2 Euro für Groß- und Maxibriefe. Bei absichtlich gefälschten Postwertzeichen werden 50 Euro Vertragsstrafe fällig. Das Nachentgelt setzt sich zusammen aus dem fehlenden Porto plus der Einziehungsgebühr als Bearbeitungskosten.
Blauer Kopierstift und gelber Aufkleber - die Kennzeichnungslogik
Früher markierte der Postbote die fällige Gebühr mit einem blauen Kopierstift direkt auf dem Umschlag - eine Kennzeichnung, die heute für Sammler als Echtheitsmerkmal auf historischen Belegen gilt. Heute klebt ein gelber Label-Aufkleber auf der Sendung. Für die Philatelie der Zukunft werden diese gelben Aufkleber sammlerwürdig sein - Alltagsgeschichte im Kleinformat, wie immer.
Verwandter Versandmechanismus
Wenn Sie die Mechanik der Nachgebühr im modernen Paket- und Briefversand vertiefen möchten, finden Sie im Bereich Nachnahme einen verwandten Mechanismus bei Zustellung: Auch dort geht es um Geld, das bei Zustellung eingezogen wird - aber diesmal bewusst vereinbart, nicht als Folge fehlender Frankierung.
Was sind Portomarken wert?
Der Marktwert von Portomarken hängt stark vom Gebiet, der Erhaltung und - bei Belegen - von der postalischen Geschichte des jeweiligen Stücks ab. Pauschale Aussagen sind kaum möglich, weil die Spanne vom nahezu wertlosen Neuausgaben-Satz bis zum dreistelligen Auktionszuschlag bei Altdeutschland reicht.
Altdeutsche Bayern- und Baden-Portomarken - gute Zuschläge möglich
Die altdeutschen Portomarken von Bayern und Baden sind auf echt gelaufenem Beleg philatelistisch gesucht. Einwandfreie Erhaltung und ein vollständiger historischer Frachtbeleg oder Postbeleg erhöhen den Wert erheblich. Ein Auktionsergebnis gibt die Richtung vor: Bayern-Portomarke Kat.-Nr. Po 1 erzielte zuletzt rund 120 Euro Zuschlag. Das ist kein Rekordwert, aber zeigt, dass altdeutsche Portomarken in Auktionen ankommen.
Besatzungszonen-Material - günstige Einstiegsnische
Die Besatzungszonen-Portomarken (besonders Französische Zone, ab 1946) sind postfrisch als Sätze zu kaufen, ohne dass der Einstiegspreis prohibitiv hoch wäre. Die Nische ist überschaubar und für Sammler mit Schwerpunkt Nachkriegspost ein interessantes Ergänzungsgebiet. Das Material ist relativ leicht als kompletter Satz zu vervollständigen, selten sind hingegen Einzelstücke mit besonderer postgeschichtlicher Verwendung auf Beleg.
Österreich-Portomarken - breite Preisspanne
Die österreichische Portomarken-Serie ist wegen ihrer Länge (1894-2002, Michel P1-P267) ein eigenes, in sich geschlossenes Sammelgebiet. Die Preisspanne ist breit: Neuausgaben der späten Serien kosten beim Fachhändler rund 1,25 Euro für Sätze wie P260-P267. Historisch gesuchte Frühserien wie MiNr. P45-P46 postfrisch erreichen laut Goldhahn-Preisliste bis zu 599 Euro. Die Preisspanne zwischen früh und spät ist enorm - für jeden Budgetrahmen etwas.
Bewertung geerbter Bestände
Wenn Sie geerbte Bestände mit Portomarken-Material bewerten lassen wollen, empfehle ich den ersten Schritt über eine strukturierte Wertermittlung. Im Abschnitt „Wert der Sammlung ermitteln" finden Sie, welche Kriterien bei der Einschätzung zählen und welche Anlaufstellen für altdeutsches und Besatzungszonen-Material geeignet sind. Besonders bei Portomarken auf Beleg gilt: Der Briefumschlag trägt den Wert, nicht allein die aufgeklebte Marke.
Fazit: Portomarken sind Alltagsgeschichte im Miniaturformat
Eine Portomarke ist das stille Protokoll eines kleinen Versagens: Irgendwer hatte zu wenig Porto aufgeklebt, und die Post hat den Rest einkassiert. Von Bayerns Pionier-Portomarke 1849 bis zu den altdeutschen Baden-Ausgaben 1862-1871 erzählt die Gattung eine kompakte Geschichte der Postfinanzierung vor der Reichsgründung.
Das Deutsche Reich und die Bundesrepublik verzichteten auf eigene Serien - mit Stift und Stempel war der Zweck billiger zu erfüllen. Seit 2012 ist auch die letzte Spur des alten Portomarken-Prinzips in Deutschland durch Rückversand und Einziehungsentgelt ersetzt. Philatelistisch bleibt das Gebiet lebendig: altdeutsche Bayern- und Baden-Portomarken auf echtem Beleg sowie Österreich als geschlossenes Sammelgebiet von 1894 bis 2002. Jede nachgezahlte Sendung ist ein Moment, der sonst spurlos verschwunden wäre.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Portomarken - von der Definition bis zur Sammelpraxis.
Was ist eine Portomarke?
Eine Portomarke ist eine Briefmarke speziell für Gebühren, die der Empfänger einer Postsendung entrichten muss. Sie wird nicht vom Absender aufgeklebt, sondern von der Post nachträglich auf unfrankierte oder unzureichend frankierte Sendungen, um den Fehlbetrag bei Zustellung einzuziehen. Gängige Synonyme sind Nachgebührenmarke und Nachportomarke.
Alle Details stehen im Abschnitt zur Definition weiter oben auf dieser Seite: „Was ist eine Portomarke? Die Definition".
Was ist der Unterschied zwischen Portomarke und Dienstmarke?
Der Unterschied liegt in der Zahlungsrichtung: Bei der Portomarke zahlt der Empfänger nachträglich die Nachgebühr; bei der Dienstmarke frankiert die Absender-Behörde die Sendung vorab. Beide haben eigene Michel-Katalogteile, sind aber funktional entgegengesetzte Konzepte. Mehr dazu finden Sie im Bereich „Portomarke und Dienstmarke - die Abgrenzung".
Wann wurden in Deutschland die ersten Portomarken ausgegeben?
Die ersten deutschen Portomarken wurden 1849 in Bayern auf Erlass König Maximilians II. Joseph eingeführt. Baden folgte mit eigenen Landpost-Portomarken von 1862 bis 1871. Das Deutsche Reich verausgabte nach seiner Gründung keine eigenen Portomarken mehr.
Schauen Sie dazu in den Abschnitt zur Geschichte: „Geschichte der Portomarke".
Gab es in der Bundesrepublik eigene Portomarken?
Nein. Die Bundesrepublik (ab 1949) verausgabte keine bundeseigenen Portomarken. Was Sammler mitunter als „BRD-Portomarken" bezeichnen, sind Ausgaben der Alliierten Besatzungszonen von 1946. Diese Besatzungszonen-Ausgaben sind klar zu trennen von bundeseigenen Marken, die es nie gab.
Den Hintergrund dazu liefert der Geschichts-Abschnitt weiter oben: „Geschichte der Portomarke".
Warum gibt es heute keine Portomarken mehr bei der Deutschen Post?
Seit 2012 gilt in Deutschland der Regel-Rückversand: Unterfrankierte Sendungen gehen mit einem gelben Aufkleber zurück an den Absender. Die Nachgebühr wird als Nachentgelt aus fehlendem Porto plus Einziehungsentgelt erhoben - 70 ct für Standardbriefe, 2 Euro für Großbriefe. Die Portomarke als physisches Objekt ist damit aus dem deutschen Postbetrieb praktisch nicht mehr vorhanden.
Den Nachgebühr-Mechanismus der Gegenwart erkläre ich ausführlicher im Abschnitt „Nachgebühr heute - die moderne Mechanik".
Sind Portomarken heute noch etwas wert?
Das hängt vom Gebiet und der Erhaltung ab. Altdeutsche Bayern-Portomarken auf echtem Beleg erzielen in Auktionen gute Zuschläge auf Beleg - ein Beispiel sind rund 120 Euro für Bayern Po 1 (2022/2023).
Späte Neuausgaben hingegen sind für wenige Euro zu haben. Österreichische Frühserien wie MiNr. P45-P46 postfrisch kosten beim Fachhändler bis zu 599 Euro.
Alle Werthinweise finden Sie im Abschnitt zu Sammelwerten: „Was sind Portomarken wert?".

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.