Das Markenheftchen ist die Alltagsform der Briefmarke: ein kleines Heft mit mehreren Marken in gängigen Werten, das man sich ins Portemonnaie steckt und beim nächsten Brief aus der Tasche zieht. In Deutschland werden Markenheftchen seit dem 1. November 1910 herausgegeben, heute bei der Deutschen Post als Markenset und Maxiset vertrieben.
Für Sammler ist das Thema vielschichtiger, als der Name vermuten lässt. Auf dieser Seite erkläre ich Ihnen, wie ein Markenheftchen aufgebaut ist, welche Typen es gibt, was die Michel-Notation MH + Nummer bedeutet und warum komplette postfrische Exemplare klassischer Serien heute eine echte Rarität geworden sind.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- Ein Markenheftchen (Abkürzung MH) ist eine Verkaufsform von Briefmarken im Heft-Format - mehrere Marken zwischen zwei Kartondeckeln, früher mit Stahlklammer, heute meist als selbstklebendes Markenset oder Maxiset mit 10 oder 20 Marken
- Das erste deutsche Markenheftchen erschien am 1. November 1910; das erste Bundespost-MH folgte am 30. Oktober 1951 mit der Posthorn-Serie, Auflage 750.000 Stück, Verkaufspreis 2,50 DM (Michel-Nummer MH 1)
- Komplette, postfrische Markenheftchen klassischer Serien sind Sammler-Raritäten, weil die meisten Exemplare durch Öffnen und Markenentnahme Erhaltungsspuren haben; der Arbeitskreis Markenheftchen (akmh) im BDPh ist die fachliche Anlaufstelle
Der Aufbau und die Typen-Geschichte des Markenheftchens sind enger miteinander verknüpft, als es auf den ersten Blick scheint. Im Folgenden gehe ich Schritt für Schritt vor, von der Definition über den Aufbau bis zur modernen Folienblatt-Ära.
Bevor ich auf Geschichte und Typen eingehe, lohnt sich ein Blick auf das Wesentliche: Was ist ein Markenheftchen eigentlich, und warum gibt es diese Verkaufsform überhaupt? Das ist der erste Schritt zum Verständnis aller weiteren Abschnitte.

Die folgende Definition zeigt, dass der Begriff Markenheftchen in der Philatelie eindeutig besetzt ist - er meint eine Verkaufsform, kein Motiv und keine bestimmte Serie.
Was ist ein Markenheftchen?
Der Begriff Markenheftchen ist in der Philatelie eindeutig definiert - er meint eine spezielle Verkaufsform, kein bestimmtes Motiv und keine bestimmte Serie. Das klingt trivial, wird aber regelmäßig verwechselt, etwa mit Kleinbogen oder Blocks, die äußerlich ähnlich aussehen.
Definition und Abkürzung MH
Ein Markenheftchen (amtlich früher Freimarkenheftchen, Postwertzeichen-Heftchen oder Postfreimarken-Heftchen) ist eine amtliche Verkaufsform von Briefmarken am Postschalter und früher auch am Briefmarkenautomaten. Es enthält mehrere Briefmarken in gängigen Werten - in der Bundesrepublik und West-Berlin häufig 8 bis 10 Marken, die historische Spanne reicht von 4 bis 30 Marken - zu einem runden Gesamtpreis. Im Michel-Katalog wird das Markenheftchen mit der Abkürzung MH geführt.
Früher waren 1 oder 2 DM typische Verkaufspreise; heute entspricht der Preis meist dem Zehnfachen des Standardbrief-Portos. Diese Preislogik galt vom ersten Bundespost-MH an und ist bis heute Grundprinzip geblieben.
Warum es Markenheftchen überhaupt gibt
Der praktische Vorteil für Postkunden lag im einfachen Vorratskauf häufig benötigter Marken in einer geschützten Einheit. Für den Automateneinsatz gab es einen entscheidenden technischen Vorteil gegenüber der Konkurrenz: Markenheftchen klebten auch bei hoher Luftfeuchtigkeit nicht aneinander, was bei Rollenmarken trotz spezieller Gummierung nie vollständig ausgeschlossen war. Das war der Hauptgrund, warum die Bundespost ab 1960 auf Automaten-MH umstellte.
Aufbau - Deckel, Heftchenblätter, Klammer oder Klebung
Der Aufbau des Markenheftchens hat sich in drei Etappen verändert: mit Stahlklammer, mit Klebebindung und schließlich aus Chromolux-Karton ohne Verleimung. Jede Bauform hinterlässt typische Spuren, die Sammler bei der Zustandsbewertung beachten müssen.
Klassisches Postschalter-MH bis 1960
Das Postschalter-MH im Langformat besteht aus zwei Kartondeckeln auf Vorder- und Rückseite, die mit den dazwischen liegenden Heftchenblättern und teilweise Reklame-Zwischenblättern mit einer Stahlklammer linksseitig zusammengeheftet sind. Die rechte Seite bleibt offen, damit Sie die Heftchenblätter aufklappen und einzelne Marken an der Perforation abtrennen können. Diese Klammerbauweise ist für Sammler interessant, weil die Klammer als Erhaltungsmerkmal erhalten sein muss.
Heftchenblätter - die Blöcke aus Markenheftchenbogen
Als Heftchenblätter bezeichnet man die Briefmarkenblöcke, die aus speziell für diesen Zweck produzierten Markenheftchenbogen herausgeschnitten werden. Teilweise werden verschiedene Werte nebeneinander zusammenhängend gedruckt - das eröffnet das Sammelgebiet der Zusammendrucke. Der Briefmarkenbogen für Heftchen ist ein eigener Bogentyp neben dem klassischen Schalterbogen, beide unterscheiden sich in Aufbau und Zähnung. Für Einsteiger ist diese Unterscheidung wichtig bei der Zustandsprüfung: das fertige Heft ist das Markenheftchen, der Ausgangsbogen der Markenheftchenbogen.
Automaten-MH und Chromolux-MH ab 1960 bzw. 1974
Ab 1960 entfiel die Stahlklammer: Automaten-MH wurden stattdessen mit lumbeckartiger Klebebindung auf der linken Seite ausgeliefert, der Kartondeckel war beidseitig geschlossen. Die Öffnung erfolgte an einer Perforation im Deckelfalz - wer den Klebefalz statt der Perforation aufschloss, erhielt den sammlerisch besser bewerteten Zustand.
Ab 1974 kamen Chromolux-MH aus gestrichenem, farbigem Karton ohne Verleimung; die Heftchenblätter wurden im Rollendruck statt im Bogendruck hergestellt. Das hatte eine gut erkennbare Konsequenz: Marken aus Chromolux-MH haben einen ungezähnten Ober- und Unterrand, der sie sofort als MH-Herkunft ausweist.
Geschichte - 1910 in Deutschland
Markenheftchen sind keine moderne Erscheinung. Sie gehören seit Anfang des 20. Jahrhunderts zum festen Repertoire vieler Postverwaltungen weltweit - das erste deutsche Exemplar ist über ein Jahrhundert alt.
Das erste deutsche Markenheftchen 1910
Das erste deutsche Markenheftchen wurde am 1. November 1910 von der Reichspostverwaltung herausgegeben. Es enthielt drei Heftchenblätter mit insgesamt 28 Marken: 12 Freimarken zu 10 Pfennig und 16 Freimarken zu 5 Pfennig. Die Bayerische Postverwaltung folgte 1911 mit ihrer ersten eigenen Ausgabe. Bis zum Ende des Deutschen Reichs erschienen 48 weitere Dauer- und Sondermarkenheftchen.
Nachkriegsausgaben und Bundespost ab 1951
Im Mai 1947 erschien das erste Nachkriegsheftchen als Ausgabe der Alliierten Besetzung mit der Dauerserie Ziffern. Das erste Markenheftchen der Deutschen Bundespost kam dann am 30. Oktober 1951 in einer Auflage von 750.000 Stück zu einem Verkaufspreis von 2,50 DM heraus. Es enthielt Marken der Posthorn-Serie und trägt im Michel-Katalog laut Wikipedia die Nummer MH 1. Weitere Heftchen der Heuss-Serie folgten 1955, 1956, 1958 und 1960 als Abschluss der frühen Bundespost-MH-Ära.
Typen - von Postschalter bis Folienblatt
Im Laufe der Jahrzehnte haben sich fünf Grundtypen von Markenheftchen herausgebildet, mit dem Folienblatt als jüngstem Nachfolger. Diese Typen-Chronologie erklärt den Aufbau und die Besonderheiten jedes einzelnen MH, das Ihnen in einer Sammlung begegnet.
| Typ | Zeitraum | Merkmal |
|---|---|---|
| Postschalter-MH | bis 1960 | Langformat, Stahlklammer, zwei Kartondeckel, Reklame-Zwischenblätter möglich |
| Automaten-MH | ab 1960 | Langformat bis 1967, dann Kleinformat ab 1968, Klebebindung, Perforation zum Öffnen |
| Automaten-Chromolux-MH | ab 1974 | Chromolux-Karton, Rollendruck, ungezähnter Ober-/Unterrand der Marken |
| Sondermarken-MH | Olympia 1972 einmalig, wieder ab 1990er | Sondermarken statt Dauermarken, ab 2000 selbstklebend |
| Selbstklebendes MH | ab 2000 (Vorläufer 1991) | Wellenförmig gestanzte Marken, Trägerpapier |
| Folienblatt | ab 2008 | Einzelnes ungefaltetes Blatt, keine klassische Heftchenform, MH-Nummerierung bleibt |
Die Tabelle zeigt: jeder Typ bringt eigene Erkennungsmerkmale mit sich. Ein MH aus der Chromolux-Ära sieht ganz anders aus als ein früher Klammer-Heft und lässt sich am ungezähnten Markenrand identifizieren.
Postschalter- und Automaten-MH
Postschalter-MH wurden bis 1960 ausschließlich über den Schalter verkauft. Ab 1960 kamen Automaten-MH hinzu, zunächst versuchsweise in Darmstadt, ab 1961 dann flächendeckend mit Dauerserien wie Bedeutende Deutsche und Brandenburger Tor. Bis 1967 waren Automaten-MH im Langformat üblich (ca. 12 x 5 cm), ab 1968 dominierten Kleinformat-Heftchen mit 6 x 5 cm - ein Format, das bis in die Chromolux-Ära bestimmend blieb.
Chromolux-MH - das 70er-und-80er-Standardheft
Ab 1974 erschienen Kleinformat-Heftchen aus Chromolux-Karton. Das veränderte drei Dinge: der Karton wurde gestrichen und farbig, die Heftchenblätter wurden im Rollendruck hergestellt, und die Befestigung erfolgte durch Befeuchtung der Gummierung. Die Serien Unfallverhütung, Burgen und Schlösser sowie Sehenswürdigkeiten prägten diese Ära bis in die 1990er-Jahre. Für Einsteiger ist der ungezähnte Markenrand das Erkennungsmerkmal: wer eine Marke mit fehlendem Zähnungsstreifen oben und unten aus einem Lot bekommt, schaut zuerst nach Chromolux-MH-Herkunft.
Sondermarken-MH, Selbstklebend und Folienblatt
Bis Mitte der 1990er dominierten Dauerserien-Heftchen. Das einmalige Olympia-Heftchen von 1972 war eine Ausnahme. Ab den 1990ern setzten Sondermarken-MH ein - zuerst mit normalen Bogenmarken, später mit speziellen selbstklebenden Ausgaben. Selbstklebende MH mit wellenförmig gestanzten Marken erschienen ab 2000 (ein Vorläufer mit geradliniger Stanzung kam 1991).
Seit 2008 verdrängt das Folienblatt die klassische Heftchenform - strenggenommen kein MH, aber in der Michel-Nummerierung weiter als solches geführt. Sammler, die sich auf das klassische Gebiet konzentrieren, setzen deshalb einen inhaltlichen Schlusspunkt beim Dauerserien-Charakter der frühen 2000er.
Michel-Notation - MH + Nummer
Im Michel-Katalog haben Markenheftchen eine eigene Nummernreihe mit klarer Logik, die Sammler bei Auktionen und im Händlerverkehr täglich nutzen. Diese Notation ist einheitlich und eindeutig - wer sie versteht, liest Auktionskataloge mit anderen Augen.
Die Grundnotation
Markenheftchen der Bundesrepublik werden im Michel-Katalog mit „MH" plus laufender Nummer gelistet, beginnend bei MH 1. Das erste Bundespost-Heftchen ist MH 1 (Posthorn-Serie, 30. Oktober 1951). Ab 2000 laufen die Nummern fast durchgehend weiter, Folienblätter und selbstklebende Heftchen werden in die Nummernfolge eingebunden.
Berlin-MH haben eigene Nummernreihen; DDR-Heftchen laufen separat. Wer in einem Auktionskatalog „MH 1 postfrisch" liest, weiß sofort: Bundespost-Erstheft, Posthorn-Motiv, 1951 - die Nummer trägt alle Grundinformationen.
Zusatzbuchstaben und Ziffernzusätze
Deckel- oder Heftchenvarianten desselben MH bekommen Kleinbuchstaben: MH 8x und MH 8y stehen für dieselbe Ausgabe mit unterschiedlichen Deckeldrucken. Teilauflagen mit veränderten Druckmerkmalen erhalten römische Zusatzziffern (MH 22I, MH 22II). Der Arbeitskreis Markenheftchen und die Michel-Redaktion pflegen diese Notation gemeinsam: der akmh unterhält Fachkontakte zur MICHEL-Redaktion und bringt Plattenfehler-Funde systematisch ein. Quelle: Wikipedia, Briefmarkenheftchen der Bundesrepublik Deutschland.
Wert und Spezialitäten
Komplette postfrische Markenheftchen sind ein eigenständiges Sammelgebiet mit klar definiertem Wert-Hebel: Erhaltungsgrad und Spezialitäten bestimmen den Preis, und beides hängt direkt am Zustand des Deckels.
Warum komplette MH wertvoller sind als Einzelmarken
Ein komplettes, ungeöffnetes Markenheftchen mit intakter Klammer oder Klebung und unversehrten Deckeln erreicht einen Aufschlag gegenüber der Summe der enthaltenen Einzelmarken. Das Problem ist die Erhaltungsquote: in einwandfreier Luxus-Qualität sind diese Markenheftchen heute kaum noch beschaffbar, da die Erhaltung durch häufiges Öffnen gelitten hat. Bei der Nachlass-Prüfung gehe ich bei Markenheftchen zuerst an den Deckel - ist die Klammer noch drin, sind die Deckelecken scharfkantig und Perforation ungeöffnet.
Ist der Deckel in Komplett-Qualität, hat das Heft einen klaren Mehrwert über die Summe der Einzelmarken. Ein geöffneter Deckel mindert den Wert sofort um ein ordentliches Stück nach unten.
MH-Spezialitäten und Plattenfehler
Der Arbeitskreis Markenheftchen im BDPh unterhält ein eigenes PLF-Team, das Abweichungen systematisch erfasst. Zu den wichtigen Varianten zählen Randleistenvarianten, Randzudrucke wie Zählnummern und Deckelvarianten nach Farbton, Kartondicke oder Durchstichweite im Deckelfalz. Besonders gesucht sind Zählbalken-MH und Versuchsjustier-MH: Ab Mitte der 1970er wurde jedes fünfzigste MH mit einem roten Zählbalken auf dem Außendeckel versehen, um den Restbestand im Automaten einfacher zu zählen.
Versuchsjustier-MH haben türkisfarbene oder farblose Leerfelder, Maschinenprobe-MH unbedruckte Leerfelder. Diese Spezialitäten treiben den Wert deutlich über den Katalogpreis des Basistyps hinaus.
Marktpreis-Anker
Einzelne postfrische Bundespost-MH klassischer Serien liegen im Versandhandel typisch im zwei- bis dreistelligen Euro-Bereich. Für das Berlin MH 1 (Berliner Bauten, 1949) werden im Versandhandel aktuell 249 EUR für Berlin MH 1 aufgerufen (Stand 2026). Komplettsammlungen haben ihren eigenen Markt: die Borek-Kollektion aus Berlin, DDR und Bundesrepublik in geprüfter Luxus-Qualität wird für 1.354,97 EUR angeboten (Stand 2026).
Wer eine belastbare Werteinschätzung für ein einzelnes MH braucht, sollte den Wert der Sammlung professionell einschätzen lassen - vor allem bei Deckelvarianten und Plattenfehlern, wo die Preisschere weit auseinandergeht.
Markenheftchen als Sammelgebiet
Das Sammelgebiet Markenheftchen hat eigene Strukturen - eine eigene Arbeitsgemeinschaft im BDPh, eine eigene Zeitschrift, eine Nummernfolge, die überschaubar ist und die man komplett aufstellen kann.
Der Arbeitskreis Markenheftchen (akmh)
Der Arbeitskreis Markenheftchen e.V. (akmh) ist eine Arbeitsgemeinschaft im Bund Deutscher Philatelisten (BDPh) mit nahezu 250 Mitgliedern aus Deutschland und dem übrigen Europa. Der akmh unterhält Kontakte zur Bundesdruckerei, zum zuständigen Verbandsprüfer und zur MICHEL-Redaktion. Er bietet seinen Mitgliedern eine eigene Zeitschrift (INFO) und einen Neuheitendienst für deutsche Markenheftchen und Folienblätter. Wer sich ernsthaft mit Markenheftchen beschäftigen will, findet beim akmh die Fachgrundlage für Plattenfehler-Forschung und Literatur-Ausleihe.
Zusätzlich bietet der akmh Fernanbietungen und Fernausleihe der gängigen MH-Literatur sowie eine jährliche Mitgliederversammlung - ein Angebot, das für Einsteiger wie für erfahrene Heftchen-Sammler gleichermaßen relevant ist.
Warum Markenheftchen ein Einsteiger-Gebiet sind
Markenheftchen sind die Alltagsform der Briefmarke. Ein Posthornheft aus 1951 war kein Sammelobjekt - es war eine Einkaufsform für das Portemonnaie. Aus meiner Sicht macht gerade das die Heftchen heute zum attraktiven Sammelgebiet: Ein Heft ist abgeschlossen, es hat eine Nummer, man fängt bei MH 1 an und arbeitet sich durch die Bundespost-Ausgaben vor. Das Gebiet ist nicht uferlos wie andere Sammelgebiete: zur Bauten-Serie oder zu den Wohlfahrtsmarken gibt es hunderte Varianten, bei den Markenheftchen ist das Feld fester umrissen.
Die Arbeitsgemeinschaft leistet dabei saubere Arbeit - Literatur-Ausleihe, Plattenfehler-Forschung, eine eigene Zeitschrift. Wer in die Philatelie einsteigen und das Gebiet nicht endlos groß haben möchte, findet beim Thema Briefmarken sammeln mit Markenheftchen ein offenes Tor für Einsteiger.
Lagerung - die richtige Aufbewahrung
Klassische Einsteckalben sind für Markenheftchen ungeeignet, weil die Taschen zu flach sind und die Deckel Druckstellen bekommen. Spezielle MH-Alben mit tieferen Taschen für die Heftchendicke halten Deckel und Klammer in Form. Folienblätter können in etwas flacheren Taschen gelagert werden, brauchen aber weiterhin Licht- und UV-Schutz, damit die selbstklebende Gummierung auf der Rückseite der Marken nicht leidet.

Die Lagerungs-Frage ist kein Randthema: ein falsch gelagertes Heft verliert an Sammelwert, auch wenn es noch ungeöffnet ist. Druck auf den Deckel, Feuchtigkeit in der Tasche und UV-Licht sind die drei häufigsten Schädigungsursachen bei Markenheftchen in Sammlungen.
Moderne Situation - Markenset, Maxiset, Folienblatt
Wer heute in einer deutschen Postfiliale ein Markenheftchen verlangt, bekommt in den meisten Fällen kein klassisches Heft mehr in die Hand - die Post hat den Begriff durch Markenset und Maxiset ersetzt, und die klassische Heftchenform ist Geschichte.
Markenset und Maxiset - neue Namen, neue Form
Die Deutsche Post AG nennt die heutigen Markenheftchen im Postjargon Markenset (10 Marken) oder Maxiset (20 Marken). Inhaltlich sind sie fast immer Sondermarken-Ausgaben in einer einheitlichen Wertstufe mit selbstklebenden, wellenförmig gestanzten Marken. Der runde automatentaugliche Verkaufspreis der früheren Jahrzehnte ist weggefallen - weil die Briefmarkenautomaten der 1960er bis 2000er-Ära nicht mehr bedient werden. Der Preis entspricht heute in der Regel dem Nominalwert der enthaltenen Marken.
Das Folienblatt ersetzt das Heftchen
Seit 2008 sind Folienblätter die dominante Form: ein einzelnes ungefaltetes Blatt mit selbstklebenden Marken, in der Regel in einer Kunststoffhülle. Das Folienblatt hat keine klassische Heftchenform mehr und ist strenggenommen kein Markenheftchen - wird aber im Michel-Katalog in der MH-Nummerierung weiter geführt und im Allgemeinen als solches behandelt. Sammler, die sich auf das klassische Gebiet konzentrieren, setzen deshalb einen inhaltlichen Schlusspunkt bei den Ausgaben bis Anfang der 2000er, wo der Dauerserien-Charakter des Heftchensammelns endet.
Abgrenzung zu verwandten Begriffen
Der Begriff Markenheftchen wird in der Philatelie oft mit drei ähnlichen Strukturen verwechselt - eine klare Abgrenzung hilft, kostspielige Fehlkäufe zu vermeiden und Begriffe sicher einzuordnen.
Markenheftchen vs. Markenheftchenbogen
Das Markenheftchen ist das fertige Produkt im Handel. Der Markenheftchenbogen ist der Druckbogen, aus dem die einzelnen Heftchenblätter herausgeschnitten werden - ein eigener Bogentyp, der anders aufgebaut ist als der klassische Schalterbogen und oft mehrere verschiedene Wertstufen nebeneinander trägt. Die beiden Begriffe sind strikt zu trennen: ein Markenheftchenbogen ist kein Markenheftchen, sondern hat einen eigenständigen Sammelwert als Bogen. Mehr dazu im Abschnitt „Briefmarkenbogen".
Markenheftchen vs. Rollenmarken
Rollenmarken sind einzelne Marken von einer Rolle, eine ältere Automaten-Verkaufsform neben dem MH. Der entscheidende Unterschied: Rollenmarken klebten bei hoher Luftfeuchtigkeit trotz spezieller Gummierung manchmal aneinander, während das Markenheftchen durch seinen Deckelschutz vor Feuchtigkeit vollständig geschützt war. Das war der zentrale Vorteil im Automaten-Einsatz, der das Markenheftchen bis Anfang der 2000er-Jahre zur bevorzugten Automaten-Verkaufsform machte. Mehr dazu im Eintrag „Rollenmarken".
Markenheftchen vs. Block und Kleinbogen
Ein Block ist ein philatelistisches Sondererzeugnis mit einer oder wenigen Marken auf einem gestalteten Träger-Blatt. Ein Kleinbogen ist eine eigene Bogenform mit wenigen Marken. Das Markenheftchen unterscheidet sich von beiden durch seine physische Heft-Form mit Deckel und durch die Stückzahl (historisch 4 bis 30 Marken in einem zusammengebundenen Heft). Ein MH ist immer eine Zusammenstellung von Gebrauchsmarken für den Vorratskauf, kein philatelistisches Sondererzeugnis wie ein Block.
Fazit - das Markenheftchen als Alltagsform und Sammelobjekt
Das Markenheftchen ist die Alltagsform der Briefmarke - ein kleines Heft mit mehreren Marken in gängigen Werten, seit 1. November 1910 in Deutschland herausgegeben. Seine Typen-Chronologie führt vom Postschalter-MH mit Stahlklammer über Automaten-MH und Chromolux-Karton bis zum modernen Markenset, Maxiset und Folienblatt. Wer die Terminologie beherrscht - Heftchenblatt, Markenheftchenbogen, MH-Nummer, Deckelvariante, Zählbalken, Versuchsjustier-MH - versteht ein in sich geschlossenes Teilgebiet der Philatelie.
Der Arbeitskreis Markenheftchen im BDPh ist die fachliche Anlaufstelle, komplette postfrische MH klassischer Serien sind wegen der Erhaltungsproblematik ein wertvolles Sammelobjekt. Für Einsteiger hält das Gebiet einen besonderen Reiz bereit: Es ist überschaubar, gut nummeriert und mit dem akmh fachlich betreut.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um das Markenheftchen.
Was ist ein Markenheftchen?
Ein Markenheftchen (Abkürzung MH) ist eine Verkaufsform von Briefmarken in Heft-Gestalt: mehrere Marken zwischen zwei Kartondeckeln, zu einem runden Gesamtpreis als Vorratskauf. In der Bundesrepublik enthielt es typisch 8 bis 10 Marken, früher mit mehreren Wertstufen, heute meist als selbstklebendes Markenset oder Maxiset einer einzigen Wertstufe. Alle Details stehen im Abschnitt „Was ist ein Markenheftchen?"
Wann gab es das erste deutsche Markenheftchen?
Am 1. November 1910 - herausgegeben von der Reichspostverwaltung mit drei Heftchenblättern aus 12 Freimarken zu 10 Pfennig und 16 Freimarken zu 5 Pfennig. Das erste Markenheftchen der Deutschen Bundespost erschien am 30. Oktober 1951 mit der Posthorn-Serie, Auflage 750.000 Stück, Verkaufspreis 2,50 DM (Michel-Nummer MH 1). Mehr dazu finden Sie im Abschnitt „Geschichte - 1910 in Deutschland"
Was bedeutet die Abkürzung MH im Michel-Katalog?
MH steht für Markenheftchen. Im Michel-Katalog werden Bundespost-Markenheftchen mit MH plus laufender Nummer geführt (MH 1, MH 2 usw.). Deckelvarianten bekommen Kleinbuchstaben (MH 8x, MH 8y), Teilauflagen erhalten römische Ziffernzusätze (MH 22I, MH 22II). Schauen Sie dazu in den Bereich „Michel-Notation - MH + Nummer"
Warum sind komplette postfrische Markenheftchen wertvoll?
Weil die meisten im Umlauf befindlichen Exemplare geöffnet wurden und Marken daraus entnommen sind. Häufiges Öffnen hat bei fast allen MH die Luxus-Qualität beeinträchtigt - ungeöffnete Deckel mit intakter Klammer oder Klebung sind selten. Komplettsammlungen wie die Borek-Kollektion werden deshalb im vierstelligen Euro-Bereich gehandelt. Mehr dazu im Abschnitt „Wert und Spezialitäten"
Was sind Markenset und Maxiset?
Das sind die heutigen Bezeichnungen der Deutschen Post AG für Markenheftchen: Markenset mit 10 Marken, Maxiset mit 20 Marken. Inhaltlich sind beide fast immer selbstklebende Sondermarken in einer Wertstufe. Der früher übliche runde Verkaufspreis ist weggefallen, weil die Briefmarkenautomaten der 1960er bis 2000er-Ära nicht mehr bedient werden. Alle Details unter „Moderne Situation - Markenset, Maxiset, Folienblatt"
Wer hilft beim Sammeln von Markenheftchen?
Der Arbeitskreis Markenheftchen e.V. (akmh), eine Arbeitsgemeinschaft im Bund Deutscher Philatelisten (BDPh) mit nahezu 250 Mitgliedern. Der akmh bietet eine eigene Mitgliederzeitschrift (INFO), einen Neuheitendienst für deutsche MH und Folienblätter, eine Fernausleihe der Fachliteratur und Kontakte zur MICHEL-Redaktion. Mehr im Abschnitt „Markenheftchen als Sammelgebiet"

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.