Vier Briefmarken im Quadrat - das klingt nach einer einfachen Addition, ist aber in der Philatelie eine eigene Kategorie. Ein Viererblock ist die kleinste zusammenhängende Einheit, in der sich die Druckgeschichte einer Marke ablesen lässt: Zähnung, Plattenfehler, Farbabweichungen und am Rand die Kontrolldaten der Druckerei. Wer nur Einzelmarken kennt, sieht bestenfalls die halbe Geschichte.
Dabei gibt es einen Irrtum, der sich hartnäckig hält: Viele halten den Viererblock für dasselbe wie einen Briefmarkenblock oder eine Blockausgabe. Das ist falsch - und der Unterschied hat direkte Konsequenzen für den Wert. Ich erkläre Ihnen hier, was den Viererblock ausmacht, warum er als Kontrolleinheit unverzichtbar ist und was Sie im Nachlass auf keinen Fall tun sollten.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- Vier zusammenhängende, ungetrennte Briefmarken im 2×2-Quadrat, herausgetrennt aus einem normalen Schalterbogen - keine eigene Ausgabeform der Post
- Strikt zu unterscheiden von der Blockausgabe (Briefmarkenblock): Der Viererblock ist ein herausgetrenntes Bogenteil, die Blockausgabe ein eigenständiges Postwertzeichen mit verziertem Rand
- Seltene Viererblocks erzielen ein Vielfaches des Einzelmarken-Werts - der Sachsendreier als Viererblock startete 2022 bei 80.000 Euro Startgebot, ein gestempeltes Exemplar brachte 2021 sogar 180.000 Euro
Der Begriff klingt technisch, aber das Konzept ist greifbar: Ein Viererblock zeigt Ihnen den Druck direkt aus der Presse - mit allen Stärken und Schwächen, die auf der Einzelmarke schlicht unsichtbar bleiben.

Das erklärt auch, warum Altdeutschland-Sammler, die ich auf Briefmarken-Messen treffe, konsequent auf Viererblocks setzen: Wer Druckvarianten und Plattenfehler ernsthaft im Zusammenhang dokumentieren will, kommt an der Block-Form nicht vorbei.
Was ist ein Viererblock?
Die Definition klingt schlicht, hat aber in der philatelistischen Praxis wichtige Konsequenzen. Ein Viererblock ist nach dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache eine ungetrennte Gruppe von vier Briefmarken in der philatelistischen Bedeutung 2b - immer im Quadrat, nie in einer Reihe.
Definition - vier zusammenhängende, ungetrennte Briefmarken
Laut dem Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) bezeichnet „Viererblock" in der Philatelie eine Gruppe von vier zusammenhängenden, ungetrennten Briefmarken. Das Fach-Glossar von Paleophilatelie.eu fasst es knapp zusammen: „group of postage stamps still attached to each other" - das verbindende Merkmal ist gerade das Fehlen jeder Trennung, ob durch Schere, Messer oder Abreißen.
Typische Anordnung - 2x2-Quadrat aus dem Schalterbogen
Der Viererblock entsteht, wenn vier Marken in Blockform aus einem gewöhnlichen Schalterbogen herausgetrennt werden - im Quadrat, zwei Reihen zu je zwei Marken. Das belegt ein Verwendungsnachweis von Kühne (1959) im DWDS: „vier Marken in Blockform, die aus dem Schalterbogen im Quadrat herausgetrennt werden". Die quadratische Anordnung ist also kein Zufall, sondern das definitorische Merkmal.
Plural-Formen
Laut DWDS sind beide Pluralformen grammatikalisch zulässig: „Viererblocks" (die häufigere Form) und „Viererblöcke" (seltener). In der philatelistischen Fachliteratur überwiegt „Viererblocks" als gängige Schreibung, beide sind aber korrekt und werden in der Praxis verwendet.
Abgrenzung Viererblock vs Viererstreifen
Der Viererstreifen besteht ebenfalls aus vier zusammenhängenden Marken, aber in linearer Anordnung - waagerecht oder senkrecht, nicht im Quadrat. Nach dem internationalen Fach-Glossar von Paleophilatelie.eu beginnt ein „Strip" (Streifen) bereits ab drei Marken in einer Reihe; der Viererblock dagegen bildet zwingend ein Viereck, nicht eine Linie. Wer diese Einheiten in einer Sammlung verwechselt, ordnet sie falsch ein.
Mehr zum übergeordneten Format erfahren Sie im Glossar-Eintrag Briefmarkenbogen und zum verwandten Begriff im Eintrag Block (Sammelseite), wo ich die wichtigsten Formate direkt vergleiche.
Viererblock oder Briefmarkenblock? Zwei Begriffe sauber trennen
Kein Irrtum kostet Sammler und Erben häufiger Geld als die Verwechslung dieser beiden Begriffe. Ein Viererblock und ein Briefmarkenblock sind grundverschiedene philatelistische Objekte - obwohl der Name Ähnlichkeit suggeriert.
Briefmarkenblock (Blockausgabe)
Eine Blockausgabe ist eine eigenständige postalische Ausgabeform. Sie erscheint als kleines Blatt mit einer oder mehreren Briefmarken, hat einen meist breiten, bedruckten und verzierten Rand und wird von der Post grundsätzlich nur im Ganzen abgegeben - oft zu einem Preis, der den reinen Frankaturwert übersteigt. Laut Wikipedia Briefmarkenblock ist sie damit konzeptionell etwas völlig anderes als ein herausgetrenntes Bogenteil.
Viererblock
Der Viererblock hat keinen speziell für ihn entworfenen verzierten Zierrand - er stammt aus dem großen Nutzen eines normalen Schalterbogens und hat nur den originalen Bogenrand: entweder gar keinen (bei inneren Feldern) oder den funktionalen Bogenrand mit Druckdaten. Kein Philatelist würde einen zufällig herausgetrennten Viererblock als „Blockausgabe" bezeichnen.
Wo die Begriffe sich überschneiden
Es gibt eine verwirrende Ausnahme: Eine Blockausgabe kann technisch vier Marken im Quadrat enthalten. Block 8 der Deutschen Bundespost Berlin „750 Jahre Berlin" von 1987 ist so ein Fall - vier Marken im Quadrat, aber terminologisch eine Blockausgabe, kein Viererblock. Die Herkunft und das Konzept entscheiden, nicht die äußere Form.
Abgrenzung zum Kleinbogen
Ein Kleinbogen enthält nach dem Michel-Katalog-Kriterium oft bis zu 10 Marken und ist die komplette Ausgabeform - kleiner als der Schalterbogen, aber als vollständige Einheit konzipiert. Der Schalterbogen ist die große Handelseinheit der Post. Der Viererblock ist immer nur ein Fragment aus einem dieser größeren Formate, nie eine eigenständige Ausgabeform.
| Merkmal | Viererblock | Briefmarkenblock | Kleinbogen | Schalterbogen |
|---|---|---|---|---|
| Markenanzahl | immer genau 4 | 1 oder mehr | variabel, oft bis 10 | variabel, meist 10-100 |
| Eigene Ausgabeform | nein (Bogenteil) | ja | ja | ja |
| Verzierter Rand | nein (nur Bogenrand falls am Rand) | ja, konzeptionell | oft Beschriftung, kein Zierrand | Druck- und Kontrolldaten |
| Anordnung | 2×2-Quadrat | beliebig | beliebig | in Reihen und Spalten |
| Quelle | DWDS | Wikipedia Briefmarkenblock | Wikipedia Briefmarkenblock | Wikipedia Briefmarkenbogen |
Mehr zum Kleinbogen erfahren Sie im Glossar-Eintrag Kleinbogen, der die Unterschiede zum Bogenteil noch einmal klar aufschlüsselt.
Warum Viererblocks Sammler interessieren
Der philatelistische Wert des Viererblocks liegt nicht nur im Preis, sondern vor allem in seiner Funktion als Kontrolleinheit für den Druck. Das ist der eigentliche Grund, warum forschende Philatelisten auf Einzelmarken oft verzichten und Blocks bevorzugen.
Kontrolleinheit für Druckvarianten, Plattenfehler und Zähnung
Das internationale Fach-Glossar von Paleophilatelie.eu fasst es präzise: „Blocks preserve relative positions of stamps as they were originally printed, information that is crucial to understanding how the stamps were produced." Ein Viererblock friert den Zustand des Drucks exakt ein - er zeigt die vier Felder so, wie sie aus der Druckmaschine kamen, nicht wie ein Händler sie später sortiert hat.
Farbabweichung, Zähnungs-Abweichung und Passer-Versatz im Verbund
Auf der Einzelmarke sind minimaler Passer-Versatz, ein leicht schiefer Zähnungswinkel oder fließende Farbabweichungen schlicht nicht messbar - sie verschwinden im Schnitt zwischen den Marken. Im Viererblock dagegen werden diese Produktionsmängel im zusammenhängenden Verbund messbar. Aus meiner Erfahrung mit Inflationsausgaben von 1923, wo die Druckqualität extrem schwankte, lässt sich das gut belegen: Eine Einzelmarke zeigt das bloße Motiv, aber erst im Block erkenne ich die wahre Qualität des Drucks.
Plattenfehler als Positions-Information
Die Position eines Plattenfehlers lässt sich auf einem Viererblock oft zweifelsfrei einem bestimmten Druckbogenfeld zuordnen. Das ist die Grundlage jeder ernsthaften Plattenfehler-Forschung: Ohne den räumlichen Zusammenhang der Nachbarmarken lässt sich die Bogenposition eines Fehlers nur schätzen, nie beweisen.
- Farb-Passer zwischen benachbarten Marken sichtbar
- Zähnungswinkel und -breite im Verbund messbar
- Plattennummer-Position im Block bestimmbar
- Randmarkierungen (HAN, Passerkreuz) bei Randblocks erhalten
- Fehldruck-Umgebung - der Kontext eines Fehldrucks im benachbarten Feld dokumentiert
Randviererblock und Eckrand-Viererblock
Ein Randviererblock ist kein Luxus, sondern eine Informationsquelle. Wer versteht, was auf dem Bogenrand steht, erkennt sofort, warum der Rand niemals fehlen darf.
Definition - Viererblock mit anhangendem Bogenrand
Befindet sich der Viererblock am äußeren Rand des Schalterbogens, hängt ihm das unbedruckte oder mit Randleisten versehene Papier an. Ein einfacher Randviererblock hat an einer Seite Bogenrand, ein Eckrand-Viererblock hat an zwei Seiten Bogenränder - er sitzt in einer Ecke des Schalterbogens. Laut Wikipedia Briefmarkenbogen ist dieser Randbereich der Träger wichtiger Druckdaten.
Was auf dem Rand steht
Der Rand enthält Hausauftragsnummern (HAN), Plattennummern, Passerkreuze, Reihenwertzähler und spezifische Bogenrandbeschriftungen. Diese Daten sind für Plattenfehler-Forscher und Druckvariantensammler unverzichtbare philatelistische Metadaten. Die HAN-Nummer zum Beispiel erlaubt die genaue Zuordnung des Druckauftrags; Passerkreuze zeigen die Druckausrichtung. Wer den Rand abreißt, vernichtet diese Informationen unwiederbringlich.
Warum der Eckrand besonders gesucht ist
Ein Eckrand-Viererblock kombiniert die Rand-Informationen gleich zweier Bogenkanten. Das macht ihn seltener und philatelistisch ergiebiger - zwei Kanten, doppelte Bogenrand-Information. Für Spezialsammler des Deutschen Reichs oder der Altdeutschland-Staaten ist ein Eckrand-Viererblock oft ein Traumstück.
Praxis-Hinweis: Randviererblocks niemals trimmen oder zuschneiden
Ich sehe in der Beratung von Erben fast regelmäßig, wie extrem seltene Randviererblöcke mit der Schere „gesäubert" wurden, weil der unbedruckte Bogenrand den Laien optisch gestört hat. Das ist ein völlig unnötiger Fehler, der massive Wertverluste nach sich zieht - der Rand ist kein Abfall, sondern Teil des Sammelobjekts.
Wert eines Viererblocks
Die Wert-Frage beim Viererblock lässt sich nicht mit einer einfachen Formel beantworten - und genau das unterscheidet erfahrene Sammler von Anfängern. Die naive Gleichung „Einzelmarke mal vier" funktioniert praktisch nie - weder nach oben noch nach unten.
Grundregel - die Formel Einzelmarke x 4 greift nicht
Bei massenhaft gesammelten Ausgaben (BRD postfrisch, 1970er und 1980er Jahre) liegt der Viererblock-Wert tatsächlich oft nur leicht über dem vierfachen Einzelmarkenwert - weil Angebot und Nachfrage sich kaum unterscheiden. Bei seltenen klassischen Ausgaben dagegen vervielfacht sich der Wert auf ein Niveau, das vier isolierte Marken niemals erreichen würden, weil ungetrennte Einheiten die Ausnahme sind.
Altdeutschland - Sachsendreier als Beispiel
Der rote Sachsendreier (Königreich Sachsen, 1850, 3 Pfennige) gehört zu den berühmtesten Briefmarken überhaupt. Ein ungestempelter Viererblock aus der Sammlung Erivan Haub startete bei der Köhler-Auktion im März 2022 bei 80.000 Euro Startgebot. Im Vorjahr fiel der Hammer für einen gestempelten Viererblock bereits bei 180.000 Euro - beide Ergebnisse laut dem t-online-Bericht zur Köhler-Auktion März 2022. Das ist kein Ausreißer, sondern der Markt für klassische Einheiten.
Württemberg-Raritäten und andere Altdeutschland-Staaten
Auch bei anderen Altdeutschland-Staaten dominieren solche Einheiten die Auktionssäle. Bei der Fritz-Trost-Auktion 2023 war ein postfrischer Viererblock der 9 Kreuzer karmin (Württemberg) als größte ungebraucht bekannte Einheit ein absolutes Spitzenlos, wie die APHV-Pressemitteilung zur Fritz-Trost-Auktion 2023 dokumentiert. Auf Briefmarken-Messen fällt sofort auf: spezialisierte Altdeutschland-Sammler greifen kompromisslos tief in die Tasche für einen sauber gestempelten Viererblock.
BRD-Frühzeit - Posthorn-Beispiel
Auch jüngere Raritäten erzielen im Block hohe Preise. Ein Oberrand-Viererblock der Dauerserie Posthorn (90 Pfennig) erreichte bei einer Auktion ca. 1.200 Euro inkl. Aufgeld. Das ist ein vielfaches des üblichen Einzelmarkenwerts - bei einem Motiv aus der BRD-Frühzeit, nicht aus Altdeutschland.
| Faktor | Typische Auswirkung | Kurz-Begründung |
|---|---|---|
| Seltenheit als Einheit | Stark werterhöhend | Ungetrennte Einheiten sind die Ausnahme, nicht die Regel |
| Bogenrand (HAN, Plattennummer) | Werterhöhend | Druckdaten erhöhen philatelistischen Informationsgehalt |
| Eckrand (zwei Kanten) | Deutlich werterhöhend | Seltener als einfacher Randviererblock |
| Postfrisch Massenausgabe (BRD 1970er) | Kaum Aufschlag | Massenhaft für Anlagezwecke gesammelt, Angebot hoch |
| Gestempelter Bedarfsbrief-Viererblock | Oft höher als postfrisch | Seltene Verwendungsform, Echtheit nachgewiesen |
| Plattenfehler im Block nachweisbar | Stark werterhöhend | Bogenposition dokumentiert, Fehler nicht isoliert |
Wenn Sie die Sammlung eines Erblassers bewerten, lohnt sich ein genauer Blick auf den Wert der Sammlung - Viererblocks werden dort oft falsch eingeschätzt.
Typische Sammel-Szenarien
Die Welt der Viererblocks ist nicht einheitlich. Zwischen einem Altdeutschland-Viererblock aus dem 19. Jahrhundert und einem postfrischen BRD-Block aus den 1980er Jahren liegen philatelistisch und preislich Welten.
Klassische Viererblocks Deutsches Reich
Bei Ausgaben des Deutschen Reichs (1872-1945) gehören Viererblocks zu den gesuchten Formen. Dauerserien und große Motivreihen sind als ungetrennte Einheit selten in dieser Qualität erhalten, was den Wert gegenüber der Einzelmarke deutlich anhebt. Als Sammler mit dem Schwerpunkt Deutsches Reich empfehle ich, konsequent auf Viererblocks zu setzen, wo das Budget es erlaubt.
Postfrische BRD-Bundeswert-Viererblocks
Während klassische Viererblocks vor 1945 oft exklusive Raritäten sind, wurden in den 1970er und 1980er Jahren massenhaft BRD-Viererblocks für Anlagezwecke gesammelt. Diese schlummern heute in zahllosen Nachlässen - meist als unverkäufliche Massenware mit nur marginalem Aufschlag gegenüber dem vierfachen Einzelmarkenwert. Das ist kein Urteil über die Marken selbst, sondern ein Spiegelbild der Überproduktion dieser Zeit.
Viererblocks auf Bedarfspost
Ein sauber frankierter Brief mit einem vollständigen Viererblock als Frankierung ist eine Seltenheit. Diese Verwendungsform ist deutlich wertvoller als einzelne Einheiten - die Echtheit der Verwendung ist nachgewiesen, und solche Belege finden sich kaum. Wer in Nachlässen sucht, sollte Kuverts mit vier Marken im Quadrat nie achtlos beiseitelegen.
Kehrdruck-, Zusammendruck- und Zwischensteg-Viererblocks
Schalterbögen, in denen Marken kopfstehend zueinander gedruckt sind (Kehrdrucke) oder durch einen Zwischensteg getrennt sind, sind beliebte Spezialsammelgebiete. Diese Kombinationen werden fast immer als Viererblock oder größere Einheit konserviert, weil die Besonderheit erst im Zusammenhang sichtbar wird. Weitere Details finden Sie im Eintrag Block (Sammelseite).
Wenn Sie sich tiefer mit dem Thema Briefmarken sammeln beschäftigen möchten, finden Sie im Bereich Briefmarken sammeln die passenden Grundlagen für eine systematisch aufgebaute Sammlung.
Viererblock als Einsteiger-Einheit der Kontroll-Sammlung
Unter Sammlern gibt es zwei Lager: die Motiv-Sammler, die Einzelmarken nach Thema sortieren, und die forschenden Philatelisten, die Druckgeschichte studieren. Der Viererblock ist die günstigste Brücke zwischen beiden Welten.
Warum Kontrollsammler mit Viererblocks anfangen
Der Viererblock ist die kleinste und vergleichsweise günstige Einheit, in der Druckkontrolle - Zähnung, Farb-Passer, Plattenfehler - an einer Marke im Original-Kontext studiert werden kann, ohne komplette Schalterbögen kaufen zu müssen. Er dient als Einstieg in die forschende Philatelie, ohne dass man sofort zum Spezialisten werden muss.
Schritt für Schritt vom Einzelmarken-Album zur Viererblock-Sammlung
Wer bisher ausschließlich Einzelmarken gesammelt hat, kann schrittweise umstellen: Für häufige Ausgaben mit niedrigem Einzelwert lohnt sich der Umstieg auf Viererblocks finanziell kaum. Bei gesuchten Serien oder Dauerausgaben dagegen ist die ungetrennte Einheit das Ziel - und wer früh damit anfängt, hat später eine Sammlung, die philatelistisch und preislich mehr hergibt.
Klaus-Weber-Perspektive aus der Praxis
Als Sammler von Ganzsachen und Inflationsausgaben von 1923 kenne ich das Problem: Eine Einzelmarke zeigt dir das bloße Motiv, aber erst im zusammenhängenden Viererblock erkennst du die wahre Qualität des Drucks und die Tücken der zeitgenössischen Zähnung. Es ist eine alte Einsicht erfahrener Sammler, dass man Druckgeschichte lesen lernt - und das geht am besten im Block.
Viererblock im Nachlass richtig erkennen
Erben machen bei Viererblocks regelmäßig die gleichen Fehler. Das ist verständlich - ohne philatelistische Vorbildung sieht man einfach vier Briefmarken, die zusammenhängen. Aber genau das ist das Problem.
Die drei häufigsten Fehler von Erben
Der erste Fehler: Viererblocks werden aufgetrennt, um sie leichter ins Album zu legen. Der zweite: der Bogenrand wird abgeschnitten, weil er „unordentlich" aussieht. Der dritte und folgenreichste: Die Einheit wird als „vier einfache Briefmarken" eingeschätzt und entsprechend niedrig bewertet oder gar weggeworfen. Alle drei Fehler sind irreversibel und wertvernichtend - besonders wenn es sich um Altdeutschland oder Deutsches Reich handelt.
Kurze Checkliste vor dem Verkauf
- Vollständigkeit: Sind alle vier Marken vorhanden und ungetrennt?
- Bogenrand: Ist er erhalten? Gibt es Beschriftungen (HAN, Plattennummer)?
- Zentrierung: Sind die Marken gleichmäßig gezähnt, ohne Verschiebung?
- Stempel: Falls gestempelt - sind alle vier Marken gleichmäßig gestempelt oder nur einzelne?
- Zwischenlochung: Keine Perforationslöcher zwischen den vier Marken (das wäre ein getrennter Block)
Wann lohnt der Weg über eine Auktion
Für seltene Altdeutschland- und DR-Viererblocks mit gesuchten Merkmalen (Eckrand, Plattenfehler, bedarfsverwendet) ist der Weg über eine spezialisierte Auktion der richtige. Auf Online-Plattformen erzielen solche Stücke selten den erzielbaren Höchstpreis, weil die Käufergruppe klein und spezialisiert ist - und diese Käufer beobachten die großen Auktionen, nicht generische Online-Marktplätze.
Fazit: Viererblock - die kleinste sinnvolle Einheit einer Briefmarke
Der Viererblock ist mehr als vier Marken nebeneinander. Als ungetrennte Einheit aus dem Schalterbogen bewahrt er philatelistische Informationen, die auf der Einzelmarke unwiederbringlich verloren gehen: Druckposition, Zähnungsqualität, Passer-Verhältnis zwischen benachbarten Feldern. Das macht ihn zur bevorzugten Sammelform forschender Philatelisten.
Die wichtigsten Punkte: Die Formel „Einzelmarke mal vier" greift bei klassischen Ausgaben praktisch nie - seltene Einheiten wie der Sachsendreier-Viererblock erzielen ein Vielfaches des Einzelmarkenwerts. Die Abgrenzung zur Blockausgabe ist nicht semantisch, sondern praktisch: Ein Briefmarkenblock ist eine eigene Postwertzeichen-Ausgabe, der Viererblock ein herausgetrenntes Bogenteil.
Den Bogenrand eines Randviererblocks niemals knicken, trimmen oder trennen - er trägt Druck- und Kontrolldaten, die mit dem Rest der Einheit stehen und fallen. Für Erben gilt: Vier zusammenhängende Marken sind nicht dasselbe wie vier einzelne Marken.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Viererblock - von der Definition bis zur Nachlass-Praxis.
Was ist der Unterschied zwischen einem Viererblock und einem Briefmarkenblock?
Ein Viererblock ist ein herausgetrenntes Bogenteil - vier zusammenhängende Marken im Quadrat aus einem normalen Schalterbogen, ohne speziell entworfenen Zierrand. Ein Briefmarkenblock (Blockausgabe) ist dagegen eine konzeptionell andere Ausgabeform mit einem breiten, verzierten und beschrifteten Rand. Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt „Viererblock oder Briefmarkenblock?".
Ist ein Viererblock mehr wert als vier einzelne Briefmarken?
Bei seltenen klassischen Marken (Altdeutschland, Deutsches Reich) kann der Wert des ungetrennten Blocks ein Vielfaches der Einzelmarken betragen. Bei häufigen postfrischen BRD-Ausgaben aus den 1970ern ist der Aufschlag oft minimal. Alle Details stehen im Abschnitt „Wert eines Viererblocks".
Was ist ein Randviererblock?
Ein Randviererblock sitzt am äußeren Rand des Schalterbogens und hat daher angehängtes Bogenrandpapier an einer oder zwei Seiten (Eckrand). Dieses Randpapier trägt wichtige Druckdaten wie HAN-Nummern und Plattennummern. Schauen Sie dazu in den Bereich „Randviererblock und Eckrand-Viererblock".
Wie unterscheide ich Viererblock und Viererstreifen?
Die Form ist entscheidend: Der Viererblock besteht aus vier Marken im 2×2-Quadrat, der Viererstreifen aus vier Marken in einer linearen Reihe - waagerecht oder senkrecht. Quadrat oder Linie - das ist der Unterschied. Mehr zur Definition finden Sie unter „Was ist ein Viererblock?".
Soll ich einen Viererblock aus einem Nachlass zertrennen?
Niemals - das Zertrennen vernichtet irreversibel philatelistische Informationen, die sich nicht wiederherstellen lassen. Besonders bei Randviererblocks ist das Bogenrandpapier Teil des Werts. Was Sie vor einem Verkauf prüfen sollten, steht im Abschnitt „Viererblock im Nachlass richtig erkennen".

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.