Island gab 1873 seine ersten Briefmarken heraus – damals noch unter dänischer Hoheit, gedruckt in winzigen Auflagen für kaum 70.000 Menschen auf einem abgelegenen Eiland im Nordatlantik.
Bei Catawiki finden Sie Island-Ausgaben aus der Aurar-Periode und der Republik-Ära – Klassiker, deren kleine Auflagen sie zu begehrten Raritäten im nordeuropäischen Markt machen.
In diesem Beitrag zeige ich Ihnen, welche Skilling-Ausgaben und frühen Republik-Marken Auktionspreise in Höhe vierstelliger Euro-Beträge erzielen und worauf Sie beim Kauf achten sollten.
Auf einen Blick
- Island gab ab 1873 eigene Marken aus - erste Ausgaben in Skilding-Währung unter dänischer Krone, ab 1944 Republik.
- Sammler-Ikonen sind die Aufdruck-Provisorien „Þrír" (1897) und „Í GILDI" (1902) sowie die Balbo-Flugpostausgabe „Hopflug Ítala" (1933).
- Für Island gilt der Facit-Katalog als Goldstandard; im deutschsprachigen Raum ist der Michel-Band Nordeuropa die Referenz.

Geschichte und Postverwaltung
Bis 1873 verwendeten isländische Postämter ausschließlich dänische Briefmarken. Erst 1873 erhielt Island eigene Wertzeichen, gedruckt in der Kopenhagener Druckerei H.H. Thiele, mit isländischem Posthorn und Ziffernmotiv in der damaligen Skilding-Währung - analog zur dänischen Postreform dieser Jahre.
Die politische Geschichte Islands spiegelt sich direkt in den Briefmarkenausgaben wider. Ab 1874 genoss Island innere Autonomie im dänischen Königreich; 1918 wurde Island unabhängiges Königreich in Personalunion mit Dänemark. Erst 1944, während der deutschen Besetzung Dänemarks, rief Island die vollständige Republik aus. Jede dieser Zäsuren hatte direkte philatelistische Konsequenzen.
Zwei Währungsreformen schufen Sammel-Abschnitte: Die Einführung der Skandinavischen Münzunion 1876 mit Aurar und Kronen machte neue Marken nötig. Die Ausgabenkrise von 1902 führte zum berühmten Aufdruck „Í GILDI" für ungültige Bestände. Das Gebiet bietet damit direkte historische Bezüge zu Dänemark, aber auch zu Norwegen und Schweden, die im gleichen Zeitraum ähnliche Postgeschichten durchliefen.
Typische Ausgaben und Markenbilder
Die Geschichte der Island-Marken verlief in klar erkennbaren Serien, die jeweils eigene Sammel-Schwerpunkte bilden und im Facit-Katalog detailliert dokumentiert sind.
Erste Serie 1873: Ziffernausgaben in Skilding
Die Erstausgaben zeigen eine Wertziffer im Queroval, bekrönt von der dänischen Königskrone. Echte Stempel aus dieser Frühzeit - besonders aus kleinen Küstenorten - sind extrem selten auf Brief; der Zustand des Stempels ist hier das primäre Wertkriterium. Ungebrauchte Exemplare in einwandfreier Erhaltung kommen fast nur über spezialisierte skandinavische Auktionen auf den Markt.
Königsserie Christian IX. (1902) und Frederik VIII. (1907)
1902 erschien die erste echte Porträtausgabe Islands mit dem zweifarbigen Profil Königs Christian IX. Diese Ausgabe markiert den Beginn der Aurar/Kronur-Porträtmarken. Kurz darauf, 1907, folgte eine Serie mit den Profilen von Christian IX. und seinem Nachfolger Frederik VIII. - bei Sammlern bekannt als „Double Headers" oder Zweiköpfe. Diese Zweiköpfe-Ausgabe gilt als einer der charakteristischsten Emissionen der klassischen Island-Philatelie.
Nationale Motive ab 1911
Mit der Jón-Sigurdsson-Ausgabe 1911, die den isländischen Unabhängigkeitsvorkämpfer zeigt, emanzipierte sich die isländische Postgrafik schrittweise von dänischen Vorbildern. Spätere Sondermarken zeigten den Geysir Gullfoss (1938), das Parlament Althing und Vulkanausbrüche des Hekla - Motivthemen mit internationalem Sammelinteresse auch außerhalb der klassischen Philatelie.
Raritäten und Top-Stücke
Die wirklichen Vermögenswerte der Island-Philatelie finden sich in den klassischen Provisorien und dem Flugpost-Aufdruck von 1933. Bei Island gelten Auflagenzahlen unter 300 nicht als Ausnahme, sondern als Regel für die begehrtesten Stücke.
| Ausgabe | Jahr | Besonderheit | Dokumentierter Zuschlag | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| „Hopflug Ítala" 10 Kr. | 1933 | Balbo-Flugpostaufdruck, nur 298 Einschreibbriefe befördert | 1.500 EUR (2018) | Postiljonen, Island-Katalog |
| „Þrír" Aufdruck 3 auf 5 Aur | 1897 | Provisorischer Aufdruck, kleine vs. große Buchstaben | 600 EUR (2020) | Postiljonen, Island-Katalog |
| „Í GILDI ´02-´03" 40 Aur | 1902 | Dienstmarke mit seltener 11:11 Perforation und Überdruck | ca. 450 EUR | |
| „Í GILDI" 6 Aurar mit kopfstehendem Wasserzeichen | 1902 | Wasserzeichenfehler, Einzelwert mit BPP-Attest | ca. 180 EUR |
In meiner Erfahrung aus der Beratung tauchen angebliche Island-Klassiker ohne Echtheitszertifikat regelmäßig auf - und sind es selten. Gerade „Þrír"-Aufdrucke wurden massiv gefälscht, ebenso die roten Hopflug-Aufdrucke von 1933. Wer im Auktionssaal oder auf einem Marktplatz ein solches Stück ohne Attest kauft, geht ein erhebliches Risiko ein.
Seriöse Angebote dieser Ausgaben finden sich fast ausschließlich über spezialisierte skandinavische Häuser wie Postiljonen in Malmö, dem anerkannten Marktführer für skandinavische Philatelie, oder bei Berliner Häusern mit dokumentierter Attestlage wie Schlegel.
Erkennungsmerkmale und Zustand
Island-Klassiker sind philatelistisch anspruchsvoll. Drei Faktoren bestimmen den Wert bei klassischen Ausgaben besonders stark: Zähnung, Wasserzeichen-Lage und die Echtheit etwaiger Aufdrucke.
Zähnung
Der Facit-Katalog differenziert bei den klassischen Ausgaben streng zwischen Kammzähnung (oft 14:13½) und Linienzähnung (12¾). Bei der „Í GILDI"-Ausgabe kann eine bestimmte Zähnungsvariante ein Vielfaches des Normalwerts erzielen. Ohne Zähllupe und Zählmaß ist eine fundierte Bewertung kaum möglich.
Wasserzeichen-Varianten
Das klassische dänische Kronen-Wasserzeichen kommt bei Island-Ausgaben oft kopfstehend oder seitenverkehrt vor. Solche Wasserzeichenfehler erzeugen gesuchte Abarten, die im Facit eigene Nummern tragen und erheblich teurer gehandelt werden als die Normalvariante.
Aufdruck-Varianten
Da Bogen bei den „Í GILDI"-Aufdrucken lokal überdruckt wurden, entstanden verschobene Aufdrucke und fehlende Buchstaben. Einzelne Í GILDI-Varianten unter 50 Exemplaren sind absolute Raritäten, die nur über Spezialauktionen den Besitzer wechseln. Die Forschungsgemeinschaft Nordische Staaten dokumentiert diese Varianten in ihrem philatelistischen Glossar mit Abbildungen.
Echtheitsprüfung
Wegen der zahllosen Aufdruck-Fälschungen bei „Þrír", „Í GILDI" und Hopflug Ítala ist der Erwerb teurer Island-Ausgaben ab etwa 50 EUR ohne Fotobefund fahrlässig. In Deutschland ist der BPP (Bund Philatelistischer Prüfer) zuständig; im nordeuropäischen Handel sind Facit-Prüfer wie Carl Aage Möller oder Lasse Nielsen die anerkannten Instanzen. Aufdrucke benötigen BPP- oder Facit-Attest - ohne Prüfzeichen sollten Sie im mittleren und oberen Preissegment kein Island-Klassik kaufen.
Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten
Das Preisgefüge bei Island-Briefmarken ist außerordentlich weit gespreizt: Von weniger als einem Euro für gestempelte Standardwerte bis zu vierstelligen Beträgen für attestierte Klassiker ist alles vertreten.
| Stück / Serie | Erhaltung | Preisspanne EUR | Beleg-Art |
|---|---|---|---|
| Standardwerte Republik Island (ab 1944) | gestempelt | 0,50 - 5 EUR | Händler / Marktplatz |
| Dauerserie Christian IX. (1902) | gestempelt | 10 - 40 EUR | Auktion / Händler |
| Frederik VIII. / Christian IX. (Double Header 1907) | gestempelt | 50 - 80 EUR | Auktion (Schätzpreis) |
| „Í GILDI"-Standardwerte (z.B. 6 Aurar) | ungebraucht | 40 - 80 EUR | Auktionshaus Schlegel / Auktion |
| „Þrír" Aufdruck 3/5 (große Lettern) | gestempelt Reykjavik | 100 - 150 EUR | Postiljonen (2017) |
| „Hopflug Ítala" (1, 5, 10 Kr. komplett) | postfrisch | 2.500 - 3.200 EUR | Postiljonen / Facit-Wert |
Eine vollständige Sammlung der Republik Island ab 1944 lässt sich postfrisch oder gestempelt mit einem Budget von wenigen hundert Euro zusammenstellen. Die klassische Epoche vor 1900 ist aufgrund der Seltenheit komplett kaum realisierbar - ein Budget wie bei Altdeutschland wäre nötig, wie ich Einsteigern in Beratungsgesprächen regelmäßig erläutere. Dabei blenden viele aus, dass für die Standardware der 1950er bis 1980er Jahre beim Weiterverkauf selten mehr als 10-20 % des Michel-Werts erzielt werden. Was das für Ihre Sammlung bedeutet, erkläre ich auf der Seite zu Briefmarken-Wertermittlung.
Island eignet sich hervorragend als Spezialsammlung ab 1873 für den fortgeschrittenen Philatelisten oder als Motivsammlung mit Themen wie Geologie, Vulkane und nordische Sagas für Einsteiger. Postfrische Erhaltung dominiert den modernen Markt, während bei Alt-Island schöne zeitgerechte Stempel aus kleinen Küstenorten - die sogenannten Ortsstempel auf Brief - extrem begehrt und oft wertvoller als ungestempelte Marken sind. Das ist ein Merkmal, das Island von vielen anderen Sammelgebieten unterscheidet.
Fazit: Wo Sie Island-Briefmarken kaufen
Für Einsteiger und Sammler der republikanischen Ära reicht der gut sortierte deutsche Online-Handel vollkommen aus - Standardmaterial ist jederzeit verfügbar und günstig. Wer klassisches Material vor 1944 sucht, ist bei spezialisierten skandinavischen Auktionshäusern besser aufgehoben. Postiljonen in Malmö ist dabei der anerkannte Marktführer für dieses Gebiet; auch AB Philea aus Schweden führt regelmäßig nordeuropäisches Material. Für den deutschen Markt bieten Häuser wie Auktionshaus Schlegel in Berlin gelegentlich Island-Klassiker mit dokumentierter Attestlage an.
Wer eine geerbte Island-Sammlung hat und überlegt zu verkaufen: Der reale Marktwert weicht bei klassischem Material oft erheblich vom Michel-Katalogwert ab, während Standardware der Nachkriegszeit weniger einbringt als erwartet. Eine sachkundige Schätzung gibt schnell Klarheit - mehr dazu unter Briefmarken schätzen lassen.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zu Island-Briefmarken als Sammelgebiet.
Welche Island-Briefmarken sind selten?
Besonders wertvoll sind die ersten Ziffernausgaben in Skilding-Währung von 1873 sowie intakte Aufdruck-Provisorien der Ausgaben „Þrír" (1897) und „Í GILDI ´02-´03" (1902). Die begehrteste Ausgabe bleibt die Hopflug Ítala von 1933, bei der nur 298 Einschreibbriefe mit dem Balbo-Flugpostaufdruck befördert wurden. Mehr dazu im Abschnitt „Raritäten und Top-Stücke".
Was bedeutet „Í GILDI" auf isländischen Briefmarken?
„Í Gildi" bedeutet auf Isländisch „in Gültigkeit" - der Aufdruck wurde 1902 auf alte Ziffernmarken gesetzt, die durch die neue Königsserie formal ungültig geworden waren. Wegen der geringen Auflagen sind viele Í GILDI-Werte heute begehrte Raritäten für Spezialsammler. Schauen Sie dazu in den Abschnitt „Typische Ausgaben und Markenbilder".
Welcher Katalog gilt für Island-Briefmarken?
Im deutschsprachigen Raum reicht der Michel-Band „Nordeuropa" für den normalen Sammler. Wer sich auf Plattenfehler, Zähnungsabarten und Ortsstempel der isländischen Klassik spezialisiert, nutzt den Facit-Katalog als internationale Referenz, der diese Varianten deutlich detaillierter erfasst. Mehr dazu im Abschnitt „Erkennungsmerkmale und Zustand".
Warum gibt es so viele Aufdruck-Briefmarken aus Island?
Wegen der Abgeschiedenheit der Insel kam es im 19. und frühen 20. Jahrhundert oft zu Engpässen bei bestimmten Portostufen. Das Postamt in Reykjavik behalf sich damit, Restbestände nicht mehr gültiger Werte lokal mit dem benötigten neuen Wert zu überdrucken - sogenannte Provisorien. Daraus entstanden die Aufdruck-Ausgaben, die heute zu den wertvollsten Island-Stücken gehören.
Wo kaufe ich geprüfte Island-Klassiker?
Da isländische Aufdrucke sehr häufig gefälscht wurden, sollte klassische Ware nur über etablierte Auktionshäuser oder auf Plattformen mit Prüfattest (BPP oder Facit-Prüfer) erworben werden. Ohne Prüfzeichen ist das Fälschungsrisiko ab 50 EUR erheblich. Alle Details zur Echtheitsprüfung stehen im Abschnitt „Erkennungsmerkmale und Zustand".
Was kostet eine komplette Island-Sammlung?
Die Republik Island ab 1944 ist komplett für einige hundert Euro zusammenzustellen - ein realistisches Einsteiger-Budget. Die klassische Epoche vor 1900 lässt sich dagegen kaum vollständig realisieren; allein die Í GILDI-Provisorien kosten in Summe mehrere tausend Euro. Details zu Preisspannen finden Sie im Abschnitt „Aktuelle Marktpreise und Sammelkosten".
Verwandte Sammelgebiete im nordischen Raum finden Sie unter Norwegen-Briefmarken, Schweden-Briefmarken und Finnland-Briefmarken. Zur Übersichtsseite aller Sammelgebiete geht es unter Sammelgebiete.

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.