Die meisten Menschen schreiben im Jahr vielleicht zwei oder drei echte Briefe - und merken dann, dass Briefkopf, Anrede und Grußformel im Kopf verschwommen sind. Das ist kein Grund zur Sorge: Der Aufbau folgt einem klaren Schema, das sich in wenigen Minuten auffrischen lasst.
Formelle Briefe an Behörden, Arbeitgeber oder Unternehmen folgen anderen Regeln als ein personlicher Brief an Freunde oder Familie. Ich gehe hier beide Typen Schritt fur Schritt durch, zeige die häufigsten Fehler und erklar, was nach dem Schreiben noch getan werden muss, damit der Brief auch ankommt.
Auf einen Blick
- Formelle Briefe (Behörden, Arbeitgeber) brauchen Briefkopf, Betreff und formelle Anrede - plus handschriftliche Unterschrift am Schluss.
- Informelle Briefe an Freunde und Familie sind strukturell freier, aber Anrede und Grußformel haben auch hier feste Regeln.
- Nach dem Schreiben: Umschlag korrekt adressieren und richtig frankieren - sonst kommt der Brief nicht an oder der Empfanger zahlt drauf.

Formell oder informell: Welchen Brief schreiben Sie?
Bevor Sie die erste Zeile schreiben, klaren Sie eine Frage: An wen geht der Brief? Die Antwort bestimmt Aufbau, Sprache und Gestaltung vom ersten Wort bis zur Unterschrift.
Der informelle Brief - an Freunde und Familie
Informelle Briefe an Freunde oder Familie erlauben einen lockeren, personlichen Ton. Sie können handschriftlich verfasst werden - das wirkt vertrauter und personlicher als ein Ausdruck. Eine starre Struktur gibt es nicht, aber: Anrede, Brieftext und Grußformel gehören immer dazu. Typische Anlasse sind Geburtstage, Weihnachten, ein Urlaubsgrus oder eine personliche Nachricht, fur die eine E-Mail nicht reichen wurde.
Der formelle Brief - an Behörden, Arbeitgeber, Unternehmen
Formelle Briefe folgen einer klar definierten Struktur nach DIN 5008, der deutschen Norm fur geschäftlichen Schriftverkehr. Sie werden am PC verfasst (Schriftgröße 12pt, feste Seitenmasse), handschriftlich unterschrieben und wirken unprofessionell, wenn Briefkopf, Betreff oder Anrede fehlen. Typische Anlasse sind Kundigungen, Bewerbungen, Beschwerden oder Anfragen an Amter und Unternehmen. Die DIN 5008 ist keine gesetzliche Pflicht, sondern eine Empfehlung - wer davon abweicht, riskiert einen unordentlichen ersten Eindruck.
Brief schreiben - der Aufbau Schritt fur Schritt
Der Aufbau ist bei formellen und informellen Briefen ahnlich, die Details unterscheiden sich aber an mehreren Stellen. Ich gehe die fünf Bausteine der Reihe nach durch.
1. Briefkopf: Absender, Empfanger, Datum
Beim formellen Brief steht die Absenderadresse oben links: Name, Strasse, Postleitzahl und Ort, optional Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Darunter, mit zwei bis drei Leerzeilen Abstand, folgt die Empfangeradresse in gleicher Reihenfolge. Die Seitenrander nach DIN 5008 betragen links 2,5 cm, rechts 2,0 cm, oben rund 4,5 cm und unten 2,5 cm.
Ort und Datum werden rechtsbündig formatiert, die empfohlene Schreibweise lautet: „Bochum, den 22. April 2026" - der ausgeschriebene Monatsname wirkt formeller als eine Ziffernfolge. Beim informellen Brief reicht oft nur das Datum rechts oben.
2. Betreffzeile (nur formelle Briefe)
Die Betreffzeile steht zwei Leerzeilen unterhalb des Datums. Sie wird nach DIN 5008 fett gedruckt, endet ohne Punkt und kommt ohne das Wort „Betreff:" davor - das ist veraltet und gilt als unmodern. So kurz wie möglich: „Kundigung meines Mietvertrags zum 30. Juni 2026" sagt alles. Beim informellen Brief entfallt die Betreffzeile vollständig.
3. Die Anrede - der häufigste Fehler
Formell: „Sehr geehrte Frau [Nachname]," oder „Sehr geehrter Herr [Nachname]," - wenn kein Name bekannt ist, schreibt man „Sehr geehrte Damen und Herren,". Nach der Anrede steht immer ein Komma, das erste Wort des Brieftextes wird kleingeschrieben, sofern es kein Substantiv ist. Informell: „Liebe Julia," oder „Hallo Max," - ebenfalls mit Komma, ebenfalls klein weiterschreiben. Das Komma zu vergessen und danach großzuschreiben ist der verbreitetste Anrede-Fehler überhaupt.
4. Brieftext: Einleitung, Hauptteil, Schluss
Im formellen Brief erklärt der erste Satz den Grund des Schreibens: „ich schreibe Ihnen bezuglich meines Kündigungsschreibens vom..." Der Hauptteil entwickelt das Anliegen in klaren Absatzen, jeder Absatz ein Gedanke. Der Schluss formuliert eine hofliche Erwartung: „Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung." oder „Fur Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung."
Beim informellen Brief ist der Einstieg freier. Sie können von Neuigkeiten erzählen, Fragen stellen oder einfach antworten. Auch hier helfen Absatze beim Lesen - ein Brief ohne Gliederung ist schwer zu verfolgen, egal wie personlich der Ton ist.
5. Grußformel und Unterschrift
Formell lautet die Standardformel „Mit freundlichen Grußen" - kein Komma danach, auch wenn der Englisch-Einfluss diesen Fehler weit verbreitet hat. Informell sind „Viele Gruße", „Liebe Gruße" oder „Alles Liebe" gangige Alternativen. Eine Leerzeile nach der Grußformel, dann die handschriftliche Unterschrift als Pflicht - auch bei maschinell geschriebenen Briefen. Bei formellen Briefen kann der Name darunter zusatzlich in Druckschrift erscheinen.
Briefumschlag richtig adressieren
Ein korrekt geschriebener Brief bringt nichts, wenn der Umschlag falsch adressiert ist. Die Deutsche Post hat klare Vorgaben, und die meisten Fehler passieren beim Absender - der wird entweder vergessen oder falsch platziert.
Absender, Empfanger und Briefmarke - wo was hingehört
Die Deutsche Post schreibt vor: Absenderadresse oben links (Name, Strasse, Postleitzahl Ort), Empfangeradresse unten rechts oder mittig rechts in gleicher Reihenfolge, Briefmarke oben rechts. Laut den offiziellen Angaben der Deutschen Post darf die Vorderseite des Umschlags nicht mit Aufklebern oder Aufdrucken verziert werden, die mit postalischen Labels verwechselt werden konnten.
Eine ausführliche Anleitung finden Sie im Ratgeber Briefumschlag adressieren, der alle Positionen mit Beispielen zeigt. Wenn Sie unsicher sind, wo der Absender hingehört, hilft der Ratgeber Absender auf dem Brief weiter.
Internationale Briefe
Bei Briefen ins Ausland schreiben Sie das Zielland in Großbuchstaben als letzte Zeile der Empfangeradresse - auf Deutsch, Englisch oder Franzosisch, also zum Beispiel „FRANCE" oder „GREAT BRITAIN". Lander-Kürzel vor der Postleitzahl (wie „F-75001") sind laut offiziellen Adressierungsregeln der Post nicht mehr erwünscht, da sie die maschinelle Sortierung stören. Die Frankierung bei Auslandsbriefen hangt vom Zielland und Gewicht ab - prüfen Sie die aktuellen Tarife im Ratgeber Briefporto.
Häufige Fehler beim Brief schreiben
Selbst wer den Aufbau kennt, macht beim Schreiben immer wieder dieselben Kleinigkeiten falsch. Ich habe die häufigsten Fehler zusammengestellt, die mir in der Praxis begegnen.
| Fehler | Falsch | Richtig |
|---|---|---|
| Komma nach Grußformel | Mit freundlichen Grußen, | Mit freundlichen Grußen (kein Komma) |
| Großschreibung nach Anrede | Sehr geehrte Frau Muller, Ich schreibe... | Sehr geehrte Frau Muller, ich schreibe... |
| „Betreff:" als Vorwort | Betreff: Kundigung meines Vertrags | Kundigung meines Vertrags (direkt fett, kein Wort davor) |
| Datum als Ziffernfolge | Bochum, den 22.04.2026 | Bochum, den 22. April 2026 |
| Empfanger ohne Vornamen | Herrn Muller, Musterstrasse 1 | Herrn Max Muller, Musterstrasse 1 |
| Unterschrift fehlt oder nur digital | Ausgedruckter Name ohne Signatur | Handschriftliche Unterschrift Pflicht |
Die Anrede-Regeln fur verschiedene Situationen - ob mit oder ohne Namen, formell oder informell - finden Sie ausführlich im Aufbau-Abschnitt weiter oben auf dieser Seite.
Warum ein handgeschriebener Brief mehr sagt als eine E-Mail
E-Mails sind schneller, praktischer und kostenlos. Warum schreibt man überhaupt noch echte Briefe? Die Antwort hat fur mich personlich etwas damit zu tun, womit ich mich seit Jahrzehnten beschäftige - dem physischen Kommunikationsmedium Brief.
In meiner Sammlung liegen Postkarten und Ganzsachen aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert, bei denen man noch die Federfulhrung und die Tinte spurt. Diese Objekte transportieren eine Dichte, die ein digitaler Ausdruck nie erreicht - nicht wegen der Motive auf den Marken, sondern wegen des Papiers, der Handschrift, des sichtbaren Zeitaufwands dahinter. Wer in den Briefverkehr dieser Epoche eintaucht, merkt schnell: Ein Brief war kein schneller Kanal, sondern ein bewusstes Signal.
Genau das gilt heute noch. Handgeschriebene Briefe sind selten geworden - und wirken deshalb starker als je zuvor. Wer jemandem wirklich etwas sagen will, sollte es aufschreiben. Eine E-Mail landet zwischen zwanzig anderen Nachrichten; ein Brief liegt auf dem Tisch und fordert Aufmerksamkeit anders ein.
Vom Brief zum Briefkasten - der vollständige Versand-Weg
Geschrieben, adressiert - und dann? Der Versandweg ist kurzer als gedacht, aber ein Schritt wird regelmasig vergessen: Frankierung prüfen vor Versand.
Die Kette lautet: Brief falten, in den Umschlag einlegen, Umschlag verschließen, Absender und Empfanger aufschreiben, frankieren, in den Briefkasten einwerfen. Klingt selbstverständlich, aber unzureichend frankierte Briefe werden entweder an den Absender zurückgeschickt oder der Empfanger muss ein Nachentgelt bezahlen - das ist vermeidbar. Wie die Bundesnetzagentur bestätigt, gilt seit Januar 2025 ein Porto von 0,95 Euro fur den Standardbrief bis 20 g.
Fur mich als Sammler hat selbst die Wahl der Briefmarke einen Moment der Überlegung - aber im Alltag gilt vor allem: die aktuelle Portostufe prüfen, bevor der Umschlag zugeklebt wird. Alle aktuellen Briefporto-Stufen finden Sie im Ratgeber Briefporto. Wie die Marke korrekt aufgeklebt wird, zeigt der Ratgeber Aufkleben mit allen Details.
Fazit: Brief schreiben leichter als gedacht
Der Aufbau eines Briefes ist lernbar, und die häufigsten Fehler lassen sich mit ein bisschen Aufmerksamkeit leicht vermeiden. Formelle Briefe brauchen Struktur - Briefkopf, Betreff, Anrede, Text, Grußformel und Unterschrift richtig. Informelle Briefe dürfen lockerer sein, aber auch hier haben Anrede und Grußformel ihre Regeln.
Wer nach dem Schreiben auch den Versand sicher erledigen will, findet alle weiteren Themen rund ums Briefeschicken im Ratgeber-Bereich Versenden - von der richtigen Adressierung auf dem Umschlag bis zu den aktuellen Porto-Tarifen.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund ums Brief schreiben.
Wie schreibt man einen formellen Brief richtig?
Formelle Briefe beginnen mit dem Briefkopf (Absender, Empfanger, Datum), dann folgen Betreff, Anrede mit „Sehr geehrte/r...", Brieftext in Absatzen, Grußformel und handschriftliche Unterschrift. Die DIN 5008 gibt Seitenrander und Formatierung vor. Alle Details stehen im Abschnitt „Brief schreiben - der Aufbau Schritt fur Schritt".
Wie lautet die richtige Anrede im Brief?
Formell schreibt man „Sehr geehrte Frau [Nachname]," oder - ohne bekannten Namen - „Sehr geehrte Damen und Herren,". Nach dem Komma wird kleingeschrieben; informell sind „Liebe/r [Vorname]," oder „Hallo [Vorname]," üblich. Alle Varianten finden Sie im Bereich „Brief schreiben - der Aufbau Schritt fur Schritt".
Wie beendet man einen Brief?
Mit Grußformel und handschriftlicher Unterschrift - formell gilt „Mit freundlichen Grußen", informell sind „Viele Gruße" oder „Liebe Gruße" gangig. Kein Komma nach der Grußformel - das ist im Deutschen falsch. Mehr dazu im Abschnitt „Brief schreiben - der Aufbau Schritt fur Schritt".
Was gehört in den Briefkopf?
Beim formellen Brief: Absenderadresse oben links, Empfangeradresse darunter, Ort und Datum rechtsbündig. Beim informellen Brief reicht oft nur das Datum oben rechts. Die genauen Abstande und Seitenrander nach DIN 5008 finden Sie unter „Brief schreiben - der Aufbau Schritt fur Schritt".
Wie adressiert man den Briefumschlag richtig?
Absender oben links, Empfanger mittig oder unten rechts, Briefmarke oben rechts. Vorsicht: keine aufkleberahnlichen Verzierungen auf der Vorderseite - die Post lehnt solche Umschlage ab. Alle Details stehen im Abschnitt „Briefumschlag richtig adressieren".
Was kostet es, einen Brief zu versenden?
Das Porto hangt von Format und Gewicht ab. Ein Standardbrief bis 20 g kostet 0,95 Euro (Stand: 2026). Alle aktuellen Preise und Portostufen finden Sie im Ratgeber „Briefporto".

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.