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Briefmarken Zaehnung: Arten, Messung und Wert-Bedeutung

Die Briefmarken Zähnung - die kleinen Löcher am Markenrand - ist weit mehr als eine Trennhilfe. Sie ist ein präzises philatelistisches Messmerkmal, das bei klassischen Ausgaben über Katalog-Nummer und Sammlerwert entscheiden kann. Welche Zähnungsart vorliegt und wie fein das Maß ausfällt, lässt sich mit dem Odometer in Sekunden bestimmen - sofern Sie wissen, wonach Sie suchen.

In diesem Glossar-Eintrag erkläre ich Ihnen, wie die Zähnung entstanden ist, welche Typen es gibt, wie Sie das Zähnungsmaß selbst messen und warum K 14 und K 14:13 bei derselben Marke den Katalogwert um ein Vielfaches auseinanderziehen können.

Auf einen Blick

  • Die Zähnung ist die maschinell gestanzte Perforation zwischen Briefmarken, bei der Lochstifte Papier aus dem Bogenzwischenraum entfernen, damit die Marken sauber abreißen.
  • Sammler bestimmen das Zähnungsmaß mit einem Zähnungsschlüssel (Odometer), einer Karte mit Punkt- oder Linienraster, und erhalten die Zahl der Löcher pro 2 cm.
  • Zähnungsvarianten wie K 14 vs. K 14:13 können bei klassischen Ausgaben den Wert um ein Vielfaches erhöhen - die Wagner-Serie 1933 (MiNr. 505) ist das bekannteste Beispiel.
Briefmarken Zähnung messen mit Zähnungsschlüssel Odometer

Was ist die Zähnung einer Briefmarke?

Die Zähnung ist die technische Antwort auf ein praktisches Problem der Postgeschichte: Wie trennt man einzelne Marken sauber aus einem gedruckten Bogen, ohne sie zu beschädigen? Die Lösung aus dem 19. Jahrhundert ist heute noch Grundlage jeder Markentrennung.

Perforation statt Schere

Die Zähnung entsteht durch Metall-Lochstifte auf einer Zähnungsleiste, die in regelmäßigen Abständen kleine, runde Löcher in das Papier zwischen den Marken stanzen. Das Papier zwischen den Löchern - die sogenannten Papierbrücken - reißt beim Trennen sauber entlang der Perforationslinie. So entstehen die charakteristischen Zähnungsspitzen, an denen eine gezähnte Marke sofort zu erkennen ist. Quelle: Wikipedia, Briefmarkentrennung.

Unterschied zu Durchstich und Schnitt

Beim älteren Durchstich (ab 1848 erstmals erprobt) schneiden feine Messer nur Schlitze in das Papier, ohne Material zu entfernen. Die Papierbrücken bleiben vorhanden, die Marke lässt sich aber an den Schlitzen trennen. Das Ergebnis ist rauer als bei echter Perforation. Bei geschnittenen Marken fehlt jede maschinelle Bearbeitung - sie wurden schlicht mit der Schere aus dem Bogen getrennt, was zu unregelmäßigen Rändern führt.

Geschichte der Zähnung - von Archer bis heute

Die Zähnung ist jünger als die Briefmarke selbst. Die erste Weltmarke hatte noch keine Perforation, und der Weg zur maschinellen Zähnung führte über einen hartnäckigen Briten, dessen Erfindung den Postbetrieb vereinfachte.

Vor 1854 - die Schere am Postschalter

Die One Penny Black, am 1. Mai 1840 in Großbritannien als erste Briefmarke der Welt ausgegeben, besaß keine Zähnung. Postbeamte schnitten die Einzelmarken mit der Schere aus dem Bogen - ein mühsamer Vorgang, der bei hohem Andrang an belebten Postschaltern wertvolle Zeit kostete.

Henry Archer und die erste Zähnungsmaschine

Der Brite Henry Archer entwickelte ab den 1840ern zunächst Durchstich-Maschinen, die ab 1848 versuchsweise an britischen Postschaltern eingesetzt wurden. Er ersetzte die feinen Messer später durch Lochstifte und schuf damit die Grundlage für die echte Loch-Zähnung. Ab 1854 kamen im Vereinigten Königreich die ersten offiziell gezähnten Briefmarken in den Umlauf. Andere Postverwaltungen folgten in den nächsten Jahren.

Einführung in den deutschsprachigen Ländern

In den Altdeutschen Staaten wurde die Zähnung ab den 1850er Jahren schrittweise eingeführt. Die einzelnen Postverwaltungen (Bayern, Preußen, Württemberg u. a.) stiegen zu unterschiedlichen Zeitpunkten um. Bei frühen ungezähnten Ausgaben aus dieser Phase ist die Schnittkante entscheidend für den Wert - ob vollrandig, breitrandig oder angeschnitten, spielt philatelistisch eine große Rolle.

Die Zähnungstypen im Überblick

Nicht jede Zähnung ist gleich. Je nach Maschinentyp und Fertigungsverfahren entstehen unterschiedliche Muster, die Sie vor allem an den Ecken und an der Regelmäßigkeit der Löcher erkennen. Das Wissen um die Typen ist kein Selbstzweck - bei älteren Ausgaben kann der Typ die Katalog-Einordnung direkt beeinflussen.

Linienzähnung - die älteste Art

Der Druckbogen wird zunächst in einer Richtung (z. B. waagerecht) gezähnt, dann um 90 Grad gedreht und in der anderen Richtung perforiert. Die Ecken fallen dadurch unregelmäßig aus, weil die Löcher an den Kreuzungspunkten nicht passgenau zusammentreffen - das ist das sicherste Merkmal der Linienzähnung. Sie ist die älteste Technik und bei klassischen Ausgaben des 19. Jahrhunderts am häufigsten.

Kammzähnung - dreiseitig in einem Gang

Ein kammartiges Werkzeug perforiert eine Markenreihe in einem einzigen Arbeitsgang auf drei Seiten (z. B. oben, links und rechts). Die Ecken sind regelmäßig, weil alle Seiten einer Reihe gleichzeitig entstehen. Die Kammzähnung ist eine Weiterentwicklung der Linienzähnung und liefert optisch sauberere Ergebnisse.

Kreuzkammzähnung - H-Form

Die Lochstifte sind H-förmig angeordnet: in der gesamten waagerechten Bogenlänge plus bis zur halben Höhe der angrenzenden Markenreihen. Optisch ist das Ergebnis von der einfachen Kammzähnung nicht unterscheidbar - der Unterschied liegt ausschließlich in der Maschinentechnik.

Bogenzähnung - heute dominant

Der gesamte Druckbogen wird in einem einzigen Arbeitsgang perforiert. Optisch ist das Ergebnis von der Kammzähnung ebenfalls nicht zu unterscheiden. Die Bogenzähnung ist der heutige Standard bei modernen Ausgaben und wird im MICHEL-Katalog in aller Regel nicht gesondert ausgewiesen.

Kastenzähnung - Sonderform für Blocks

Bei der Kastenzähnung wird der gesamte Block oder Bogen in einem Gang perforiert, die äußeren Ränder des Blocks bleiben jedoch ungezähnt. Diese Form kommt vor allem bei Briefmarkenblocks zum Einsatz, bei denen die Blockränder als freie Fläche erhalten bleiben sollen.

Rollenzähnung - nur quer

Bei Rollenmarken wird nur quer zwischen den Einzelmarken perforiert. Die seitlichen Außenränder bleiben ungezähnt - erkennbar an den geraden Schnittkanten. Eine Ausnahme bilden seltene vierseitig gezähnte Rollenmarken, etwa aus Großbritannien oder der DDR, die an 11er-Streifen zu erkennen sind.

Die wichtigsten Zähnungstypen nach Arbeitsweise, Ecken-Regelmäßigkeit und typischer Anwendung
ZähnungstypArbeitsweiseEckenTypische AnwendungQuelle
LinienzähnungZwei Durchgänge, 90-Grad-DrehungUnregelmäßigKlassische Ausgaben 19. Jh.Wikipedia
KammzähnungDreiseitig je Reihe, ein GangRegelmäßigVerbreitung ab spätem 19. Jh.Wikipedia
KreuzkammzähnungH-förmige Lochstift-AnordnungRegelmäßigModerne Bogenausgabensammeln-spezial.de
BogenzähnungGesamter Bogen in einem GangRegelmäßigHeutiger StandardWikipedia
KastenzähnungGesamter Block in einem GangRegelmäßig, Rand freiBriefmarkenblocksWikipedia
RollenzähnungNur QuerperforationSeitliche Ränder ungezähntRollenmarkensammeln-spezial.de

Fast alle modernen Zähnungstypen liefern regelmäßige Ecken. Die Linienzähnung mit ihren charakteristisch unregelmäßigen Eckpunkten ist das sicherste Merkmal für ältere Ausgaben - und für den Sammler ein erster Hinweis auf das Alter einer Marke.

Das Zähnungsmaß - Löcher pro 2 cm

Das Zähnungsmaß ist die messbare Kenngröße, an der Sammler Varianten erkennen. Es ist eine internationale Einheit, die die Lochdichte auf eine Strecke von 2 cm normiert - unabhängig davon, wie groß die Marke selbst ist. Damit sind alle Marken weltweit vergleichbar.

Wie das Maß berechnet wird

International wird die Anzahl der Zähnungsspitzen auf eine Standard-Länge von genau 2 cm hochgerechnet. „Zähnung 14" bedeutet: Auf 2 cm Kantenlänge befinden sich 14 Löcher. Das Maß lässt sich auf allen vier Seiten einer Marke ermitteln - bei einheitlicher Zähnung stimmen alle Seiten überein, bei Mischzähnung weichen sie messbar voneinander ab.

Übliche Zähnungsgrade in Deutschland

Bei klassischen und heutigen deutschen Postwertzeichen ist ein Maß von etwa 13 bis 14 Zähnen pro 2 cm die Regel. Ausgaben mit abweichenden Massen sind philatelistisch interessant, weil sie oft Teilauflagen oder Maschinenwechsel anzeigen. Moderne selbstklebende Briefmarken - in Deutschland eingeführt am 12. Mai 2000 mit der Nummer MiNr. 2114 - haben eine gestanzte Trennung, die optisch einer Zähnung ähnelt, aber meist nur 10 bis 11 Zähne pro 2 cm aufweist.

Mischzähnung - unterschiedliche Masse auf einer Marke

Bei Mischzähnung weist eine Marke auf verschiedenen Seiten unterschiedliche Zähnungsgrade auf. Die Notation gibt den waagerechten Wert zuerst an, dann den senkrechten - zum Beispiel 12½:10½ (waagerecht 12½, senkrecht 10½). Mischzähnungen entstehen, wenn die Zähnungsmaschine mitten in einem Lauf wechselt oder aus Zeitgründen zwei verschiedene Maschinen gleichzeitig eingesetzt werden.

Zähnung messen - das erste Handwerk des Sammlers

Der Zähnungsschlüssel ist nach Pinzette und Lupe das dritte Werkzeug, das in der Schublade eines Sammlers liegt - und das erste, das Varianten-Erkennung überhaupt ermöglicht. Wer bei klassischen Deutsches-Reich-Marken nicht zwischen unterschiedlichen Zähnungsmaßen unterscheidet, dem bleiben Wert-Varianten im vierstelligen Bereich verborgen.

Der Zähnungsschlüssel (Odometer) - Aufbau und Funktion

Ein Zähnungsschlüssel ist eine transparente Karte oder Kunststoffplatte mit aufgedruckten Punkt- oder Linienrastern in aufsteigender Dichte. Jedes Raster entspricht einem bestimmten Zähnungsmaß. Die Briefmarke wird an die Rasterreihen angelegt; das Raster, dessen Abstände mit den Löchern der Marke übereinstimmen, zeigt das Zähnungsmaß. Transparente Modelle erlauben die Prüfung direkt auf Brief oder Ganzsache, ohne die Marke zu lösen.

Quelle: sammeln-spezial.de, Zähnungsarten bei Briefmarken. Neben manuellen Schablonen gibt es elektronische Zähnungsmesser, die aber für die tägliche Sammlerpraxis kaum Vorteile bieten.

Wie man richtig misst (Schritt für Schritt)

Das Messen der Zähnung folgt einem klaren Ablauf in fünf einfachen Schritten:

  1. Marke flach auf den Tisch legen (nicht auf dem Finger halten - Wärme kann dünnen Gummi verändern)
  2. Transparenten Zähnungsschlüssel auflegen und am Zähnungsrand ausrichten
  3. Raster verschieben, bis alle Löcher mit den Punkten oder Linien übereinstimmen
  4. Das Zähnungsmaß an der Skala ablesen; Rundung in der Philatelie auf 1/4 Zahn üblich
  5. Auf allen vier Seiten prüfen - bei Mischzähnung waagerecht und senkrecht getrennt notieren

Den transparenten MICHEL-Schlüssel lege ich direkt auf die Marke - das ist schneller als jeder elektronische Zähnungsmesser und zuverlässig für die allermeisten Fälle.

Warum das Messen sich lohnt

Ich prüfe klassische Ausgaben meiner Deutsches-Reich-Sammlung ab 1933 grundsätzlich zweimal: einmal auf Stempel und Gummi, einmal auf die Zähnung. Die Zähnung zu bestimmen fühlt sich am Anfang wie mühsame Haarspalterei an - bis Sie das erste Mal eine MICHEL-Nummer aufgrund des Zähnungsmaßes korrigieren. Wer das einmal erlebt hat, legt den Zähnungsschlüssel nie wieder weg.

Der Odometer trennt den Gelegenheits-Sammler vom ernsthaften Philatelisten. Ohne dieses Werkzeug bleiben Wert-Unterschiede im vierstelligen Bereich unsichtbar - besonders bei Ausgaben des Deutschen Reichs, wo Zähnungsvarianten regelmäßig als eigene MICHEL-Nummern mit Katalogpreis geführt werden.

Die Katalog-Notation für Zähnungsvarianten

Der MICHEL-Katalog notiert Zähnungsvarianten in einer kompakten Buchstaben-Zahl-Schreibweise. Wer sie liest, kann eine Marke in Sekunden richtig einordnen und weiß sofort, welche Variante wertvoller ist.

Das MICHEL-Schema: Buchstabe plus Zahl

Der Buchstabe steht für die Zähnungsart, die Zahl für das Zähnungsmaß. Die häufigsten Codes: L steht für Linienzähnung, K steht für Kamm- oder Kastenzähnung. „K 14" bedeutet Kammzähnung mit 14 Löchern pro 2 cm auf allen Seiten, „L 11½" steht für Linienzähnung mit 11½ Löchern pro 2 cm. Der Buchstabe macht den Typen sofort lesbar. Quelle: briefmarken.de, MICHEL-Redaktion.

Mischzähnungen: zwei Zahlen getrennt durch Doppelpunkt

Bei Mischzähnungen werden beide Masse notiert, durch einen Doppelpunkt getrennt. „K 14:13" heißt Kammzähnung, waagerecht 14 Löcher pro 2 cm, senkrecht 13. Der waagerechte Wert kommt immer zuerst. Diese Notation macht auf den ersten Blick sichtbar, dass eine Mischzähnung vorliegt - was für die Werteinstufung entscheidend sein kann.

Zähnungsvarianten als eigene MICHEL-Nummer

Wenn eine Ausgabe mit verschiedenen Zähnungsmaschinen produziert wurde, vergibt MICHEL verschiedene Buchstabenkennungen oder Varianten-Nummern. Aus der Perspektive eines Sammlers, der seine Marken schätzen lassen möchte, ist das die wichtigste Konsequenz der Zähnungsbestimmung: Die richtige MICHEL-Nummer hängt direkt vom Zähnungsmaß ab. Mehr dazu im Abschnitt „Was die Zähnung für den Wert bedeutet".

Was die Zähnung für den Wert bedeutet

Zähnungsvarianten sind kein technisches Detail - sie sind einer der größten Wert-Hebel in der klassischen Philatelie. Die Zähnung bestimmt die MICHEL-Nummer, die MICHEL-Nummer bestimmt den Katalogwert, und der Katalogwert beeinflusst den Marktpreis direkt. Ich habe in meiner Sammlerpraxis mehrfach erlebt, dass identische Marken mit unterschiedlichem Zähnungsmaß einen Preisunterschied von mehreren Hundert Euro aufweisen.

Zähnungsvarianten können den Wert vervielfachen

Teilauflagen, bei denen während der Produktion das Zähnungswerkzeug gewechselt wurde, sind oft deutlich seltener als die Haupt-Auflage. MICHEL listet sie als eigene Varianten-Nummern mit eigenem Katalogpreis - nicht selten um ein Vielfaches über der normalen Variante. Der Grund: Ein kurzfristiger Maschinenwechsel erzeugt eine kleine Teilauflage, die am Markt entsprechend selten ist und Sammler gezielt ansprechen kann. (Quelle: briefmarken.de, MICHEL-Redaktion)

Beispiel Wagner-Serie 1933 (Deutsches Reich MiNr. 505)

Das bekannteste Beispiel aus der MICHEL-Quelle: Die Marke aus der Wagner-Serie von 1933 existiert als Variante A (K 14:13) und als Variante B (K 14). Die Mischzähnungs-Variante A gilt als deutlich seltener und wird laut briefmarken.de in der Variante 505 A im vierstelligen Euro-Bereich notiert (1.000 bis 1.500 Euro), Variante B deutlich darunter. Aktuelle Angebote im Fachhandel zeigen für 505 A postfrisch Angebotspreise ab etwa 500 Euro; Fachhandels-Referenz: german-reich.de, MiNr. 505 A (Stand: April 2026).

Wenn Sie eine solche Marke in Ihrer Sammlung vermuten, lohnt sich eine genaue Prüfung. Mehr zur Wertermittlung Ihrer Sammlung lesen Sie auf der Seite zur Wertermittlung.

Prüf-Empfehlung bei wertvollen Zähnungsvarianten

Bei wertvollen Zähnungsvarianten empfiehlt sich eine Prüfung durch einen anerkannten Philatelie-Prüfer. Nachzähnungen (Reparatur oder Fälschung) und künstlich erzeugte Mischzähnungen sind bekannte Manipulationsformen. Ein BPP-Prüfer klärt den Originalzustand und gibt Ihnen die Sicherheit, den tatsächlichen MICHEL-Wert ansetzen zu können. Wie eine solche Prüfung und Schätzung abläuft, erkläre ich im Bereich Sammlung schätzen lassen.

Ungezähnte Briefmarken: Schnittmarken und Fehlzähnung

Nicht jede Briefmarke ohne Zähnungslöcher ist ein Problem. Drei verschiedene Umstände führen zu einer Marke ohne Perforation - und jeder hat eine eigene philatelistische Einordnung und einen philatelistisch eigenen Stellenwert.

Geschnittene Marken - beabsichtigt ohne Perforation

Marken, die von der Postverwaltung bewusst ohne Zähnung ausgegeben wurden, nennt man geschnittene Marken. Das war in der Frühzeit der Philatelie (vor Archer), in Krisenzeiten aus Kostengründen oder bei bestimmten Sonderauflagen der Fall. Bei diesen Marken bestimmt die Qualität des Schnitts den Wert: überrandig und breitrandig gelten als vorzügliche Qualität, vollrandig als normal, engrandig oder angeschnitten als mindere Qualität.

Was die Erhaltungsstufen im Detail bedeuten und wie sie sich auf postfrische Marken auswirken, erkläre ich im Glossar-Eintrag postfrisch, der diesen Aspekt ausführlich behandelt.

Fehlzähnung (versehentlich ungezähnt)

Marken, die eigentlich perforiert werden sollten, aber die Zähnungsmaschine fehlerhaft umgangen haben. Ursachen sind fehlerhafte Bogenstapel oder Maschinenfehler. Häufiger sind Teilzähnungen, bei denen nur ein Teil des Bogens ungezähnt blieb. Philatelistisch können solche Stücke sehr wertvoll sein - es existiert aber auch aus Makulatur-Diebstahl stammende Ware, die beim Erwerb ohne Prüfer riskant ist.

Abgrenzung: Durchstich ist keine Zähnung

Durchstochene Marken haben nur Einschnitte im Papier - kein Material wurde entfernt, also weder Perforation noch Schnittrand. Sie sind eine eigene Kategorie zwischen geschnitten und gezähnt. Beim Trennen bleiben die Papierbrücken als raue Kante sichtbar.

Diese Abgrenzung ist besonders bei frühen Ausgaben der 1840er relevant. Quelle: klassische-philatelie.ch, Durchstich und Zähnung.

Beschädigte Zähnung und Nachzähnung

Die Zähnung ist das empfindlichste äußerliche Merkmal einer Briefmarke - und gleichzeitig das am häufigsten beschädigte. Wer eine klassische Marke kaufen oder verkaufen möchte, sollte die Zähnungsspitzen als Erstes mit der Lupe prüfen, weil kurze Zähne den Wert sofort mindern.

Typische Zähnungs-Beschädigungen

„Kurze Zähne" (einzelne Zähnungsspitzen durch Reißen oder Knick verkürzt), abgerissene Zähnungsspitzen und Einrisse im Papierbrücken-Bereich sind die häufigsten Zähnungsschäden. Bei einem weiteren Zähnungsmaß (wenige Löcher pro 2 cm) zerreißen die breiteren Papierbrücken leichter. Eine feine Zähnung um 14 produziert schmalere Papierbrücken, die beim sorgfältigen Trennen stabiler halten.

Nachzähnung als Reparatur und Fälschungsform

Nachzähnung bezeichnet die nachträgliche Perforation einer angeschnittenen oder ungezähnten Marke. Ziel kann eine einfache Reparatur sein - oder die Imitation einer seltenen Zähnungsvariante. Bei hochwertigen Marken ist eine Nachzähnung schwer zu entlarven, weil die neuen Löcher den alten sehr ähneln können.

Die Prüfung durch einen BPP-Prüfer klärt, ob die Zähnung original ist. Zähnung und Wasserzeichen sind die zwei klassischen Echtheitsmerkmale - mehr zum letzteren erkläre ich im Glossar-Eintrag Wasserzeichen.

Fazit - Zähnung als Mess-Einheit der Philatelie

Die Zähnung ist zugleich technisches Merkmal und philatelistisches Messinstrument. Mit dem Zähnungsschlüssel bestimmen Sie das Zähnungsmaß, erkennen den Typ (Linie, Kamm, Bogen, Kasten, Rolle), lesen den MICHEL-Katalog mit Variantenkennungen und erschließen sich Wertunterschiede, die ohne dieses Werkzeug unsichtbar bleiben. Ich halte das Messen der Zähnung für das Handwerk, das den Gelegenheits-Sammler vom Philatelisten trennt.

Wer seine klassischen Ausgaben ernsthaft bewerten oder verkaufen möchte, kommt an der Zähnungsbestimmung nicht vorbei. Ohne sie bleibt unklar, welche MICHEL-Nummer und welcher Katalogwert tatsächlich gilt. Das gilt besonders für Deutsches-Reich-Marken der 1930er Jahre, wo Zähnungsvarianten regelmäßig den Wert um ein Vielfaches auseinanderziehen.

Fragen und Antworten

Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die Zähnung von Briefmarken.

Was bedeutet Zähnung bei Briefmarken?

Die Zähnung ist die maschinell gestanzte Loch-Perforation zwischen den einzelnen Briefmarken im Bogen. Lochstifte entfernen dabei rundes Papier aus dem Bogenzwischenraum, sodass die Marken entlang der Löcher sauber abreißen. Zugleich dient die Zähnung als Messwerkzeug für den Wert, das Varianten sichtbar macht und die richtige MICHEL-Nummer bestimmt.

Mehr dazu im Abschnitt „Was ist die Zähnung einer Briefmarke" weiter oben auf dieser Seite.

Wie misst man die Zähnung einer Briefmarke?

Mit einem Zähnungsschlüssel (Odometer) - einer transparenten Karte mit Punkt- oder Linienraster. Die Marke wird an die Rasterreihen angelegt, bis alle Löcher genau übereinstimmen. Das passende Raster zeigt die Zahl der Löcher pro 2 cm.

Alle vier Seiten sollten separat geprüft werden. Schauen Sie dazu in den Bereich „Zähnung messen - das erste Handwerk des Sammlers".

Was heißt Zähnung 14?

Zähnung 14 bedeutet: Auf einer Strecke von 2 cm befinden sich 14 Zähnungslöcher. Das Maß wird international einheitlich auf 2 cm hochgerechnet, damit Marken unterschiedlicher Größe vergleichbar bleiben. Bei deutschen Ausgaben ist Zähnung 14 der häufigste Standard.

Alle Details stehen im Abschnitt „Das Zähnungsmaß - Löcher pro 2 cm" mit konkreten Beispielen.

Was ist eine Kammzähnung?

Kammzähnung bedeutet: Die Marken einer Reihe werden in einem einzigen Arbeitsgang auf drei Seiten gleichzeitig perforiert. Ecken fallen dadurch regelmäßig aus - das ist der sichtbarste Unterschied zur Linienzähnung, bei der zwei Durchgänge unregelmäßige Eckpunkte erzeugen. Mehr dazu im Abschnitt „Die Zähnungstypen im Überblick".

Kann die Zähnung den Wert einer Briefmarke verändern?

Zähnungsvarianten wie K 14 vs. K 14:13 entstehen durch Werkzeugwechsel während der Produktion und werden im MICHEL-Katalog als eigene Varianten-Nummern geführt - bei klassischen Ausgaben trennt das die Werte um ein Vielfaches voneinander. Bei der Wagner-Serie 1933 (MiNr. 505) trennt die Zähnung eine günstige von einer vierstellig bewerteten Variante.

Mehr dazu unter „Was die Zähnung für den Wert bedeutet" mit konkreten Preisangaben.

Was bedeutet K 14:13 im Katalog?

K steht für Kamm- oder Kastenzähnung. Die zwei Zahlen getrennt durch Doppelpunkt zeigen eine Mischzähnung an: waagerecht 14 Löcher pro 2 cm, senkrecht 13. Solche Mischzähnungen sind oft seltener als die einheitlich gezähnte Variante und daher im MICHEL-Katalog höher bewertet.

Alle Details im Abschnitt „Die Katalog-Notation für Zähnungsvarianten" mit allen MICHEL-Variantencodes.

Klaus Weber
Klaus Weber

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.