Wohlfahrtsmarken sind die einzige Briefmarken-Kategorie, bei der der Kauf direkt spendet - ein Cent-Betrag über dem Porto fließt als Zuschlag an soziale Projekte der Freien Wohlfahrtspflege. Dieses „Porto mit Herz" gibt es in Deutschland ohne Unterbrechung seit 1949, mittlerweile mit fast vier Milliarden verkauften Marken.
Für Sammler haben Wohlfahrtsmarken eine doppelte philatelistische und soziale Funktion: Sie sind Zeitdokumente, die jedes Jahr einen neuen Themen-Schwerpunkt setzen, und zugleich ein überschaubarer Einstieg ohne Spekulationsrisiko. Ich erkläre Ihnen hier, wie der Zuschlag-Mechanismus funktioniert, welche Serien es seit 1949 gab und wann historische Wohlfahrtsmarken wirklich etwas mehr wert sind.
Inhaltsverzeichnis
Auf einen Blick
- Wohlfahrtsmarken sind Zuschlagmarken der Deutschen Post zugunsten der BAGFW; die Wertangabe lautet immer Nennwert plus Zuschlag, zum Beispiel 0,95 + 0,40 Euro.
- Die Erstausgabe erschien am 14. Dezember 1949 unter dem Titel „Helfer der Menschheit"; ab 1956 trägt der Bundespräsident die Schirmherrschaft mit jährlicher Übergabe im Schloss Bellevue.
- Aktuell gibt es zwei Serien pro Jahr: „Für die Wohlfahrtspflege" (Frühjahr/Februar) und Weihnachtsmarken seit 1969 (Winter/November); Kauf bei der Deutschen Post oder direkt bei den Wohlfahrtsverbänden.
Bevor ich auf die Geschichte und die aktuellen Ausgaben eingehe, möchte ich zunächst das Grundprinzip klar machen, damit klar ist, worum es sich dabei handelt - viele Briefmarkensammler kennen den Begriff, ohne je genauer hingeschaut zu haben.

Der folgende Abschnitt klärt, was Wohlfahrtsmarken von anderen Ausgaben grundlegend von anderen unterscheidet - und warum der Zuschlag-Mechanismus philatelistisch und gesellschaftlich einmalig ist.
Was sind Wohlfahrtsmarken? Die Definition
Der Begriff klingt einfach, hinter der Konstruktion steckt aber ein gesetzlich festgelegter Verteilmechanismus: Zuschlag fließt nicht an die Post, sondern wird von ihr an die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege weitergeleitet. Das unterscheidet Wohlfahrtsmarken grundlegend von normalen Sondermarken.
Zuschlagmarke mit sozialem Zweck - das Grundprinzip
Eine Wohlfahrtsmarke ist eine spezielle Zuschlagmarke, bei der der Käufer zum postalischen Nennwert (Porto) einen fest definierten Centbetrag extra zahlt. Dieser Aufpreis - der Zuschlag - geht nicht als Beförderungsentgelt an die Post, sondern wird separat an Wohlfahrtsverbände weitergeleitet. Das Frankatur-Porto entspricht dem Nennwert; der Zuschlag ist die eigentliche Spende.
Nominalwert plus Zuschlag - wie die Preisangabe zu lesen ist
Die Wertangabe auf einer Wohlfahrtsmarke folgt dem Schema „Nennwert + Zuschlag". Ein konkretes Beispiel aus der 2026er Ausgabe: 0,95 + 0,40 Euro. Damit zahlen Sie 1,35 Euro - die Marke frankiert für 0,95 Euro einen Standardbrief, und 0,40 Euro gehen als Spende an soziale Projekte. Dieser Zweiklang ist auf jeder Wohlfahrtsmarke abgedruckt.
Abgrenzung zu regulären Sonderbriefmarken und Dauermarken
Sondermarken und Dauermarken tragen nur einen Nennwert - ihren Frankaturwert. Es gibt keinen Zuschlag, kein karitatives Element. Der Käufer einer regulären Sondermarke zahlt genau das Porto, das auch bei einem Standardbrief nötig wäre. Bei einer Wohlfahrtsmarke zahlt er bewusst mehr als nötig, weil er das so will - oder weil er beides in einem erledigen möchte: frankieren und spenden.
| Kategorie | Zuschlag? | Empfänger des Aufpreises | Beispiel |
|---|---|---|---|
| Wohlfahrtsmarke | Ja (fest definiert) | BAGFW / Wohlfahrtsverbände | Agnes Karll 0,95+0,40 €, 2026 |
| Sondermarke | Nein | entfällt | Weihnachtsmarke ohne Zuschlag |
| Dauermarke | Nein | entfällt | Standardportowert 0,95 € |
Geschichte der Wohlfahrtsmarken
Die Geschichte der Wohlfahrtsmarken in Deutschland reicht länger zurück als 1949. Schon in der Weimarer Republik und im Dritten Reich gab es Zuschlagmarken für soziale Zwecke - doch erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstand das heute bekannte jährliche Format, das bis in die Gegenwart fortgeführt wird.
Vorläufer 1919-1940
Als erste Vorläufer gelten „Germania"-Marken von 1919 mit dem Aufdruck „5 Pf für Kriegsbeschädigte". In den Jahren 1924 bis 1940 folgten Nothilfe- und Winterhilfsmarken, die ebenfalls mit einem Zuschlag für soziale Zwecke ausgegeben wurden. Diese Serien unterschieden sich im Charakter deutlich von den späteren Wohlfahrtsmarken - sie entstanden in Krisensituationen, nicht als Dauerinstitution.
14. Dezember 1949 - Kuno Joerger und die erste Serie
Die Wiedereinführung nach dem Zweiten Weltkrieg geht auf den damaligen Caritas-Generalsekretär und Philatelisten Kuno Joerger zurück, der das Konzept gezielt als Instrument sozialer Finanzierung konzipierte. Die erste Serie erschien am 14. Dezember 1949 unter dem Titel „Helfer der Menschheit" - vier Marken, die bis heute zu den gesuchteren frühen Bundesrepublik-Ausgaben gehören.
Die vier Erstausgabe-Motive 1949
Die vier Motive des Erstjahrgangs zeigten Persönlichkeiten, die für soziales Engagement stehen: Elisabeth von Thüringen, Paracelsus von Hohenheim, Friedrich Fröbel und Johann Hinrich Wichern. Diese Auswahl war bewusst konfessionsübergreifend angelegt - protestantische und katholische Figuren, ein Mediziner, ein Pädagoge. Ein Konzept, das den pluralen Charakter der späteren BAGFW vorwegnahm.
Schirmherrschaft seit Theodor Heuss 1956
Ab 1956 übernahm Bundespräsident Theodor Heuss die Schirmherrschaft über die Wohlfahrtsmarken-Ausgaben. Seitdem ist die jährliche Markenübergabe im Schloss Bellevue eine feste Tradition - jeder amtierende Bundespräsident nimmt den Erstdruck persönlich in Empfang. Das verleiht der Wohlfahrtsmarke eine institutionelle Stellung, die andere Ausgaben nicht haben.
Seit 1949 wurden fast vier Milliarden Wohlfahrts- und Weihnachtsmarken verkauft. Diese Gesamtzahl umfasst beide jährlichen Serien und vermittelt, welche kontinuierliche Reichweite das Format über mehr als sieben Jahrzehnte aufgebaut hat.
| Jahr | Ereignis | Bedeutung | Quelle |
|---|---|---|---|
| 1919 | Germania-Marken mit Aufschlag für Kriegsbeschädigte | Erster Vorläufer in Deutschland | Wikipedia |
| 1924-1940 | Nothilfe- und Winterhilfsmarken | Weimarer / NS-Vorläufer-Serien | Wikipedia |
| 14.12.1949 | Erstausgabe „Helfer der Menschheit" (4 Motive) | Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg, Initiative Kuno Joerger | wohlfahrtsmarken.de |
| 1956 | Schirmherrschaft Theodor Heuss, Übergabe Schloss Bellevue | Institutionelle Verankerung der Marken-Tradition | Wikipedia |
| 1969 | Einführung der zweiten jährlichen Serie (Weihnachtsmarken) | Zwei-Serien-Format bis heute | Wikipedia |
Wer bekommt die Erlöse? Die BAGFW und ihre Verbände
Die Erlöse aus dem Zuschlag landen nicht bei der Deutschen Post - sie werden über die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege verteilt. Aus meiner Sicht ist das eine der wenigen Stellen im deutschen Briefmarkenwesen, wo die soziale Verwendung klar nachverfolgbar ist: Sechs benannte Spitzenverbände empfangen die Mittel und setzen sie in konkreten Projekten ein.
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege als Dachverband
Die BAGFW ist die Dachorganisation der sechs großen deutschen Wohlfahrtsverbände. Sie koordiniert die Wohlfahrtsmarken-Initiative und stellt sicher, dass die Zuschläge bei den Verbänden ankommen. Die offizielle Kampagne „Porto mit Herz" wird von der BAGFW verantwortet und bewirbt die jährlichen Ausgaben bundesweit.
Die sechs Empfänger-Spitzenverbände
Alle sechs Verbände erhalten Anteile der Zuschlagserlöse, die sie in ihrer jeweiligen Arbeit einsetzen. Die Verwendung umfasst Projekte in der Jugendhilfe, Altenhilfe, Behindertenhilfe und Flüchtlingshilfe - insgesamt wurden seit 1949 über 600 Millionen Euro aus den Wohlfahrtsmarken-Erlösen für soziale Zwecke finanziert, wie das Bundespräsidialamt anlässlich der Markenübergabe 2026 bestätigte.
- Arbeiterwohlfahrt (AWO)
- Deutscher Caritasverband
- Diakonie Deutschland
- Deutsches Rotes Kreuz (DRK)
- Deutscher Paritätischer Wohlfahrtsverband
- Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST)
Beispielhafte Verwendung der Zuschläge
Die Verbände setzen die Mittel projektbezogen ein. Caritas verwendet ihren Anteil für Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe sowie Flüchtlingsarbeit. Diakonie und AWO verteilen vergleichbar. Die ZWST finanziert daraus jüdische Wohlfahrtsprojekte bundesweit.
Dieser Pluralismus ist systemisch im Format angelegt - sechs verschiedene Weltanschauungen, ein gemeinsames Instrument.
Aktuelle Wohlfahrtsmarken-Serien
Wer heute Wohlfahrtsmarken kaufen möchte, findet im Jahr 2026 eine Serie, die bewusst an den Ursprung von 1949 anknüpft. Das Thema „Helferinnen und Helfer der Menschheit 2.0" ist seit 2024 die laufende Themen-Linie - ein Neustart des ursprünglichen Konzepts mit zeitgenössischen Persönlichkeiten.
Zwei Ausgaben pro Jahr - Februar und November
Seit 1969 gibt es jährlich zwei Serien: Die „Für die Wohlfahrtspflege"-Serie erscheint im Frühjahr, in der Regel im Februar. Die Weihnachtsmarken folgen im Winter, meist November. Beide Serien zusammen ergeben jedes Jahr ein neues Kapitel in der über 70-jährigen Ausgabechronik.
Themen-Linie 2024-heute: „Helferinnen und Helfer der Menschheit 2.0"
Die aktuell laufende Themen-Linie greift das ursprüngliche Motto der Erstausgabe von 1949 auf. Statt historischer Wohltäter zeigt sie Persönlichkeiten, die im 20. Jahrhundert soziale Projekte begründeten. Für Sammler ist diese Kontinuität interessant, weil sich 1949 und 2024 thematisch spiegeln - ein Argument für eine Langzeit-Zusammenstellung beider Epochen.
Ausgabe 2026: Agnes Karll, Ernst Jakob Christoffel, Eduard Zimmermann
Am 5. Februar 2026 erschienen drei Marken mit Porträts von Agnes Karll (Gründerin des Deutschen Krankenpflegeverbands), Ernst Jakob Christoffel (Gründer der Christoffel-Blindenmission) und Eduard Zimmermann (Mitbegründer des WEISSER RING). Die Zehnerbogen kosten 13,50 Euro (Agnes Karll, 0,95+0,40 €), 15,50 Euro (Ernst Jakob Christoffel, 1,10+0,45 €) und 23,50 Euro (Eduard Zimmermann, 1,80+0,55 €). Details zu den aktuellen Ausgabepreisen und Motiven veröffentlicht die AWO auf ihrer Projektseite.
Historische Themen-Linien im Rückblick
Vor „Helferinnen und Helfer der Menschheit 2.0" lief von 2014 bis 2023 die „Grimms Märchen"-Serie - eine der längsten zusammenhängenden Themen-Linien der Wohlfahrtsmarken-Geschichte. Davor prägten „Blumen" (1974-1983) und „Altes Spielzeug" (1968-1972) ganze Sammler-Generationen nachhaltig. Wer ein komplettes Album der Märchen-Serie anlegt, hat damit eine fast vollständige Dekade in einer Hülle.
| Zeitraum | Thema | Bemerkung |
|---|---|---|
| 1949-1958 | Helfer der Menschheit (I-VI) | Erste sechs Serien; gesuchte Ausgaben unter Sammlern |
| 1959-1967 | Grimms Märchen (erste Runde) | Klassische Motive, hohe Auflagen |
| 1968-1972 | Altes Spielzeug | Nostalgische Motive, breit gesammelt |
| 1974-1983 | Blumen | Botanische Darstellungen, lange Laufzeit |
| 2014-2023 | Grimms Märchen (zweite Runde) | Neuinterpretation über 10 Jahre |
| 2024-heute | Helferinnen und Helfer der Menschheit 2.0 | Neuauflage des Ur-Themas von 1949 |
Wert und Sammlerwert von Wohlfahrtsmarken
Erben bringen mir gelegentlich komplette Alben der Wohlfahrtsserien aus den 1970er- und 1980er-Jahren zur Einschätzung. Die Erwartung ist hoch; die Realität ernüchternd: Bei den damaligen Millionenauflagen liegt der Sammlerwert kaum über der Frankatur. Das gilt pauschal für die meisten Serien - aber nicht für alle.
Nominalwert plus Zuschlag beim Kauf
Beim Kauf einer neuen Wohlfahrtsmarke zahlen Sie den vollen Ausgabepreis: Nennwert plus Zuschlag. Für einen Zehner-Bogen „Agnes Karll" sind das 13,50 Euro - zehn Marken, die Sie für Standardbriefe verwenden können, plus den direkt weitergeleiteten Spendenbetrag, der an die Wohlfahrtsverbände geht.
Postalische Gültigkeit der Frankatur-Komponente
Die Nennwert-Komponente jeder Euro-Marke behält ihre postalische Gültigkeit unbegrenzt. Das bedeutet: Wenn Sie eine Wohlfahrtsmarke aus dem Jahr 2010 mit einem Nennwert von 0,55 Euro haben, können Sie sie weiterhin zur Frankatur einsetzen - sofern der aktuelle Portostand das erlaubt. Der Zuschlag zählt nicht zum Frankaturwert.
Sammlerwert der meisten Serien - nahe dem Ausgabepreis
Neuere Ausgaben ab den 1960er-Jahren existieren aufgrund der hohen Millionenauflagen als Massenware und handeln nahe dem Nennwert. Wer komplette Sätze oder Bogen der „Blumen"-Serie oder der ersten „Grimms Märchen"-Runde besitzt, sollte keine großen Preisaufschläge auf dem Markt erwarten. Das ist kein Fehler dieser Serien - es ist die logische Folge hoher Auflagen und langer Verkaufszeiträume.
Wann historische Wohlfahrtsmarken höher bewertet werden
Auf Tauschtagen sehe ich regelmäßig, dass postfrische „Helfer der Menschheit"-Sätze der ersten Jahre gesucht werden - aber nur in einwandfreier Erhaltung mit originalem Gummi. Die Erstausgabe 1949 (Michel-Nummern 117-120) weist laut Michel-Katalog postfrisch einen Wert von 110 Euro aus, wird im Fachhandel aber oft um 30-40 Euro gehandelt. Deutlich gesuchter werden Abarten, postfrische Bogen und Ersttagsbelege - die Ausnahmen, die den Unterschied machen. Wer eine alte Wohlfahrts-Sammlung bewerten lassen möchte, findet bei der Wertermittlung für Briefmarkensammlungen weiterführende Hinweise.
Dieser Abschnitt zeigt: Der Marktwert richtet sich vor allem nach Auflage und Erhaltungsgrad - zwei Faktoren, die bei älteren Serien stärker auseinanderfallen als bei neueren Ausgaben.

Die folgenden Abschnitte erklären, wo Sie aktuelle Ausgaben kaufen und wie der Vertrieb organisiert ist - von der Post bis zu den Verbänden direkt.
Wo kann man Wohlfahrtsmarken kaufen?
Die Kaufwege sind übersichtlich. Die Deutsche Post ist der naheliegendste Vertriebskanal, aber nicht der einzige. Wer die Wohlfahrtsverbände direkt unterstützen möchte, kann auch über deren eigene Shops bestellen - was bei manchen Verbänden mit einem kleinen Beipackzettel zu den geförderten Projekten begleitet wird.
Deutsche Post - Filialen und Online-Shop
Im Filialnetz der Deutschen Post und im offiziellen Online-Shop der Deutschen Post sind die aktuellen Ausgaben zum Ausgabepreis erhältlich. Der Shop listet Einzelmarken, Zehnerbogen und Sets - sowohl nassklebend als auch selbstklebend. Lieferung erfolgt per Post; ein direkter Kaufweg ohne Aufpreis, wenn Sie ohnehin frankieren wollen.
Direkt bei den Wohlfahrtsverbänden
Caritas, Diakonie, AWO und der Paritätische Gesamtverband betreiben eigene Online-Vertriebsstellen für Wohlfahrtsmarken. Der Einkauf dort hat einen symbolischen Mehrwert: Er unterstreicht die Verbindung zur eigentlichen Verwendung der Erlöse. Die Preise sind identisch mit denen der Post - es gibt keine Aufschläge für den Verbandsvertrieb.
Verkaufszeitraum und Vernichtung nicht verkaufter Bestände
Wohlfahrtsmarken werden für eine im Voraus festgelegte Frist angeboten. Was am Ende des Verkaufszeitraums nicht abgesetzt wurde, vernichtet die Deutsche Post. Für Sammler bedeutet das: Wer eine laufende Serie komplett haben möchte, sollte innerhalb des Ausgabejahres bestellen - späte Nachbestellungen laufen ins Leere, sobald die Bestände erschöpft oder abgelaufen sind.
Wohlfahrtsmarken als ethischer Einstieg ins Sammeln
In der aktiven Sammler-Community fällt mir auf, dass Wohlfahrtsmarken als Einstiegsgebiet unterschätzt werden. Das Thema hat Hand und Fuß, die jährliche Ausgabe ist überschaubar, und es bedient den ethischen Anspruch vieler Neusammler - drei Eigenschaften, die selten gleichzeitig in einer Kategorie zusammenkommen.
Chronologisch nachvollziehbar - ein Set pro Jahr seit 1949
Kein anderes Briefmarkengebiet lässt sich so einfach chronologisch aufbauen wie die Wohlfahrtsmarken: Ein Set pro Jahr, klare Datierung, fortlaufende Themen-Linien. Wer 1949 beginnt und bis heute vorarbeitet, hat eine lückenlose Zeitreihe - das ist selten in der Philatelie, weil bei den meisten Gebieten Ausgaben unregelmäßig erschienen oder Serien unterbrochen wurden.
Preislich überschaubar und ohne Spekulationsrisiko
Da Wohlfahrtsmarken primär karitativen Charakter haben und die Auflagen der Neuzeit keine Knappheit erzeugen, gibt es keine spekulative Blasenbildung. Was Sie heute kaufen, können Sie in zwanzig Jahren nicht mit Gewinn weiterverkaufen - aber Sie verlieren auch nichts. Die Sammlung bleibt stabil wertstabil auf Nominalwertniveau; kein anderer Anspruch ist sinnvoll.
Sammeln mit Sinn - Porto-Zuschlag trägt soziale Projekte
Für Sammler, die den philatelistischen Aspekt mit einem sozialen Motiv verbinden wollen, ist das Format ideal. Jede Marke im Album repräsentiert nicht nur eine grafische Arbeit, sondern auch einen realen Beitrag zu Jugendhilfe, Altenhilfe oder Behindertenhilfe. Wer über das systematische Briefmarken sammeln nachdenkt und einen ethisch fundierten Einstieg sucht, findet hier einen gut dokumentierten Startpunkt.
Wohlfahrtsmarken oder Bethel-Sammlung? Zwei Spenden-Wege im Vergleich
Immer wieder werde ich gefragt, ob Bethel-Briefmarken und Wohlfahrtsmarken dasselbe sind - sie sind es nicht. Der Unterschied liegt im Mechanismus: Hier eine Neuausgabe mit gesetzlich definiertem Zuschlag beim Kauf, dort eine Zweitverwertung bereits genutzter Marken aus privater Post. Beide Wege verfolgen soziale Ziele, aber auf völlig verschiedenen Pfaden.
Wohlfahrtsmarke - Neuausgabe mit Zuschlag beim Kauf
Sie kaufen eine neue Briefmarke zu einem Preis, der Nennwert plus Zuschlag addiert. Der Zuschlag fließt direkt an die BAGFW-Verbände. Die Marke selbst frankiert Ihre Sendung. Es geht kein Umweg über Gebrauchtmarken-Sammlung, Sortierung oder Weiterverkauf; die Spende ist im Kaufpreis bereits enthalten.
Bethel-Sammlung - Zweitverwertung bereits gestempelter Marken
Die 1888 gegründete Briefmarkenstelle Bethel sammelt gebrauchte, gestempelte Marken und Briefumschläge aus privater oder geschäftlicher Post. Rund 125 Menschen mit Behinderungen schneiden die gespendeten Marken aus, sortieren sie nach Ländern und Motiven und verkaufen sie als Kiloware an Sammler weiter. Der Erlös sichert Arbeitsplätze und fließt in die diakonische Arbeit der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.
Unterschiedliche Wirkung - direkter Zuschlag versus Weiterverkauf
Bei der Wohlfahrtsmarke ist die Spende direkt und transparent: Sie zahlen X Cent mehr als das Porto, und dieser Betrag geht an einen benannten Verband. Bei Bethel entsteht der soziale Nutzen über einen Umweg: Die gespendeten Marken werden zu Handelsgut, dessen Verkauf Arbeitsplätze und Projekte finanziert. Beide Ansätze sind legitim; der Wirkmechanismus ist ein anderer. Wenn Sie gestempelte Marken aus einem Nachlass spendenwertig loswerden möchten, gibt es dazu mehr Informationen unter Bethel Briefmarken-Spende.
| Merkmal | Wohlfahrtsmarke | Bethel-Sammlung |
|---|---|---|
| Art der Marke | Neue Briefmarke (ungestempelt) | Gebrauchte / gestempelte Marken |
| Spenden-Mechanismus | Zuschlag direkt im Kaufpreis | Weiterverkauf der Gebrauchtmarken |
| Empfänger | BAGFW (6 Wohlfahrtsverbände) | v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel |
| Sozialer Nutzen | Projekt-Finanzierung der Verbände | Arbeitsplätze + diakonische Arbeit |
| Frankierbar? | Ja (Nominalwert) | Nein (bereits gestempelt) |
| Gegründet | 1949 (Bundesrepublik) | 1888 (Bethel-Werkstatt) |
Fazit: Porto mit Herz trifft ruhigen Sammler-Einstieg
Wohlfahrtsmarken sind ein Sonderfall in der deutschen Philatelie: Sie verbinden postalische Funktion mit sozialem Auftrag, erscheinen verlässlich jedes Jahr und bauen seit 1949 eine lückenlose Chronik auf. Für Sammler ohne Spekulations-Ambitionen, die ein gut strukturiertes und ethisch stimmiges Sammelgebiet suchen, ist das ein nachvollziehbares Einstiegsformat. Wer die aktuellen Ausgaben kaufen möchte, findet sie bei der Deutschen Post oder direkt bei den Wohlfahrtsverbänden wie Caritas oder Diakonie.
Haben Sie ältere Wohlfahrtsmarken-Alben aus einem Nachlass und wollen wissen, was sie wert sind, lohnt sich ein genauerer Blick: Die meisten Serien aus den 1960er- bis 1990er-Jahren liegen nahe Nominalwert, aber die frühen „Helfer der Menschheit"-Sätze aus den ersten Jahren - postfrisch und in einwandfreier Erhaltung - können durchaus Katalogwerte im dreistelligen Bereich tragen. Für eine fundierte Einschätzung einer ganzen Sammlung verweise ich Sie auf die Wertermittlung für Briefmarkensammlungen.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen rund um Wohlfahrtsmarken - von der Verwendung des Zuschlags bis zur Gültigkeit alter Ausgaben.
Wofür wird der Zuschlag auf Wohlfahrtsmarken verwendet?
Der Zuschlag fließt an die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (BAGFW), die ihn unter ihren sechs Spitzenverbänden aufteilt. Diese setzen die Mittel in Projekten der Jugendhilfe, Altenhilfe, Behindertenhilfe und Flüchtlingshilfe ein. Mehr dazu finden Sie im Bereich „Wer bekommt die Erlöse?".
Seit 1949 flossen auf diese Weise beachtliche Summen für soziale Projekte zusammen. Alle Details zur Erlösverteilung stehen im entsprechenden Hauptabschnitt.
Seit wann gibt es Wohlfahrtsmarken in Deutschland?
Die erste reguläre Wohlfahrtsmarken-Serie der Bundesrepublik erschien am 14. Dezember 1949 unter dem Titel „Helfer der Menschheit". Initiiert hatte sie Caritas-Generalsekretär Kuno Joerger. Vorläufer mit Zuschlag gab es in Deutschland schon ab 1919, aber das heutige jährliche Format begann 1949. Alle Details stehen im Abschnitt „Geschichte der Wohlfahrtsmarken".
Sind Wohlfahrtsmarken zum Frankieren auch nach Ablauf der Verkaufsfrist gültig?
Ja. Die Nennwert-Komponente einer Euro-Briefmarke - also das eigentliche Porto - bleibt frankierwirksam, weil der Zuschlag zählt nicht als Porto; er ist eine Spende, keine Porto-Mehrleistung. Die Marke gilt so lange, wie der aktuelle Briefportostand den Nennwert akzeptiert.
Eine Wohlfahrtsmarke mit Nennwert 0,95 Euro frankiert weiterhin gültig, wenn der aktuelle Briefportostand das erlaubt. Schauen Sie dazu in den Bereich „Wert und Sammlerwert".
Sind alte Wohlfahrtsmarken aus den 1950er-Jahren heute wertvoll?
Das kommt auf die Serie und den Erhaltungsgrad an. Die erste „Helfer der Menschheit"-Ausgabe von 1949 (Michel-Nummern 117-120) hat laut Michel-Katalog einen postfrischen Wert von 110 Euro, wird real aber oft um 30-40 Euro gehandelt.
Für einwandfreie Erhaltung mit Originalgummi werden auf Tauschtagen höhere Preise aufgerufen. Serien aus den 1960er-Jahren aufwärts liegen meist nahe Nominalwert. Mehr dazu im Abschnitt „Wert und Sammlerwert".
Wo kann ich aktuelle Wohlfahrtsmarken kaufen?
Aktuelle Ausgaben sind in Filialen der Deutschen Post sowie im Online-Shop der Post erhältlich. Die Preise sind identisch mit dem Verbandsvertrieb; eigene Vertriebsstellen bieten Caritas, Diakonie, AWO und der Paritätische Gesamtverband an - teils online, teils über regionale Geschäftsstellen.
Alle Kaufwege sind im Bereich „Wo kann man Wohlfahrtsmarken kaufen?" beschrieben. Dort finden Sie auch den Hinweis auf den Verkaufszeitraum und was nach Ablauf der Frist passiert.
Was ist der Unterschied zwischen Wohlfahrtsmarken und der Bethel-Briefmarken-Sammlung?
Wohlfahrtsmarken sind neue Briefmarken, bei denen ein Zuschlag direkt im Kaufpreis steckt. Die Bethel-Sammlung hingegen verwertet bereits gestempelte Marken aus privater Post: Rund 125 Menschen mit Behinderungen sortieren die gespendeten Marken und verkaufen sie weiter.
Beide Wege verfolgen soziale Ziele, aber mit grundlegend verschiedenem Mechanismus. Die genaue Abgrenzung lesen Sie im Abschnitt „Wohlfahrtsmarken oder Bethel-Sammlung?".

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.