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Stichtiefdruck bei Briefmarken: Verfahren, Erkennen, Prestige

Der Stichtiefdruck ist das älteste und aufwendigste Druckverfahren der Philatelie - verwandt mit dem Kupferstich, der Graveur arbeitet vier bis sechs Wochen an einem einzigen Markenbild, und das Ergebnis ist mit der Fingerkuppe ertastbar. Kein anderes Verfahren erzeugt dieses fühlbare Farbrelief auf der Markenoberfläche.

Für Sammler ist die Druckverfahrens-Bestimmung eine handfeste Echtheitsprüfung im Alltag: Ein im Offset oder Laserdruck imitiertes Stichtiefdruck-Motiv entlarvt sich sofort - das plastische Relief fehlt.

Ich erkläre Ihnen hier, wie das Verfahren funktioniert, woran Sie es erkennen, welche deutschen Serien betroffen sind und wie der Michel-Katalog Stichtiefdruck im Kürzel ausweist.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • Stichtiefdruck ist ein direktes Tiefdruckverfahren, bei dem das Motiv mit einem Stichel manuell in Kupfer oder Stahl graviert wird - englischer Fachbegriff: Intaglio.
  • Erkennungsmerkmale für Sammler: fühlbares Farbrelief, feine Linienschraffur, keine Rasterpunkte - die Fingerkuppe reicht als erstes Prüfwerkzeug.
  • Das fälschungssicherste Druckverfahren der Philatelie, daher jahrzehntelang Standard für Hochwert-Marken und Ganzsachen-Wertzeichen.

Der Begriff Stichtiefdruck beschreibt das Verfahren, das Postverwaltungen seit dem 19. Jahrhundert für ihre wertvollsten Ausgaben wählten - die Gravur-Technik macht es praktisch unkopierbares Herstellungsverfahren für Briefmarken mit hohem Nominalwert.

Stichtiefdruck Briefmarken: Graveur-Arbeitsplatz mit Stichel, Kupferplatte und klassischer Briefmarke unter Lupe

Alle drei Erkennungsmerkmale - Relief, Linienstruktur und Randprüfung - lassen sich ohne Sondergerät anwenden, und drei Schritte reichen zur Bestimmung. Dazu unten mehr.

Was ist Stichtiefdruck?

Der Begriff Stichtiefdruck beschreibt ein direktes Tiefdruckverfahren aus der Familie der Intaglio-Techniken, das in der Philatelie die größte Handwerks-Tiefe verlangt - und genau deshalb das fälschungssicherste Ergebnis liefert.

Definition und Intaglio-Einordnung

Stichtiefdruck ist ein direktes Tiefdruckverfahren, bei dem das Druckbild manuell oder maschinell mit einem Stichel in eine Kupfer- oder Stahlplatte gestochen wird. „Direkt" bedeutet, dass die Farbe ohne Zwischenträger von der Metallplatte auf das Papier gepresst wird. Der englische Fachbegriff lautet Intaglio - aus dem Italienischen für „eingeschnitten". Neben Briefmarken gilt das Verfahren auch für Urkunden, Wertpapiere und Banknoten als Sicherheitsdruck.

Einordnung in die Druck-Systematik

In der Briefmarkenkunde unterscheidet man vier Haupt-Druckfamilien: Hochdruck (druckende Teile erhaben, z. B. Buchdruck), Flachdruck (druckende und nicht-druckende Teile in einer Ebene, z. B. Offsetdruck), Tiefdruck (druckende Teile vertieft - hier siedelt der Stichtiefdruck) und Durchdruck (Farbe durch Schablone gepresst, z. B. Siebdruck). Innerhalb der Tiefdruck-Familie ist Stichtiefdruck das aufwendigste Verfahren - der Rastertiefdruck als zweite Tiefdruck-Variante entsteht photographisch, nicht durch Gravur.

Unterschied zu Offset, Buchdruck und Rastertiefdruck

Wer Stichtiefdruck sicher erkennen will, muss die anderen drei Hauptverfahren kennen - die Abgrenzung passiert immer im Vergleich, und jedes Verfahren hinterlässt andere Spuren auf der Markenoberfläche.

Übersicht der vier Haupt-Druckverfahren bei Briefmarken
VerfahrenFamilieDruckbild-EntstehungTypisches Erkennungsmerkmal
Stichtiefdruck (StTDr)TiefdruckGravur mit Stichel, flächen- und tiefenvariabelFühlbares Relief, Linienschraffur, keine Rasterpunkte
Rastertiefdruck (RaTDr)TiefdruckPhotographisch geätzte Raster-Näpfchen, flächengleich, tiefenvariabelRasterpunkte an Flächenrändern, kein tastbares Relief
Offsetdruck (OffsetDr)FlachdruckIndirekt via GummituchzylinderGleichmäßige Farbflächen, scharfe Linien ohne Relief
Buchdruck (BDr)HochdruckDruckende Teile erhaben, direkte ÜbertragungLeicht ungleichmäßiger Farbauftrag, Quetschränder

Abgrenzung zu Rastertiefdruck - die häufigste Verwechslung

Beide Verfahren gehören zur Tiefdruck-Familie, aber die Druckbild-Entstehung ist grundverschieden. Beim Rastertiefdruck wird das Bild photographisch auf die Kupferplatte übertragen und in flächengleiche, unterschiedlich tiefe Näpfchen geätzt - ein Rakelmesser streift die überschüssige Farbe ab. Beim Stichtiefdruck graviert der Graveur jede einzelne Linie von Hand - das ist der entscheidende Unterschied.

Visuelles Unterscheidungs-Detail: Rastertiefdruck zeigt Rasterpunkte an den Rändern der Farbflächen, Stichtiefdruck zeigt Linien-Schraffur. Die Bundesdruckerei setzte Rastertiefdruck erstmals 1965 bei Sondermarken zur Verkehrsausstellung München ein.

Abgrenzung zu Offsetdruck - Flachdruck ohne Relief

Offsetdruck ist ein indirektes Flachdruckverfahren: Druckende und nicht-druckende Teile liegen in einer Ebene, die druckenden Bereiche sind fettannehmend, die anderen wasserfreundlich. Die Farbe wird zuerst auf einen Gummituchzylinder übertragen und von dort auf das Papier - daher der Begriff „off set". Das Ergebnis sind gleichmäßige Farbflächen ohne jedes Relief. Bei der österreichischen Mariazell-Basilika ist der Offsetdruck (MiNr. 1045) an eben dieser gleichmäßigen Farbfläche auf Anhieb zu erkennen.

Abgrenzung zu Buchdruck - das älteste Verfahren

Buchdruck war das älteste Verfahren für deutsche Briefmarken und ist in der deutschen Markenproduktion heute nicht mehr in Einsatz. Die druckenden Teile liegen erhaben, Farbwalzen tragen die Farbe auf diese Teile auf, von dort geht sie direkt ans Papier. Typisches Kennzeichen sind ein leicht ungleichmäßiger Farbauftrag und Quetschränder, wo die Farbe dicker aufträgt. Bei der Mariazell-Basilika ist die Buchdruck-Variante (MiNr. 1037) an diesen Farbdicken-Varianten erkennbar.

Erkennungsmerkmale - wie Sammler Stichtiefdruck identifizieren

Eine im Stichtiefdruck hergestellte Marke lässt sich oft ohne Lupe und ohne Gerät identifizieren - drei Merkmale reichen, und das erste ist rein haptisch zu erfassen.

Fühlbares Farbrelief - der Fingernagel-Test

Das wichtigste Einzelmerkmal: Der starke Farbauftrag im Stichtiefdruck erzeugt auf der Markenoberfläche ein fühlbares Farbrelief. Die Fingerkuppe oder der Fingernagel seitlich über die Marke geführt erkennt die erhabenen Druckstellen - kein anderes Verfahren erzeugt diesen Effekt. Bei jedem Stück, das mir auf den Tisch kommt, fährt zuerst die Fingerkuppe über die Markenoberfläche - wenn das Relief fühlbar ist, kommt die Lupe erst im zweiten Schritt.

Feine Linienführung und scharfe Konturen

Stichtiefdruck-Marken zeigen sehr feine Linienführung und scharfe Konturen im Markenbild. Im Vergleich wirken Offset-Konturen gleichmäßig, aber ohne die Tiefen-Plastik; Rastertiefdruck-Konturen sind durch die Rasterung an der Grenze leicht ausgefranst. Eine Briefmarkenlupe mit acht- oder zehnfacher Vergrößerung reicht, um die Linienschraffur sicher zu beurteilen.

Keine Rasterpunkte, keine gleichmäßigen Farbflächen

Beim Stichtiefdruck wird das Bild in Linien graviert - das bedeutet: Eine vermeintliche Farbfläche ist in Wirklichkeit immer aus gravierten Linien zusammengesetzt (Schraffur). Es kann im Stichtiefdruck keine komplett eingefärbten Farbflächen geben - weder Rasterpunkte noch durchgehende Flächen sind vorhanden. Wer unter der Lupe Linien-Schraffur ohne Rasterpunkte sieht, hat Stichtiefdruck vor sich.

Der Rand der Farbflächen als sicherstes Unterscheidungs-Detail

Bei modernem, hochgesättigtem Rastertiefdruck können die Rasterpunkte ineinanderfließen - die Farbfläche wirkt scheinbar durchgehend. Der Rand der Fläche verrät aber das Verfahren: Rastertiefdruck zeigt dort Punkt-Ausfransung, Stichtiefdruck zeigt die gravierten Linien-Enden klar und scharf. Bei Verwechslungs-Verdacht also immer zuerst den Flächenrand unter der Lupe prüfen.

Warum Stichtiefdruck prestigereich ist

Stichtiefdruck war nie billig und nie massentauglich - genau das macht ihn für Postverwaltungen, Sammler und Fälscher gleich interessant, und der Fälschungsschutz ist kein Nebeneffekt, sondern der Kern des Verfahrens.

Das fälschungssicherste Druckverfahren

Die Gravur mit dem Stichel ist Handarbeit, erfordert handwerkliches Können und lässt sich technisch praktisch nicht kopieren. Ein Fälscher müsste entweder den Stich nachgravieren - für geschulte Augen sofort erkennbar - oder ein anderes Druckverfahren nutzen, dann fehlt das Relief. Deshalb formuliert klassische-philatelie.ch direkt: „Der Stichtiefdruck ist das fälschungssicherste Herstellungsverfahren." Postverwaltungen wählten es gezielt für hohe Nominalwerte als Fälschungsschutz. Was das für den Wert bedeutet, lesen Sie im Abschnitt „Wert der Sammlung".

Vier bis sechs Wochen Graveur-Arbeit pro Markenbild

Vier bis sechs Wochen Handarbeit an einem einzigen Markenbild sind nicht ungewöhnlich. Kupfer ist leichter zu bearbeiten, Stahl hält zehn Mal länger im Druck - beide Plattenmaterialien werden je nach Auflagenhöhe gewählt. Die Verwandtschaft mit Kupferstich und Radierung macht Stichtiefdruck zu einer künstlerischen Disziplin, die nicht ohne Grund als eines der edelsten Druckverfahren gilt.

Ganzsachen-Wertzeichen - die unterschätzte Verwandtschaft

Wer klassische Ganzsachen sammelt - Postkarten, Umschläge, Streifbänder des Deutschen Reichs und der frühen Bundespost - hat den Stichtiefdruck ständig unter dem Fingernagel. Das aufgedruckte Wertzeichen auf diesen Ganzsachen ist fast immer Stichtiefdruck, aus exakt demselben Grund wie bei der Briefmarke: Fälschungsschutz. Wer das Relief fühlt, weiß, dass er kein Nachdruck-Stück in der Hand hat. Für Sammler, die von klassischen Briefmarken in die Ganzsachen-Welt übertreten, ist das der erste und wichtigste Handgriff.

Technischer Prozess - vom Stichel bis zum Abzug

Der Ablauf ist seit dem 19. Jahrhundert im Kern unverändert - Kupfer- oder Stahlplatte, Stichel, Druckerfarbe, Rakel, saugfähiges Papier. Die handwerkliche Präzision liegt dabei ausschließlich in der Gravur-Phase.

Die Gravur mit dem Stichel

Der Graveur zeichnet das Markenmotiv spiegelverkehrt vor und schneidet es mit einem Stichel vertieft in die Kupfer- oder Stahlplatte. Linienführung, Schraffur, Tiefenunterscheidung - alles ist Handarbeit. Eine Mezzotinto-Zusatztechnik mit Roulette (kleinem gezahnten Stahlrädchen), Schabeisen und Polierstahl erlaubt Halbton-Darstellung in der Gravur. Gerade diese Fähigkeit zur Halbton-Abstufung ist es, die Stichtiefdruck-Marken optisch von allen anderen Druckverfahren abhebt.

Farbauftrag und Rakel

Nach der Gravur wird pastenartige Druckfarbe auf die Platte aufgetragen, füllt die Vertiefungen und setzt sich auf den erhabenen Bereichen. Mit einem Rakel - einem speziellen Messer - wird die überschüssige Farbe von den erhabenen Bereichen abgestreift, zurück bleibt die Farbe ausschließlich in den Gravur-Vertiefungen. In modernen Stichtiefdruck-Maschinen wird die überschüssige Farbe durch eine gegenläufige Papierbahn abgewischt statt mit dem Rakel abgestreift.

Abzug auf saugfähiges Papier

Saugfähiges Papier presst sich unter sehr hohem Druck in die farbgefüllten Vertiefungen und nimmt die pastenartige Farbe auf. Das Ergebnis ist das charakteristische Relief - die Farbe steht erkennbar über der Papieroberfläche. Bei langen Auflagen wählen Postverwaltungen Stahl statt Kupfer, weil Stahl zehn Mal widerstandsfähiger ist. Wie Plattenverschleiß Druckbild-Abweichungen erzeugt und warum Stichtiefdruck-Plattenfehler wertvoll sind, erkläre ich im Abschnitt „Plattenfehler".

Bekannte Stichtiefdruck-Emissionen

Drei Emissionen gelten in der Philatelie-Literatur als Referenz-Beispiele für Stichtiefdruck in Höchstform - je eine aus der Frühzeit der Philatelie, aus dem Deutschen Reich und als didaktisches Vier-Verfahren-Lehrstück.

Brasilien Ochsenauge 1843

Die erste Ausgabe Brasiliens vom 1. August 1843 - die sogenannten „Ochsenaugen", benannt nach dem ovalen Wertziffer-Muster - gilt als „Stichtiefdruck in Perfektion". Die 60-Reis-Ochsenauge zeigt, wie präzise die Intaglio-Technik bereits in der Frühzeit der Philatelie umgesetzt werden konnte - ein Markenbild aus wenigen Quadratmillimetern, das unter der Lupe erstaunliche Detaildichte offenbart.

Deutsches Reich - Germania und wilhelminische Hochwerte

Die wilhelminischen Hochwerte der Germania-Serie, darunter die MiNr. 94 B II mit einer detailreichen Straßenszene, demonstrieren, was der Stichtiefdruck auf engstem Raum leistet. Selbst der schlechtere Kriegsdruck zeigt noch ein sauberes und detailliertes Markenbild - ein Zeugnis dafür, dass die Qualität der Gravur Druckschwankungen überlebt. Bildmarken des Deutschen Reichs, die heute philatelistisch besonders gesucht sind, stammen überdurchschnittlich oft aus dem Stichtiefdruck-Repertoire.

Mariazell-Basilika Österreich - das Vier-Verfahren-Lehrstück

Die österreichische Freimarke „Mariazell-Basilika" zu 1 Schilling ist die einzige bekannte Briefmarke, die in allen vier Hauptdruckverfahren erschienen ist: MiNr. 1035 Stichtiefdruck, MiNr. 1037 Buchdruck, MiNr. 1045 Offsetdruck, MiNr. 1073 Rastertiefdruck. Für Sammler, die die Unterschiede der Verfahren direkt am gleichen Motiv studieren wollen, ist das ein seltener didaktischer Glücksfall in vier Varianten - alle nebeneinander unter der Lupe zeigen alle vier Erkennungsmerkmale auf einmal.

Deutsche Stichtiefdruck-Serien

Deutsche Post-Verwaltungen setzten Stichtiefdruck über mehr als ein Jahrhundert bei Hochwert-Marken und Prestige-Serien ein - von der Germania-Serie über die Heuss-Dauerserie bis zu heute nur noch punktuell verwendeten Kombinationsdrucken.

Deutsches Reich und Weimarer Republik

Die Germania-Serie mit ihren Hochwerten (ab 1900), die Zeppelin-Luftpostmarken der 1920er und 1930er Jahre und die Reichspräsidenten-Dauerserien nutzten Stichtiefdruck überall dort, wo hohe Nominalwerte gedruckt wurden. Die Fälschungsgefahr war bei diesen Werten am größten - und Stichtiefdruck bot den einzigen zuverlässigen Schutz.

Bundespost, Berlin und DDR

Die Bundespost Heuss-Dauerserie ab 1954 erschien in gemischtem Druckverfahren: Die Hochwerte wurden im Stichtiefdruck gedruckt, Niedrigwerte häufig im Buchdruck - bei Mischkatalogen ist das Druckverfahren deshalb sorgfältig zu prüfen. Die Bedeutende-Deutsche-Dauerserie und die Berliner Männer-aus-der-Geschichte-Serie gehören ebenfalls zu den klassischen deutschen Stichtiefdruck-Serien. Die DDR bevorzugte für Sonderausgaben oft Rastertiefdruck.

Heutige Deutsche Post - Stichtiefdruck als Sonderfall

Aus Kostengründen ist Stichtiefdruck bei der Deutschen Post in der Massenproduktion nicht mehr Standard. Sonderausgaben hoher Nominalwerte oder Prestige-Ausgaben nutzen gelegentlich Kombinationsdruck (Stichtiefdruck und Offset), um das Prestige des Reliefs mit der Effizienz des Offsetdrucks zu verbinden. Wer eine aktuelle Deutsche-Post-Marke mit fühlbarem Relief in der Hand hält, hält mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Prestige-Sonderausgabe.

Identifikation im Michel-Katalog

Der Michel-Katalog notiert das Druckverfahren standardmäßig in der Marken-Detailbeschreibung - wer die Kürzel kennt, liest das Druckverfahren in Sekunden, und die Kürzel sind eindeutig und stabil.

Druckverfahrens-Kürzel im Michel

Die gängigen Kürzel: StTDr (Stichtiefdruck), BDr (Buchdruck), OffsetDr oder Odr (Offsetdruck), RaTDr (Rastertiefdruck), Komb.Dr. (Kombinationsdruck, meist Stichtiefdruck und Offset). Bei Dauerserien wird das Druckverfahren pro Nominale angegeben - bei der Heuss-Serie stehen Niedrigwerte mit „BDr", Hochwerte mit „StTDr" klar ausgewiesen.

Getrennte Michel-Nummern bei bildgleichen Marken

Wenn die gleiche Briefmarke in unterschiedlichen Druckverfahren erschienen ist, führt der Michel getrennte Hauptnummern. Das Mariazell-Beispiel ist wieder instruktiv: vier Druckverfahren, vier Michel-Nummern (1035, 1037, 1045, 1073). Für den Sammler bedeutet das: Bildgleichheit reicht nicht zur Identifikation - das Druckverfahren muss mitgeprüft werden. Bei deutschen Marken ist der häufigste Druckverfahren-Doppelfall die Heuss-Dauerserie.

Fazit: Warum Stichtiefdruck die Königsdisziplin der Markenherstellung ist

Stichtiefdruck vereint Handwerk, Kunstfertigkeit und Fälschungsschutz in einem Verfahren - vier bis sechs Wochen Graveur-Arbeit pro Markenbild, fühlbares Relief und Linienschraffur statt Rasterpunkten. Für Sammler ist die Druckverfahrens-Bestimmung eine Grundkompetenz, die sich mit der Fingerkuppe und einer 8-fach-Lupe erlernen lässt.

Bei deutschen Klassikern, wilhelminischen Hochwerten, Heuss-Marken und klassischen Ganzsachen-Wertzeichen ist Stichtiefdruck die Regel, nicht die Ausnahme. Wer das Verfahren kennt, liest eine Briefmarkensammlung mit anderen Augen - und erkennt Fälschungen, bevor die Lupe ins Spiel kommt.

Fragen und Antworten

Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Stichtiefdruck bei Briefmarken.

Was ist Stichtiefdruck bei Briefmarken?

Stichtiefdruck ist ein direktes Tiefdruckverfahren, bei dem das Markenmotiv mit einem Stichel manuell oder maschinell in eine Kupfer- oder Stahlplatte graviert wird. Die Farbe füllt die Vertiefungen und wird beim Druck auf das Papier übertragen - das Ergebnis ist ein fühlbares Relief auf der Markenoberfläche. Englischer Fachbegriff: Intaglio (aus dem Italienischen für „eingeschnitten").

Mehr dazu finden Sie im Abschnitt „Was ist Stichtiefdruck?" - dort erkläre ich auch die Einordnung in die Druck-Systematik.

Wie erkenne ich eine Stichtiefdruck-Marke?

Drei Merkmale: erstens fühlbares Relief auf der Markenoberfläche - die Fingerkuppe seitlich über die Marke geführt spürt die erhabenen Druckstellen. Zweitens feine Linienführung und scharfe Konturen unter der Lupe. Drittens keine Rasterpunkte und keine komplett eingefärbten Farbflächen - jede scheinbare Fläche ist aus gravierten Linien zusammengesetzt.

Alle Details stehen im Abschnitt „Erkennungsmerkmale", und der Fingernagel-Test reicht als Einstieg.

Was ist der Unterschied zwischen Stichtiefdruck und Rastertiefdruck?

Beide gehören zum Tiefdruck, aber die Druckbild-Entstehung ist grundverschieden. Stichtiefdruck wird manuell graviert und zeigt Linien-Schraffur; Rastertiefdruck wird photographisch in gleichgroße, unterschiedlich tiefe Näpfchen geätzt und zeigt am Rand der Farbflächen Rasterpunkte. Stichtiefdruck hat ein fühlbares Relief, Rastertiefdruck in der Regel nicht.

Schauen Sie dazu in den Bereich „Unterschied zu Offset, Buchdruck und Rastertiefdruck" - die Tabelle zeigt alle vier Verfahren auf einen Blick.

Warum gilt Stichtiefdruck als fälschungssicherstes Druckverfahren?

Weil die Gravur Handarbeit mit dem Stichel ist und sich technisch praktisch nicht kopieren lässt. Ein Fälscher müsste entweder den Stich nachgravieren - für geschulte Augen erkennbar - oder ein anderes Druckverfahren nutzen, bei dem dann das fühlbare Relief fehlt. Postverwaltungen nutzen Stichtiefdruck daher seit dem 19. Jahrhundert für Hochwert-Marken, bei denen Fälschungen den größten Schaden anrichten.

Mehr dazu im Abschnitt „Warum Stichtiefdruck prestigereich ist" - dort steht auch, was das für den Sammlerwert bedeutet.

Welche deutschen Briefmarken sind im Stichtiefdruck gedruckt?

Hochwerte der Germania-Serie des Deutschen Reichs, Zeppelin-Luftpostmarken, Reichspräsidenten-Dauerserien, die Hochwerte der Bundespost Heuss-Dauerserie ab 1954, die Bedeutende-Deutsche-Serie, die Berliner Männer-aus-der-Geschichte-Serie und klassische Ganzsachen-Wertzeichen. Heute ist Stichtiefdruck bei der Deutschen Post ein Sonderfall, oft als Kombinationsdruck mit Offset ausgeführt.

Alle Details im Bereich „Deutsche Stichtiefdruck-Serien" - chronologisch geordnet nach Verwaltung.

Wie finde ich das Druckverfahren einer Marke im Michel-Katalog?

Der Michel notiert das Druckverfahren in der Marken-Detailbeschreibung. Die Kürzel: StTDr (Stichtiefdruck), BDr (Buchdruck), OffsetDr oder Odr (Offsetdruck), RaTDr (Rastertiefdruck), Komb.Dr. (Kombinationsdruck). Bei bildgleichen Marken mit unterschiedlichem Druckverfahren führt der Michel getrennte Hauptnummern - das Mariazell-Beispiel hat vier Nummern für vier Verfahren.

Mehr dazu im Abschnitt „Identifikation im Michel-Katalog" - dort erkläre ich auch, warum Bildgleichheit nicht zur Identifikation reicht.

Klaus Weber
Klaus Weber

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.