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Fehldruck bei Briefmarken: Definition, Beispiele, Wert

Ein Briefmarken-Fehldruck ist eine sporadisch aufgetretene Abweichung vom planmäßigen Druckbild, die durch menschliches Versagen oder einen technischen Einzelfehler während der Druckauflage entsteht - kein dauerhafter Schaden an der Druckplatte, sondern ein einmaliges Versehen in der Druckerei. Das unterscheidet ihn vom Plattenfehler, der sich auf jeder Plattenposition identisch wiederholt.

Die Verwechslung beider Begriffe ist unter Sammlern und Erben der häufigste Fehler, den ich in der Nachlass-Beratung sehe - mit unmittelbaren Konsequenzen für den Wert. Ich erkläre Ihnen hier die Definition, die Abgrenzung zu Plattenfehler und Abart sowie vier typische Entstehungswege im Detail.

Dazu ordne ich die bekanntesten Fehldrucke der Weltphilatelie ein und erläutere, warum das BPP-Attest beim Verkauf keine Option, sondern Pflicht ist.

Inhaltsverzeichnis

Auf einen Blick

  • Ein Fehldruck ist eine sporadische, einmalige Abweichung im Druckvorgang - im Gegensatz zum Plattenfehler, der sich bei jeder Marke aus derselben Plattenposition identisch wiederholt.
  • Kanonische Beispiele sind Inverted Jenny (USA 1918), Baden-Fehldruck (1851) und Gronchi-Rosa (Italien 1961) - klassische Raritäten mit Millionen-Preisen bei Auktionen.
  • Für wertvolle Fehldrucke ist ein BPP-Attest ohne Ausnahme Pflicht - das Feld ist Hochburg der Fälschungen, ohne Prüfer-Gutachten kein seriöser Verkauf.

Der Unterschied zwischen Fehldruck und Plattenfehler klingt akademisch, ist aber der Faktor, der einen gewöhnlichen Befund von einem Sammler-Jackpot mit Millionen-Potenzial trennt. Die Abschnitte unten erklären, wie Sie die Kategorien auseinanderhalten.

Briefmarken Fehldruck: stilisierte Marke mit kopfstehendem Flugzeug-Motiv auf Sammlertisch mit Prüfpinzette und Lupe

Die folgenden Abschnitte gehen von der Definition über die Entstehung bis hin zum Markt und zur Attest-Pflicht - in der Reihenfolge, die für Sammler und Erben am praktischsten nachzuschlagen ist.

Was ist ein Fehldruck?

Fehldrucke entstehen nicht durch einen systematischen Fehler in der Druckanlage, sondern durch einen einmaligen Ausreißer im Druckvorgang - ein Bogen wird falsch eingezogen, eine Farbe verwechselt, eine Wertangabe mit dem falschen Druckkörper aufgebracht. Das Ergebnis ist eine Abweichung nur in der Teilauflage, nicht in der gesamten Serie.

Definition - sporadische Druck-Abweichung

Ein Fehldruck ist eine einmalig oder sporadisch auftretende Abweichung vom planmäßigen Druckbild einer Briefmarke. Typische Ausprägungen sind der kopfstehende Druck (ein Farbauszug wird um 180 Grad verdreht aufgebracht), der Farbfehldruck (falsche Druckfarbe oder fehlender Farbauszug), die Plattendrehung sowie eine fehlerhafte Wertangabe. Der Fachartikel des Briefmarkensammlervereins Speyer zur Dauerserie Welt-der-Briefe-Flaschenpost zeigt, wie moderne Fehldrucke im Markt aussehen: kopfstehender Matrix-Code und Wertangabe „010" statt „10" in verschiedenen Auflagen aus zwei Druckereien.

Entscheidend für die Klassifizierung ist die Sichtbarkeit mit unbewaffnetem Auge. Der Fachdiskussions-Thread auf Philaseiten.de bringt die Grenze auf den Punkt: „Nicht umsonst ignorieren alle Katalogwerke Druckabweichungen, wenn sie nicht mit unbewaffnetem Auge, also ohne Mikroskop, Lupe oder sogar Brille ins Auge fallen." Mikro-Artefakte gelten damit als Fliegenschiss, kein echter Fehldruck - dazu mehr im Abschnitt zur Prüfung.

Warum Fehldrucke überhaupt in den Markt gelangen

Die Druckerei sortiert bei Entdeckung eines Fehldrucks die betroffenen Bogen aus und vernichtet sie. Was an die Post ausgeliefert wird, gilt als freigegebene Auflage - und erst am Postschalter oder beim Sammler wird der Fehldruck bemerkt. Diese Prozess-Lücke beim Postschalter ist der Grund, warum Fehldrucke existieren und gleichzeitig so selten sind.

Fehldruck vs. Plattenfehler - die entscheidende Abgrenzung

Die wichtigste Einsteigerfrage beim Thema Briefmarken-Fehldruck: Was ist der Unterschied zum Plattenfehler? Wer beides verwechselt, katalogisiert falsch und bewertet am Ende den falschen Wert. Die Abgrenzung hängt an einem einzigen Merkmal: Reproduzierbarkeit.

Der Plattenfehler wiederholt sich, der Fehldruck ist die Ausnahme

Ein Plattenfehler ist eine dauerhafte Schadensstelle auf der Druckplatte, die bei jeder Marke aus dieser Plattenposition identisch wiederkehrt. Die Händler-Produktseite von Richard Borek zur Plattenfehler-Rarität Drittes Reich formuliert das präzise: „Ein Fehler auf der Druckplatte, der beim Druck der Briefmarke eine sichtbare Abweichung bewirkt."

Drei Beispiele aus dem Borek-Angebot Drittes Reich 1945: Michel-Nr. 909/I zeigt einen „Kringel im Markenoberrand", Michel-Nr. 910/I einen „Schmiss im Gesicht", Michel-Nr. 910/II die Variante „Heller Kragenspiegel" auf der Plattenposition - jede Marke davon zeigt den identischen Fehler, immer wieder.

Der Fehldruck dagegen ist einmalig - er trifft nur einen Teil der Auflage und verschwindet, sobald die Druckerei den Fehler bemerkt. Merksatz: Der Plattenfehler wiederholt sich auf der Plattenposition; der Fehldruck passiert im Druckvorgang und bleibt die Ausnahme. Mehr zur Terminologie des Plattenfehlers lesen Sie im Eintrag Plattenfehler.

Abart, Fehler auf Briefmarke, Neu-Ausgabe - die Begriffs-Landschaft

Neben Plattenfehler und Fehldruck gibt es weitere Begriffe, die oft durcheinandergehen. Eine Abart ist eine katalogisierte Variante mit eigenständiger Michel-Nummer - etwa Michel 833II für den Dag-Hammarskjoeld-Fehldruck gegenüber 833I für die Normalmarke. Ein „Fehler auf Briefmarke" bezeichnet sachliche Fehler im Motiv, unabhängig vom Druckvorgang: falsche Person, falsches Datum, falsche Flagge. Eine Neu-Ausgabe ist eine neue Druckauflage mit bewussten Änderungen, kein Fehler.

Der Briefmarkensammlerverein Speyer zeigt am Welt-der-Briefe-Flaschenpost-Wert das praktische Problem: vier Auflagen von zwei Druckereien, Wertangabe „010" statt „10", kopfstehender Matrix-Code - die Einordnung als Fehldruck, Abart oder Neu-Ausgabe hält der Autor des Fachartikels ausdrücklich als offene Frage fest. Das belegt die terminologische Unschärfe, die bis heute im Markt existiert.

Entstehung - wie Fehldrucke passieren

Fehldrucke entstehen in wenigen, wiederkehrenden Prozess-Situationen. Die meisten Fälle lassen sich auf vier typische Ursachen zurückführen, die sich aus historischen und modernen Beispielen destillieren lassen.

Einzug-Fehler - der Bogen läuft falsch in die Maschine

Der klassische Fall: Ein Bogen wird um 180 Grad verdreht in die Druckmaschine eingeführt, danach wird ein Farbauszug kopfstehend aufgebracht. Der Inverted Jenny (USA 1918) folgt exakt diesem Muster - der Hintergrund mit dem Curtiss-JN-4-Postflugzeug wurde gedruckt, beim zweiten Farbauszug lief der Bogen verdreht durch die Maschine. Auch die Pan-American-Exposition-Ausgaben von 1901 (Scott 294a, 295a, 296a) entstanden durch Invertierung des Hauptmotivs in der Druckform.

Bei der Nachlass-Prüfung schaue ich bei jeder Marke, die verdächtig aussieht, zuerst die Zähnung und den Gummi an - die meisten angeblichen Fehldrucke sind am Ende manipulierte Normalmarken, schnell erkennbar. Mit etwas Routine brauche ich für diese erste Einschätzung keine fünf Sekunden.

Farbverwechslung und Farbfehldruck

Die Druckerei setzt beim Wechsel der Druckfarbe versehentlich die falsche Farbe ein, oder ein Farbauszug fehlt ganz. Der Baden-Fehldruck von 1851 ist der klassische deutsche Fall: Der 9-Kreuzer-Wert des Großherzogtums Baden sollte auf rosaem Papier erscheinen, einige Bogen erhielten versehentlich grün-blaues statt lilarosas Papier. Moderne Farbfehldrucke treten typischerweise bei Mehrfarben-Druck auf, wenn ein Farbauszug komplett fehlt.

Plattendrehung und fehlerhafte Wertangabe

Eine Druckplatte wird innerhalb der Druckform falsch herum eingesetzt, oder eine Wertangabe wird mit dem falschen Druckkörper aufgebracht. Das aktuell dokumentierte deutsche Beispiel ist der Welt-der-Briefe-Flaschenpost-Wert (verausgabt 2. November 2022): Die dritte Auflage aus der Bundesdruckerei Berlin trägt die Wertangabe „010" statt „10", in der ersten Enschedé-Auflage steht der Matrix-Code kopfstehend im Bogen. Der BSV-Speyer-Fachartikel dokumentiert vier Auflagen mit teils grundlegend unterschiedlichen Merkmalen.

Bekannte Fehldrucke - Inverted Jenny, Baden-Fehldruck, Gronchi-Rosa

Die Weltgeschichte der Philatelie hat drei Fehldrucke, die als kanonische Belege in jedem Lexikon stehen. Dazu kommt ein aktueller moderner Fall aus Deutschland, der die Terminologie-Debatte bis heute offenhält.

Inverted Jenny - der König aller Fehldrucke

Der 24-Cent-Flugpostwert der USA von 1918 zeigt das Curtiss-JN-4-Postflugzeug (Spitzname „Jenny") - in einem einzigen dokumentierten Schalterbogen zu 100 Stück steht das Flugzeug kopfstehend im Bild. Dieser Bogen gelangte über einen Postschalter in den Markt und wurde erst beim Käufer als Fehldruck identifiziert. Im Philaseiten-Fachdiskussions-Thread wird belegt, dass eine Einheit einstmals 4 Millionen australische Dollar erzielte. Eine Einzelmarke erzielte laut dem Nachrichtenbericht zu den Siegel Auction Galleries im November 2023 über zwei Millionen US-Dollar inklusive Aufgeld.

Baden-Fehldruck - die deutsche Millionen-Rarität

Der 9-Kreuzer-Wert des Großherzogtums Baden von 1851 sollte auf rosaem Papier gedruckt werden. Einige Bogen erhielten versehentlich grün-blaues Papier - unter zehn dokumentierte Exemplare sind bekannt. Eines wurde laut dem Bericht zur Sammlung Erivan bei der Auktion Heinrich Köhler am 8. Juni 2019 für 1,26 Millionen Euro zugeschlagen - einer der wertvollsten Fehldrucke der deutschen Philatelie.

Gronchi-Rosa - zurückgezogen, aber nicht komplett

Italien gab 1961 eine Marke zum Staatsbesuch von Präsident Giovanni Gronchi in Peru heraus, auf der die Grenzen Perus fehlerhaft dargestellt waren. Italien zog die Marke vor der offiziellen Auslieferung zurück. Wenige Exemplare gelangten dennoch in Sammlerkreise - ein diplomatischer Fehldruck mit Rarität-Status, der in seiner Art einzigartig ist.

Moderner deutscher Fall - Welt-der-Briefe-Flaschenpost

Die Dauerserie Welt-der-Briefe, 10-Cent-Wert Flaschenpost, verausgabt am 2. November 2022, erschien in vier Auflagen aus zwei Druckereien: Enschedé (Niederlande) und Bundesdruckerei Berlin. Varianten sind dokumentiert: kopfstehender Matrix-Code in der ersten Auflage, Wertangabe „010" statt „10" in der dritten Auflage, unterschiedliche Zwischensteg-Breiten von 2,3 mm und 1,5 mm. Der BSV-Speyer-Fachartikel hält die Einordnung ausdrücklich offen - Fehldruck, Abart oder Neu-Ausgabe? Ein Schulbeispiel für die Unsauberkeit moderner Fehldruck-Terminologie im Markt.

Rarität - warum echte Fehldrucke so selten sind

Echte Fehldrucke haben meist zwei- oder dreistellige Stückzahlen. Das hat zwei klar benennbare Gründe, die sich aus dem Druckerei-Qualitätsprozess und dem Auslieferungsweg ergeben.

Druckerei-Qualität sortiert aus, Postschalter lässt durch

Bei Entdeckung eines Fehldrucks vernichtet die Druckerei die betroffenen Bogen. Was an die Post ausgeliefert wird, gilt als freigegebene Auflage - und erst am Postschalter oder beim Sammler fällt der Fehler auf. Die Prozess-Lücke ist klein, deswegen sind die Stückzahlen konsequent niedrig.

Inverted Jenny: ein Bogen zu 100 Stück laut Wikipedia-Eintrag Inverted Jenny. Pan-American-Exposition 1901 (Scott 294a, 295a, 296a): jeweils unter 200 Exemplare. Baden-Fehldruck: unter zehn dokumentierte Exemplare weltweit.

Die Ausnahme - gezielter Nachdruck zur Spekulations-Eindämmung

Nicht alle Fehldrucke sind selten. Der Dag-Hammarskjoeld-Fehldruck von 1962 (USA, invertierter gelber Hintergrund, Michel 833II gegenüber 833I) wurde nach Bekanntwerden gezielt in einer Auflage von fast 41 Millionen Exemplaren nachgedruckt - um Spekulanten den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Folge: Der Fehldruck ist im Markt verfügbar, sein Sammlerwert liegt nur knapp über der Normalausgabe. Für Sammler die entscheidende Lektion: Auflage entscheidet über den Wert, nicht der Fehldruck-Status allein.

Prüfung und Fälschungs-Risiko - BPP-Attest ist Pflicht

Der teuerste Teil eines Fehldrucks ist nicht der Kaufpreis - es ist das Attest. Ohne Prüfer-Gutachten des Bundes Philatelistischer Prüfer e.V. ist kein seriöser Verkauf möglich, und das aus gutem Grund.

Warum das Feld die Hochburg der Fälschungen ist

Bei Werten im vierstelligen Bereich und darüber lohnt sich für Fälscher die Manipulation. Aus einer normalen Marke wird durch Bleiche, Retusche und Neuperforierung der angebliche Farbfehldruck. Die Fachdiskussion auf Philaseiten.de warnt ausdrücklich: „Leider werden normale Passerverschiebungen häufig als die entsprechende Abart angeboten." Eine normale Passerverschiebung - ein minimaler Farbauszugs-Versatz - ist kein Fehldruck, sondern eine drucktechnische Toleranz ohne Sammlerwert.

Fehldrucke sind der Sammler-Jackpot, und genau deswegen ist das Feld die Hochburg der Fälscher. Einer macht aus einer normalen Marke mit Bleiche und Retusche den angeblichen Farbfehldruck, der nächste stempelt ein falsches Attest drüber. Ich sage jedem, der mir einen Fehldruck zeigt: ohne BPP-Attest kein Verkauf - nicht auf Catawiki, nicht im Verein, nie.

Das Attest kostet nach meiner Erfahrung für mittlere Werte oft 80 bis 200 Euro. Bei einem echten Fehldruck ist das der günstigste Teil der Rechnung. Und bei einem gefälschten Fehldruck ist das der Moment, wo der Prüfer das frei und offen dem Einsender sagt.

BPP-Attest - was es kostet und was es leistet

Der Bund Philatelistischer Prüfer e.V. (BPP) ist die deutsche Prüfer-Organisation, deren Atteste im Markt als Standard gelten. Die Prüfgebühr richtet sich laut der offiziellen Prüfordnung nach dem Michel-Katalogwert - bis zu 4 Prozent, zuzüglich Gebühren für das physische Attest-Dokument. Der Prüfer attestiert Echtheit, Erhaltung und die Zuordnung zur konkreten Fehldruck-Variante. Ohne Attest ist keine Auktionshaus-Einlieferung seriös durchführbar, ohne Attest kein verlässlicher Handelspreis.

Die Fliegenschiss-Grenze

Nicht jede Druckabweichung ist ein Fehldruck. Die Fachdiskussion auf Philaseiten.de formuliert die praktische Regel: „Nicht umsonst ignorieren alle Katalogwerke Druckabweichungen, wenn sie nicht mit unbewaffnetem Auge, also ohne Mikroskop, Lupe oder sogar Brille ins Auge fallen." Mikro-Abweichungen sind Fliegenschiss, nicht Fehldruck. Die Grenze ist praktisch: Wenn Sie ohne Hilfsmittel auf Armlänge einen klaren Unterschied zur Normalmarke sehen, hat der Fehldruck-Status eine Chance. Wenn nicht, gehört die Marke in die Fliegenschiss-Kiste.

Sammler-Wert und Markt

Fehldrucke liegen im Markt systematisch über dem Katalogwert der Normalausgabe. Aber die Streuung ist extrem - zwischen Faktor 1,5 und Faktor 10.000 liegen Welten, und die Variablen sind Auflage, Erhaltung und Attest-Status.

Die drei Preisklassen

Typische Markt-Preisklassen für Fehldrucke in der Philatelie
PreisklasseBeispieleFaktor gegenüber NormalausgabeQuelle
Vier- bis sechsstellige RaritätenInverted Jenny (USA 1918), Baden-Fehldruck (1851), Gronchi-Rosa (Italien 1961)Faktor 1.000 bis 10.000+Siegel Auction Galleries, Nov. 2023
Mittlere Sammler-PreisePan-American Exposition 1901 (Scott 294a/295a/296a), klassische Farbfehldrucke mit BPP-AttestFaktor 10 bis 100Philaseiten-Fachdiskussion
Niedriger AufschlagDag-Hammarskjoeld-Nachdruck (41 Mio. Exemplare), aktuelle Flaschenpost-VariantenFaktor 1,5 bis 5BSV-Speyer-Fachartikel

Bei der Beurteilung dieser Tabelle gilt: Ein beschädigter Fehldruck ohne Attest hat im Markt fast keinen Wert. Ein attestierter postfrischer Fehldruck mit vollständigem Bogenrand kann das Vielfache des Katalogwerts erzielen. Erhaltung und Attest sind die entscheidenden Multiplikatoren.

Wo Fehldrucke gehandelt werden

Klassische und vierstellige Fehldrucke laufen über spezialisierte Auktionshäuser mit Einzellos-Katalogisierung. Für attestierte Mittelklasse-Fehldrucke kommt auch die Online-Auktionsplattform Catawiki in Betracht - wöchentliche Briefmarken-Auktionen ohne Mindestgebot, mit Experten-Vorselektion. Der Unterschied zu eBay: Catawiki sortiert Angebote vorab durch eigene Spezialisten, niedrigpreisige Varianten landen auf LastDodo oder Kleinanzeigen-Plattformen. Bei Fehldruck-Verdacht im eigenen Bestand sollten Sie zunächst den Wert der Sammlung ermitteln, bevor Sie einen Verkaufsweg wählen.

Fazit - sporadischer Druckfehler mit Millionen-Potenzial

Ein Briefmarken-Fehldruck ist eine sporadische, einmalige Abweichung vom planmäßigen Druckbild, entstanden durch Einzug-Fehler, Farbverwechslung, Plattendrehung oder fehlerhafte Wertangabe. Die Abgrenzung zum Plattenfehler - dauerhaft, plattenbedingt, reproduzierbar - ist der Kern der Terminologie und direkt wertrelevant.

Die kanonischen Beispiele sind Inverted Jenny (USA 1918, ein Bogen zu 100 Stück, Einzelmarke über 2 Millionen US-Dollar im November 2023), Baden-Fehldruck (1851, unter zehn Exemplare, 1,26 Millionen Euro bei Heinrich Köhler im Juni 2019) und Gronchi-Rosa (Italien 1961). Aktuelle Fälle wie die Welt-der-Briefe-Flaschenpost zeigen, dass Fehldrucke kein historisches Phänomen sind - sie entstehen bis heute durch dieselben vier Prozess-Situationen in modernen Druckereien.

Der wichtigste Sammler-Merksatz: Ohne BPP-Attest kein seriöser Verkauf. Das Feld ist Hochburg der Fälschungen, das Attest richtet sich nach dem Michel-Katalogwert und ist bei jedem echten Fehldruck-Verdacht der klügste erste Schritt vor dem Verkauf.

Fragen und Antworten

Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um Briefmarken-Fehldrucke, von der Definition bis zur Attest-Pflicht.

Was ist ein Fehldruck bei Briefmarken?

Ein Fehldruck ist eine sporadisch aufgetretene Abweichung vom planmäßigen Druckbild einer Briefmarke, entstanden durch menschliches Versagen oder einen technischen Einzelfehler während der Druckauflage. Typische Ausprägungen sind kopfstehender Druck, Farbverwechslung, Plattendrehung oder fehlerhafte Wertangabe. Im Gegensatz zum Plattenfehler ist der Fehldruck einmalig, nicht plattenbedingt reproduzierbar.

Mehr dazu lesen Sie im Abschnitt zur Definition weiter oben auf dieser Seite.

Was ist der Unterschied zwischen Fehldruck und Plattenfehler?

Der Plattenfehler entsteht durch eine dauerhafte Schadensstelle auf der Druckplatte und wiederholt sich bei jeder Marke aus dieser Plattenposition stets identisch. Der Fehldruck ist sporadisch und trifft nur einen Teil der Auflage.

Der Merksatz: Der Plattenfehler kommt aus der Druckplatte und wiederholt sich - der Fehldruck passiert einmalig im Druckvorgang. Alle Details stehen im Abschnitt „Fehldruck vs. Plattenfehler".

Welche bekannten Fehldrucke gibt es?

Die drei kanonischen Beispiele: Inverted Jenny (USA 1918, 24-Cent-Flugpostwert mit kopfstehendem Doppeldecker, ein Bogen zu 100 Stück erhalten), Baden-Fehldruck (9-Kreuzer-Wert 1851 auf grün-blauem statt rosaem Papier, unter zehn Exemplare) und Gronchi-Rosa (Italien 1961, falsche Grenzen Perus). Der aktuellste deutsche Fall ist der Welt-der-Briefe-Flaschenpost-Wert mit vier Auflagen-Varianten aus zwei Druckereien. Schauen Sie dazu in den Bereich „Bekannte Fehldrucke".

Wie entsteht ein Fehldruck?

Vier typische Prozess-Situationen: Einzug-Fehler (Bogen verdreht eingezogen, Farbauszug steht kopf - klassischer Inverted-Jenny-Fall), Farbverwechslung (falsche Druckfarbe - Baden-Fehldruck), Plattendrehung (Druckplatte falsch herum eingesetzt - Pan-American Exposition 1901) und fehlerhafte Wertangabe (Welt-der-Briefe-Flaschenpost mit „010" statt „10"). Mehr im Bereich „Entstehung - wie Fehldrucke passieren", wo ich alle vier Ursachen mit Beispielen erkläre.

Brauche ich ein Attest für einen Fehldruck?

Ja, für jeden seriösen Verkauf. Das Feld der Fehldrucke ist Hochburg der Fälschungen - manipulierte Normalmarken werden als Fehldrucke angeboten. Ein BPP-Attest ist bei Fehldruck-Verdacht praktisch ohne Ausnahme nötig, weil ohne Prüfer-Gutachten keine Auktionshaus-Einlieferung seriös möglich ist.

Alle Details stehen im Abschnitt zur Attest-Pflicht weiter oben.

Wie viel ist ein Fehldruck wert?

Die Streuung ist extrem: Klassische Raritäten wie Inverted Jenny oder Baden-Fehldruck erreichen Faktor 1.000 bis 10.000 gegenüber der Normalausgabe. Mittlere Sammler-Preise mit Attest liegen bei Faktor 10 bis 100. Nachgedruckte Fehldrucke wie der Dag-Hammarskjoeld (41 Millionen Exemplare) haben nur einen Aufschlag von Faktor 1,5 bis 5. Entscheidend sind Auflage, Erhaltung und Attest. Mehr dazu im Abschnitt „Sammler-Wert und Markt".

Klaus Weber
Klaus Weber

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.