Als Bayerns erste Briefmarke von 1849 ist der Schwarze Einser ein philatelistischer Meilenstein. Geprüfte gestempelte Stücke erzielen heute Preise zwischen 1.000 und 8.000 Euro, je nach Erhaltungsgrad und Stempelqualität.
Bei Catawiki finden Sie transparent dokumentierte Zuschläge aus laufenden Expertenauktionen — die verlässlichste Marktbrücke für den Schwarzen Einser, Bayerns klassische Briefmarke von 1849, mit direkt vergleichbaren Preisspannen.
Diese Seite führt Sie durch die Geschichte des Schwarzen Einsers, erklärt Seltenheitsursachen und aktuelle Marktpreise und gibt Ihnen konkrete Hinweise zur Echtheitsprüfung und zu realistischen Verkaufswegen.
Auf einen Blick
- Erste in Deutschland herausgegebene Briefmarke, ausgegeben am 1. November 1849 in Bayern
- Gesamtauflage 832.500 Exemplare in zwei Druckplatten; der heutige Markt zeigt gestempelte Stücke ab 1.000 Euro
- Ohne aktuelles BPP-Fotoattest ist die Marke bei Händlern und Auktionshäusern nahezu unverkäuflich

Schnellfakten
Die folgende Steckbrief-Tabelle fasst die wichtigsten technischen und historischen Daten zusammen, die für Echtheitsbestimmung und Werteinschätzung entscheidend sind. Besonders die Plattennummer hat direkten Einfluss auf den Wert, wie Sie im Abschnitt „Echtheit und Fälschungen" sehen werden.
| Ausgabejahr | 1849 (Ersttag: 1. November) |
|---|---|
| Ausgabeland / Postverwaltung | Königreich Bayern |
| Druckverfahren | Buchdruck auf handgeschöpftem Papier, ungezähnt (geschnitten) |
| Motiv | Große Ziffer „1" in einem Quadrat auf floralem Hintergrundmuster |
| Nennwert | 1 Kreuzer |
| Farbe(n) | Schwarz (tiefschwarz bis grauschwarz) |
| Auflage | 832.500 Exemplare (Platte 1: 472.500; Platte 2: 360.000) |
| Bekannte erhaltene Exemplare | Geschätzt wenige Tausend weltweit; Ersttagsbriefe extreme Raritäten |
| Höchster dokumentierter Zuschlag | 440.000 EUR (2024, Auktionshaus Heinrich Köhler, Ersttagsbrief) |
| Aktueller Standort prominenter Stücke | Museum für Kommunikation Berlin (Eichstätt-Brief mit einzigem Sechserblock); private Sammlungen |
| Plattennummer / Plattenkennung | Platte 1: unscharfer Druck, unterbrochene Linien; Platte 2: klareres Druckbild, saubere Linien - Platte 2 ungebraucht seltener |
Geschichte und Ausgabekontext
Bayern griff im Jahr 1849 eine Idee auf, die Großbritannien 1840 mit der Penny Black weltweit als erstes umgesetzt hatte: eine Briefmarke als Vorauszahlungsnachweis für das Porto. Bayern folgte als erster deutscher Staat diesem britischen Vorbild und führte mit dem Schwarzen Einser eine eigene Postreform ein.
Hintergrund der Ausgabe
Den Entwurf der Marke schuf der Banknotengraveur Johann Peter Haseney, den Stich übernahm Max Josef Seitz. Den Druck führte die Universitätsdruckerei Johann Georg Weiß aus, eine für damalige Verhältnisse hochpräzise Einrichtung. Der Nennwert von 1 Kreuzer deckte das Porto für einen Ortsbrief oder einfache Drucksachen ab.
König Maximilian II. ordnete den Ausgabetag auf den 1. November 1849 an. Dieser Tag war in Bayern der Feiertag Allerheiligen, an dem fast ausschließlich große Postämter geöffnet hatten - und das machte den Ersttag zur Rarität.
Gleichzeitig mit dem Schwarzen Einser erschienen die farbigen Schwestermarken zu 3 Kreuzern in Blau und 6 Kreuzern in Braun. Diese begleitenden Ausgaben rangierten vom ersten Tag an höher im Wert und wurden sorgfältiger aufbewahrt. Der Schwarze Einser hingegen deckte die billigsten Portostufen ab und wurde von Absendern meist achtlos vernichtet - was seine heutige Seltenheit erklärt. Mehr über die Entstehung der allerersten Briefmarke weltweit finden Sie im Profil zur Penny Black.
Warum der Schwarze Einser so selten ist
Die Seltenheit des Schwarzen Einsers hat mehrere sich gegenseitig verstärkende Ursachen - keine davon vorab absehbar, was den Fall besonders instruktiv macht.
Das Problem mit dem schwarzen Stempel
Der entscheidende praktische Fehler lag im Design: Die bayerische Post verwendete schwarze Tinte für ihre charakteristischen Mühlradstempel zur Entwertung. Auf einer tiefschwarzen Marke war nicht mehr erkennbar, ob sie bereits gestempelt worden war - ein erhebliches Betrugsrisiko. Noch während der Laufzeit des Schwarzen Einsers wurde deshalb intensiv an einem Nachfolger mit besser sichtbaren Entwertungen gearbeitet.
Ab Oktober 1851 ersetzte Bayern den Schwarzen Einser durch einen rosafarbenen 1-Kreuzer-Wert, auf dem schwarze Stempel deutlich sichtbar blieben. Der Schwarze Einser behielt formal seine Frankaturgültigkeit, aber die kurze aktive Nutzungszeit von knapp zwei Jahren begrenzte die Gesamtzahl genutzter Exemplare erheblich.
Hohe Verlustrate durch niedrigen Nennwert
Von den 832.500 gedruckten Exemplaren hat nur ein verschwindend kleiner Bruchteil überlebt. Der 1-Kreuzer-Wert wurde für alltägliche Ortsbriefe und billige Drucksachen genutzt - Korrespondenz, die Empfänger nach dem Lesen wegwarfen. Briefe mit höheren Frankierungen, also teuren Marken, wurden aus Wertgründen häufiger aufbewahrt. Die günstigen Einser-Briefe hatten keinen Aufbewahrungsanreiz. Das erklärt, warum selbst von 832.500 gedruckten Stücken heute nur wenige Tausend in sammelwürdigem Zustand existieren.
Bekannte Exemplare und Auktionsrekorde
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten dokumentierten Zuschläge für den Schwarzen Einser. Sechsstellige Zuschläge bleiben Ausnahmestücken vorbehalten - normale gestempelte Exemplare bewegen sich in einem gänzlich anderen Preissegment.
| Jahr | Auktionshaus | Zustand | Zuschlag | Bemerkung | Quelle |
|---|---|---|---|---|---|
| 2024 | Heinrich Köhler | Auf Brief | 440.000 EUR | Einziger vollständig erhaltener Ersttagsbrief vom 1. Nov. 1849; Startpreis 250.000 EUR | Sonntagsblatt |
| 2020 | Heinrich Köhler | Ungebraucht | 260.000 EUR | „Erivan-Haub-Bogenteil": 40 zusammenhängende Marken mit „Kleiner Brücke", 3. Auktion der Sammlung Erivan | Heinrich Köhler |
| 2018 | Stamp Auctions | Postfrisch | 5.800 EUR | Platte 1, allseits breitrandig mit 21,5 mm linkem Bogenrand, Attest Stegmüller BPP | Stamp Auction Network |
| 2018 | Stamp Auctions | Ungebraucht | 4.000 EUR | Platte 2, Luxus-Erhaltung mit Originalgummi, farbtief, Attest Stegmüller BPP | Stamp Auction Network |
Echtheit und Fälschungen
Der Schwarze Einser gehört zu den meistgefälschten Marken der deutschen Philatelie. Ich sage das nicht, um Panik zu machen - sondern weil diese Tatsache eine BPP-Prüfung unverzichtbar macht, bevor Sie auch nur einen größeren Betrag in die Hand nehmen oder eine Kaufentscheidung treffen.
Die zwei Druckplatten als Echtheitsmerkmal
Experten unterscheiden zwei Druckplatten, die sich optisch klar unterscheiden und deren Kenntnis für jede seriöse Werteinschätzung grundlegend ist. Platte 1 liefert ein gröberes, etwas unscharfes Druckbild mit oft unterbrochenen Umrandungslinien. Platte 2 dagegen zeigt einen deutlich schärferen Druck mit sauberen, geschlossenen Linien. Für ungebrauchte Exemplare gilt Platte 2 als die seltenere Variante.
Versteckte Sicherheitsmerkmale
Die Graveure bauten einen Fälschungsschutz ins Design ein, der bis heute bei Echtheitsprüfungen hilft. Im floralen Muster links neben dem Aufstrich der großen „1" verbergen sich bei starker Vergrößerung die Initialen „PH" des Graveurs Peter Haseney. Teilweise wird auch das versteckte Wort „WEISS" für die Druckerei als weiteres Merkmal genannt. Diese Details sind mit einer guten Lupe erkennbar und helfen beim ersten Orientieren.
Typische Fälschungstypen
In Nachlässen tauchen vor allem zwei Kategorien von Nicht-Originalen auf. Erstens: billige Jubiläums-Nachdrucke auf glattem Papier aus den 1970er-Jahren, die für geübte Augen sofort erkennbar sind. Zweitens: professionelle philatelistische Fälschungen von Meisterfälschern wie Jean de Sperati und Peter Winter, die für den ungeschulten Laien schlicht nicht vom Original zu unterscheiden sind.
In meiner Beratungspraxis sind 99 Prozent aller Schwarzen Einser, die freudig aus einem geerbten Album präsentiert werden, solche Nachdrucke auf glattem Maschinenpapier. Das ist kein Vorwurf - die meisten Sammlungen haben solche Stücke als Anschauungsmaterial erworben, und sie haben philatelistisch ihren eigenen Reiz. Den Wert des Originals haben sie nicht.
Zuständig für die Echtheitsprüfung sind die Experten des Bunds Philatelistischer Prüfer (BPP) für das Gebiet Bayern. Bekannte Prüfer-Namen sind historisch und aktuell Stegmüller, Sem und Brettl. Ohne aktuelles Fotoattest eines BPP-Prüfers ist der Schwarze Einser im Handel de facto unverkäuflich - die gesamte Branche hat sich auf diesen Standard geeinigt, und das aus gutem Grund.
Aktuelle Marktpreise
Die Marktpreise für den Schwarzen Einser decken eine enorm breite Spanne ab: von gut 100 Euro für ein stark beschädigtes Exemplar bis zu sechsstelligen Zuschlägen für absolute Spitzenstücke. Was Sie für ein typisches Sammlerstück erwarten dürfen, zeigt die folgende Übersicht.
| Zustand | Preisspanne EUR | Beleg-Art |
|---|---|---|
| Postfrisch / ungebraucht (mit Originalgummi) | 800 - 2.000 EUR | Händler-Preise / Katalogwert |
| Gestempelt (durchschnittliche bis gute Kabinett-Qualität) | 1.000 - 3.500 EUR | Händler- und Auktionspreise |
| Auf Brief (normale Bedarfspost, kein Ersttag) | 2.500 - 5.000 EUR | Auktions-Schätzwerte und Michel-Werte |
| Beschädigt (Knochen, starke Mängel) | 100 - 500 EUR | Auktions-Ausrufe und Sammler-Schätzungen |
Ich habe mir über die Jahre viele Auktionsergebnisse angesehen, und immer wieder zeigt sich: Katalogwerte für den Schwarzen Einser sind oft Makulatur. Was bei Auktionen gezahlt wird, richtet sich nach Liebhaber-Nachfrage, nicht nach statischen Zahlenwerken. Die Preisspannen in der Tabelle gelten für geprüfte Stücke mit BPP-Attest. Ohne Attest müssen Sie bei einem Händler deutliche Abschläge einkalkulieren. Den aktuellen Wert Ihres Exemplars einschätzen lassen - weiterführende Hinweise dazu finden Sie unter Briefmarken-Wert ermitteln.
Fazit: Kaufen, prüfen oder verkaufen
Der Schwarze Einser gehört zu den Raritäten, bei denen der Katalogwert die Marktreaktion kaum beschreibt. Wenige Stücke einer solchen Marke wechseln jährlich den Besitzer, und diese werden von passionierten Bayern-Sammlern und institutionellen Käufern zu Preisen erworben, die statische Katalogangaben weit übersteigen können. Bei Catawiki finden Sie laufende Auktionen vergleichbarer Bayern-Klassiker mit Expertenprüfung und nachvollziehbaren Zuschlagsebenen. Für Ausnahmestücke mit nachgewiesener Provenienz empfehle ich die spezialisierten Auktionshäuser - Heinrich Köhler in Wiesbaden hält den aktuellen Rekord und ist die erste Adresse für Altdeutschland der höchsten Kategorie.
Bei einem vermeintlichen Nachlass-Fund mit einem Schwarzen Einser gilt: Die allermeisten solcher Funde sind Jubiläums-Nachdrucke oder professionelle Fälschungen - eine sachkundige Prüfung schafft Klarheit. Was mit einem geprüften Fund als nächstes zu tun ist, erklärt der Bereich Briefmarken schätzen lassen.
Fragen und Antworten
Hier finden Sie Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um den Schwarzen Einser - von Wert und Echtheit bis zur Druckauflage.
Was ist ein Schwarzer Einser wert?
Das hängt stark von Zustand, Druckplatte und - entscheidend - dem Vorliegen eines BPP-Attestats ab. Gestempelte Durchschnittsstücke mit Prüfzeichen kosten heute meist 1.000 bis 3.500 Euro. Absolute Ausnahme-Stücke wie der einzige bekannte Ersttagsbrief erzielten zuletzt 440.000 Euro. Mehr dazu finden Sie im Abschnitt „Aktuelle Marktpreise".
Woran erkenne ich, ob mein Schwarzer Einser echt ist?
Echte Exemplare wurden ungezähnt auf handgeschöpftem Papier gedruckt. Bei starker Vergrößerung sind die Initialen „PH" im Ornament links neben der Ziffer „1" sichtbar. Gewissheit gibt aber nur ein Fotoattest eines BPP-Prüfers - gute Fälschungen aus dem vergangenen Jahrhundert sind für Laien nicht vom Original zu unterscheiden. Mehr dazu im Abschnitt „Echtheit und Fälschungen".
Warum wurde der Schwarze Einser so schnell abgeschafft?
Die bayerische Post verwendete schwarze Entwertungsstempel. Auf der schwarzen Marke war dadurch kaum erkennbar, ob sie entwertet war - Betrug durch Wiederverwendung war leicht möglich. Ab Oktober 1851 ersetzte Bayern den Schwarzen Einser durch einen rosafarbenen 1-Kreuzer-Wert mit besser sichtbaren Stempeln. Mehr dazu im Bereich „Warum der Schwarze Einser so selten ist".
Wie viele Schwarze Einser wurden gedruckt?
Die Gesamtauflage betrug insgesamt 832.500 Exemplare verteilt auf Platte 1 mit 472.500 und Platte 2 mit 360.000 Stück. Von diesen haben nur wenige Tausend in sammelwürdigem Zustand überlebt, da die Marke für günstige Alltagspost genutzt und danach weggeworfen wurde. Details finden Sie im Abschnitt „Schnellfakten".
Gibt es Fälschungen des Schwarzen Einsers?
Ja - die Marke gehört zu den am häufigsten gefälschten Stücken der deutschen Philatelie. Neben professionellen Fälschungen von Meisterfälschern wie Peter Winter finden sich in vielen Nachlässen wertlose Jubiläums-Nachdrucke aus den 1970er-Jahren auf glattem Papier. Alle Details zu Erkennungsmerkmalen und Prüfinstanzen stehen im Abschnitt „Echtheit und Fälschungen".
Was ist die erste Briefmarke der Welt - und was ist der Unterschied zum Schwarzen Einser?
Die erste Briefmarke der Welt war die britische Penny Black von 1840 - also neun Jahre früher als der Schwarze Einser. Der Schwarze Einser ist die erste Briefmarke, die auf dem Gebiet des heutigen Deutschland herausgegeben wurde, aber nicht die erste der Welt. Das Profil zur Penny Black erklärt die Unterschiede im Detail.

Mit den DDR-Marken aus dem Album meines Großvaters bin ich als Kind zum ersten Mal mit Briefmarken in Berührung gekommen. Über die Jahrzehnte habe ich gesehen, wie Erben und Sammler oft an Hype und Halbwissen scheitern. Daher freue ich mich, meine Erfahrung als langjähriger Sammler bei briefmarkenmesse-essen.de einbringen zu dürfen.